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Bei der WM 2006 hatte Lehmann (r.) anstelle von Kahn das Vertrauen des Bundestrainers © getty

Für Oliver Kahn ist im Falle Jens Lehmann das Maß voll: "Vielleicht wäre es besser für ihn, wenn er jetzt aufhört."

Von Julian Meißner

München - Auch nach dem Treuebekenntnis der Stuttgarter Verantwortlichen um VfB-Trainer Christian Gross schlägt der Fall Jens Lehmann weiter hohe Wellen.

Ex-Nationaltorhüter Oliver Kahn legte seinem alten Rivalen nun sogar den Rücktritt nahe.

"Als Außenstehender musst du ja den Eindruck bekommen, dass er womöglich seinen Rauswurf provoziert. Er muss jetzt mal zu sich kommen und sich fragen: Hoppla, was mache ich da eigentlich?", sagte Kahn der Münchner "Abendzeitung".

Kahn weiter: "Vielleicht hält er sich jetzt mal den Spiegel vor. Vielleicht wäre es besser für ihn, wenn er jetzt aufhört. Wer weiß, wozu das noch führt."

"Das hat doch keinen Nutzen mehr"

Für den 86-fachen Nationalspieler ist der Kredit Lehmanns nach der Häufung von Eskapaden in den letzten Wochen aufgebraucht: "Jens ist ja ein guter Torwart, aber was sollen denn die Verantwortlichen jetzt denken? Das hat doch keinen Nutzen mehr."

Lehmann war zuletzt in steter Regelmäßigkeit negativ aufgefallen: Es begann mit der Kritik an den Stuttgarter Bossen nach dem Rauswurf Markus Babbels, dann folgte die Weigerung, die daraus resultierende Geldstrafe zu zahlen.

Rückendeckung der VfB-Bosse

Nach der "Pinkel-Pause" im Champions-League-Spiel gegen Unirea Urziceni gipfelte Lehmanns Woche im Platzverweis von Mainz und der Attacke auf einen VfB-Fan (Video) .

Für viele überraschend ließen die Stuttgarter den Ausraster ungesühnt und sprachen Lehmann am Montag das Vertrauen aus.

Für Kahn ist das letzte Wort in dieser Angelegenheit jedoch noch nicht gesprochen: "Die Stuttgarter Führung wird jetzt abwägen: Nutzt oder schadet Lehmann der Mannschaft mehr?"

Mit Gewalt auffallen?

Mögliche Erklärungsansatze für 144097Lehmanns Ausfälle könnten laut Kahn die sportliche Krise der Schwaben und die ausklingende Laufbahn des 40-jährigen Lehmann sein.

"Natürlich ist Frust dabei, ein ganz massiver offenbar. Klar gefällt es einem Weltklasse-Torhüter wie ihm nicht, mit seiner Mannschaft gegen den Abstieg zu spielen, noch dazu wenn er das Karriere-Ende vor Augen hat. Vielleicht will er jetzt noch einmal mit Gewalt auffallen", so Kahn, der in seiner aktiven Zeit bekanntlich ebenfalls kein Kind von Traurigkeit war.

Vergleiche "hanebüchen"

Doch Vergleiche mit seiner Person sind für den achtmaligen Deutschen Meister nicht angebracht.

"Sämtliche Vergleiche, die man nun mit meiner Person anstellt, sind doch völlig hanebüchen", erklärt Kahn: "Ich wollte damals nicht auffallen, sondern immer im Sinne der Mannschaft ein Zeichen setzen, wenn es im Spiel nicht so lief." Und genau dies sei bei Lehmann nicht der Fall.

Kahns Kritik: "Als Torwart muss es ja einen Sinn haben, wenn du etwas gezielt machst. So eine Rote Karte, so ein Elfmeter kurz vor Schluss, der zum Ausgleich führt, noch dazu im Abstiegskampf - das ist ja tödlich für eine Mannschaft."

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