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VfB-Coach Christian Gross hält vorerst fest an Keeper Jens Lehmann © getty

Der VfB-Coach verschont seinen Skandal-Keeper noch mal von der ganz großen Konsequenz. Lehmann ist nun ohnehin verletzt.

Von Christian Paschwitz

Stuttgart - Dem unrühmlichen Platzverweis und der Brillen-Attacke gegen einen Fan (Video) zum Trotz: Jens Lehmann hat beim VfB Stuttgart doch noch eine sportliche Zuklunft.

Nach einer angeblich halbstündigen Aussprache mit Trainer Christian Gross ließ der via Pressemitteilung verlautbaren: "Ich bin überzeugt, dass Jens nach der Vorbereitung hoch motiviert in die Rückrunde starten wird und alles für einen tollen Abschluss seiner Karriere im Sommer 2010 tun wird."

Damit entgeht Lehmann, der nach Saisonende bei den Schwaben als Profi aufhören will, einem vorzeitigen Rauswurf, der nach seinen neuerlichen Eskapaden nicht mehr auszuschließen war.

Lehmann hatte im im Spiel beim FSV Mainz 05 (1:1) Aristide Bance in der 87. Minute absichtlich auf den Fuß getreten und war daraufhin des Feldes verwiesen worden. Der anschließende Strafstoß kostete den VfB den Sieg.

Fan die Brille geklaut

Der Keeper war nach seinem Fehltritt auf dem Platz auch gegenüber einem Fan handgreiflich geworden.

Einem VfB-Anhänger riss der 40-Jährige vor dem Stadion die Brille von der Nase. 183903(die Bilder des Spiels)

Schon in der Vorwoche war Lehmann einmal mehr aufgefallen, als er sich geweigert hatte, eine Strafe in Höhe von angeblich 40.000 Euro zu zahlen, nachdem er im Zusammenhang mit der Entlassung von Trainer Markus Babbel den VfB-Vorstand kritisiert hatte.

Und: Während der Champions-League-Partie gegen Unirea Uriczeni hatte Lehmann hinter eine Werbebande uriniert. (DATENCENTER: Die Tabelle)

Heldt hält sich bedeckt

VfB-Manager Horst Heldt kündigte nun eine "interne" Aufarbeitung der jüngsten Ereignisse an, wurde dabei aber nicht konkreter.

Wie lange der Deutsche Fußball-Bund (DFB), dessen Kontrollausschuss wegen des Platzverweises inzwischen die Ermittlungen aufgenommen hat, Lehmann sperren wird, ist derweil unklar.

Bekannt wurde indes, dass Rechtsanwalt Christoph Schickhardt Lehmanns Interessen vertreten wird.

Verletzt - wegen Bance

Das letzte Hinrunden-Spiel gegen 1899 Hoffenheim hätte die Stuttgarter Nummer eins nach offizieller Lesart ohnehin verpasst.

Der Klub erklärte, Lehmann habe sich wegen "der Attacke mit Aristide Bance" (vor dem Platzverweis, Anm. d.Red.) einen Kapseleinriss und eine Bänderzerrung im linken Knie zugezogen.

Lehmann könne in den kommenden Tagen nicht am Mannschaftstraining teilnehmen, Lehmann werde sich auf Rehabilitationsmaßnahmen beschränken, hieß es weiter

"Den Menschen Lehmann kenne ich zu wenig"

Vor der Aussprache hatte Gross klare Kritik an seinen Schlussmann gerichtet, ihn aber auch ein Stück weit verteidigt:

"So ein Spiel ist eine Stress-Situation, man reagiert falsch. Aber ich habe sehr genau gesehen, wie er sich vor der Fankurve des Gegners hochgeschaukelt hat", so der 55-jährige Coach.

Und weiter: "Sportlich kann ich ihn gut einschätzen. Den Menschen Jens Lehmann kenne ich noch zu wenig."

Kahn: "Was ist Lehmanns Problem?"

Oliver Kahn äußerte derweil wenig Verständnis für Lehmanns neuerlichen Eklat:

"Das passiert ja jetzt praktisch jeden Spieltag. Ich weiß nicht, welches Problem er hat", sagte der langjährige Rivale im Kampf um die Nummer eins im DFB-Team der Münchner "tz". "Vielleicht sollte man ihn mal fragen. Das wirkt schon sehr seltsam."

Der frühere Bayern-Keeper riet Lehmann für die restliche Zeit bis zum Karrierende einem "bisschen mehr Gelassenheit. Das ist ein sehr wichtiger Punkt. Man möchte in der letzten Saison doch nicht fortgejagt oder rausgeschmissen werden, sondern sich einen vernünftigen Abgang verschaffen. Deswegen kann ich seine Verhaltensweise nicht verstehen."

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