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Louis vann gaal gewann mit Ajax Amsterdam 1995 die Champions League © getty

Wer ist Louis van Gaal wirklich? Diese Frage stellen sich immer noch viele beim FC Bayern. Der Coach gibt sich selbstbewusst.

Von Mathias Frohnapfel

München - In Barcelona haben sie ihn rasch den Spitznamen "Eiserne Tulpe" verpasst, beim FC Bayern versuchen sie immer noch Louis van Gaal richtig einzuordnen.

Ein Perfektionist? Gewiss ist der Bayern-Trainer das. Ein Dickkopf? Das auch wenn man auf den Dauerclinch mit Luca Toni schaut. (Datencenter: Ergebnisse und Tabelle)

Ein Disziplinfanatiker? Sollte man meinen. Schließlich gibt der 58-Jährige Tisch- und Kleiderordnung pedantisch vor, geht im Training an der Säbener Straße lautstark dazwischen, wenn ihm etwas nicht passt.

"Das kann Hoeneß nicht beurteilen"

Uli Hoeneß nennt den Niederländer daher eben genauso: einen "Disziplinfanatiker". Hoeneß sollte als Bayern-Präsident das bewerten können.

Doch van Gaal gefällt dieses Attribut nicht. Er überrascht auch in seiner erfolgreichsten Wochen als FCB-Coach aufs Neue.

"Das kann Uli Hoeneß nicht beurteilen. Er ist nicht beim Training, bei den Vorbesprechungen", sagte van Gaal im "Aktuellen Sportstudio".

Liebhaber von Normen und Werten

Im Plauderton erzählte er dann von den Freitagabenden mit Hoeneß, an denen die beiden vor jedem Bundesliga-Spiel ein Glas Rotwein trinken.

"Ich bin kein Disziplinfanatiker. Ich bin ein Liebhaber von Normen und Werten", sagte van Gaal und berief als erste Zeugin dafür seine Ehefrau: "Ich kann mit Menschen sehr gut, ich kommuniziere viel. Meine Frau nennt mich einen Softie. In der Welt des Fußballs ist es etwas anders."

Prozesstrainer van Gaal

Luca Toni dürfte das auf Nachfrage bestätigen. Im Machtkampf mit dem stolzen Weltmeister hat sich van Gaal klar durchgesetzt - auch dank der jüngsten Erfolgsserie von fünf Siegen in Folgen.

Die schwere Anfangszeit hat van Gaal längst nicht vergessen. "Ich wurde von Bayern geholt, weil ich ein Trainer mit einer Philosophie bin. Diese Philosophie muss ich ausarbeiten. Das kostet Zeit", erklärte der Niederländer.

Aus der Sicht des selbsternannten Prozesstrainers lassen sich Verbesserungen "jede Woche" feststellen. Im Nachhinein revidiert van Gaal auch den Blick auf die ängstlich geführten Heimpartien gegen Schalke und Leverkusen:

"Wenn wir die Tore gegen Schalke und Leverkusen geschossen hätten, dann wären es auch super Spiele geworden. Jetzt fallen die Tore von selbst."

Selbstbewusst oder arrogant?

Die aktuelle Siegesserie macht van Gaal lockerer als in den angespannten Wochen zuvor. So präsentierte er sich beim traditionellen Fanklub-Besuch mit flotten Sprüchen in Eberfing.

"Ich will nicht Herbstmeister werden, sondern Meister", ließ er die Bayern-Anhänger 60 Kilometer von München entfernt wissen.

Ribery gegen Hertha dabei

Vor dem letzten Heimspiel gegen Berlin am Samstag wird Mittelfeldstar Franck Ribery nach wochenlanger Verletzungspause am Mittwoch wieder ins Mannschaftstraining einsteigen und gegen Hertha erstmals wieder zum Kader gehören.

Der Franzose werde ein paar Minuten spielen, kündigte van Gaal an. "Ihm geht es besser als je zuvor, weil er ohne Schmerzen trainieren kann", sagte der Bayern-Trainer und fügte scherzhaft an: "Wenn Ribery spielt, ist der Wettbewerb in der Bundesliga nicht mehr spannend. Wir gewinnen ja schon ohne ihn 5:1 in Bochum."

Van Gaal freute sich darüber, dass er nicht allzu weit zum weihnachtlichen Fan-Treffen fahren musste. "Der liebe Toni muss nach Österreich", kommentierte er.

Toni will "auf jden Fall weg"

Der von van Gaal ausgebootete Italiener musste sogar bis nach Südtirol (Italien) fahren.

Vor 200 Fans in Truden kündigte er an, in den nächsten zehn Tagen werde es eine Entscheidung zu seiner Zukunft geben.

Seine Reise gehe "auf jeden Fall weg aus München. Hier habe ich keine Chance mehr." Auf die Frage eines Jungen, ob es denn keine Möglichkeit mehr gebe, meinte Toni: "Nein, eher gewinnst Du im Lotto."

Van Gaals Spitze gegen den ausgebooteten Toni war nicht unbedingt aus dem Handbuch für Edelmänner. Ex-Bayern-Spieler Stefan Reuter wertete das genauso, sprach auf "Sky" davon, dass man mit den Spieler "mit Respekt" umgehen solle, da sie ja Angestellte des Klubs seien.

Außerdem hätte Toni ja auch einiges für Bayern geleistet.

Mann der Woche

Van Gaal dürfte solche Kritteleien momentan kaum etwas ausmachen, zumal ihn Präsident Uli Hoeneß angesichts der Erfolgssträhne unlängst zum "Mann der Woche" kürte.

Und Sportdirektor Christian Nerlinger frohlockte nach dem 5:1 über Bochum183903(Die Bilder): "Es steckte sehr viel Bayern München in diesem Sieg."

Im "Aktuellen Sportstudio" trat van Gaal am Samstag mit orangenen Holland-Holzschuhen an der Torwand an, besser als in den Clogs traf er dann aber doch in Straßenschuhen.

Für Überraschungen bleibt der der Bayern-Coach auf jeden Fall gut.

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