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Jens Lehmann begann seine Profikarriere 1989 bei Schalke 04 © imago

Der VfB-Keeper stellt sich weiter ins Abseits: Gegen Mainz leistet er sich den nächsten Eklat. Gross kündigt Konsequenzen an.

Von Nikolai Kube

München/Mainz - Die vorweihnachtliche Zeit hat sich Jens Lehmann mit Sicherheit anders vorgestellt. Der Keeper bringt sein Denkmal mehr und mehr ins Wanken.

Erst legte sich der Ex-Nationalkeeper unter der Woche mit dem VfB-Vorstand an und wurde zu einer saftigen Geldstrafe verdonnert.

Dann demontierte sich Lehmann mit der "Pinkelaffäre" gegen Unirea Urziceni selbst.

Den vorläufigen Höhepunkt stellten die Unbeherrschtheiten beim 1:1 in Mainz dar:

Lehmann verschenkt den Sieg

Zunächst provozierte der Torhüter mit theatralischen Gesten die Mainzer Fans. Dann erwies er seinem Team mit einer Tätlichkeit in der 88. Minute gegen den Mainzer Aristide Bance einen Bärendienst.

Lehmann trat dem FSV-Stürmer mit Absicht auf den Fuß. Bance nahm dankend an und ging zu Boden.

Eine Rote Karte und ein Elfmeter, der den späten Ausgleich der Mainzer durch Eugen Polanski besiegelte, waren die Folge 183903(Die Bilder des Spiels).

Stuttgart verlässt durch das Unentschieden zwar den Relegationsplatz 16. Der erhoffte Befreiungsschlag bliebt aber erneut aus (DATENCENTER: Die Tabelle).

Gross: Lehmann muss zum Rapport

Bei den Verantwortlichen der Schwaben herrschte nach dem Lehmann-Eklat Ratlosigkeit.

"Ich kann dazu nichts sagen, ich muss erst noch mit Jens darüber sprechen", sagte der VfB-Manager bei "Liga total".

Ob Lehmann jemals wieder für die Schwaben auflaufen wird, steht derweil in den Sternen. Babbel-Nachfolger Christian Gross kündigte bereits an:

"Ich habe sehr genau gesehen, wie er sich vor der Fankurve des Gegners hochgeschaukelt hat. Und das werde ich sehr genau mit ihm besprechen."

Deutliche Worte.

Tuchel stichelt

Für sein Gegenüber Thomas Tuchel war das Elfmetergeschenk eine klare Sache.

"Wenn der Torwart meint, er müsste dem Gegner absichtlich in den Knöchel treten, dann nehmen wir den Elfmeter auch gerne an", stichelte der Mainzer Coach gegen den Ex-Nationalkeeper.

Doch auch ein wenig Verständnis hatte Tuchel für den Keeper übrig. Lehmann sei "getrieben von seinem Ehrgeiz und seinem Erfolgsdenken" wohl ein Stück weit unzufrieden.

Beckenbauer springt Torwart zur Seite

Mit Franz Beckenbauer, Ehrenpräsident des FC Bayern, hat Lehmann jedoch einen prominenten Fürsprecher.

"Er ist ihm auf den Fuß getreten, aber das ist keine Tätlichkeit. In dem Fall wäre eine Gelbe Karte gerecht gewesen", sagte Beckenbauer in der Sendung "sky90".

Als wäre der Platzverweis nicht schon genug gewesen, setzte Lehmann dem Ganzen noch das Sahnehäubchen auf:

Lehmann sucht ein Taxi

Der Keeper verließ wenige Minuten nach Spielende fluchtartig und wortlos das Stadion und geriet dann mit einem VfB-Anhänger aneinander.

Lehmann riss dem Anhänger die Brille vom Kopf, gab diese aber zurück, nachdem er dazu aufgefordert wurde.

Dann setzte sich der 40-Jährige, der sich auch noch mit einem Kameramann anlegte, nach längerer Suche in ein Taxi und ließ sich zum Frankfurter Flughafen chauffieren.

VfB-Mediendirektor Oliver Schraft teilte allerdings mit, dass der Verein darüber Kenntnis hatte und dies nichts Ungewöhnliches sei.

Starke Paraden

Was Lehmann in den 90 Minuten vor dem Aussetzer zeigte, war durchaus passabel. Der Torwart hatte großen Anteil daran, dass der VfB lange Zeit in Führung lag.

Nachdem der Russe Pavel Progrebnyak nach elf Minuten zum 1:0 einnetzte, erhöhte Mainz das Tempo.

Bei den wenigen Chancen der Gastgeber war Lehmann gegen Bance (17.) und Tim Hoogland (38.) auf dem Posten.

Ivanschitz und Co. harmlos

Nach dem Wechsel geriet das Tor des VfB kaum mehr in Gefahr. Die Gastgeber um Topscorer Andreas Ivanschitz ließen ihr Können zu selten aufblitzen.

Warum der Keeper, der jahrelang beim FC Arsenal Spitzenleistungen zeigte, in der Nachspielzeit die Sieg-Hoffnungen der VfB-Fans zerstörte, bleibt allein sein Geheimnis.

Vielleicht sollte der 40-Jährige einen Tipp von "Kaiser" Beckenbauer befolgen: "Eine Pause tät dem Jens vielleicht ganz gut."

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