In seiner Sport1.de-Kolumne schreibt Huub Stevens über seine Erfahrungen mit dem skandalträchtigen Keeper und das Bayern-Hoch.

Hallo Fußball-Freunde,

auch mir ist die Aufregung um meinen früheren Spieler Jens Lehmann nicht entgangen. Natürlich fragen sich die Leute nun: "Was geht in ihm vor?".

Doch ich denke, man muss den ganzen Menschen Jens Lehmann sehen und seine Art verstehen. Jens ist ein spezieller Typ.

Wenn er auf den Platz geht, ist er ein anderer Mensch, der alles dafür tut erfolgreich zu sein. Er fokussiert sich voll auf das Geschehen und schaltet alles andere aus.

Dafür sollte man Verständnis zeigen und bei Szenen wie in der vergangenen Woche ein Auge zudrücken.

Ich habe mit Jens eine erfolgreiche Zeit auf Schalke erlebt, 1997 sogar den UEFA-Cup gewonnen.

Auch unter mir als Trainer gab es Auseinandersetzungen, doch er sah seine Fehler immer ein. Für mich ist Jens ein super Typ. Lehmann ist ein Vollprofi, es gibt wenige Spieler, die ihren Beruf so intensiv ausüben wie er.

Meiner Meinung nach zeichnet seine impulsive Art gleichzeitig auch seine Qualität als Weltklasse-Torhüter aus. Oliver Kahn hatte auch seine Aussetzer und war trotzdem ein überragender Torhüter.

Jens vertritt genau wie Kahn immer seine eigene Meinung, und das ist auch gut so. Eigentlich will er einfach seine Ruhe haben und sich voll und ganz seiner Arbeit zu widmen.

Der neue Trainer Christian Gross hat genug Erfahrung, um mit derartigen Situationen umzugehen. Ich denke, er wird es schaffen, die nötige Ruhe rund um das Thema einkehren zu lassen, die Lehmann auch braucht, um sich voll auf den Fußball zu konzentrieren.

Anders als der VfB Stuttgart sind die Bayern wieder in der Erfolgsspur. Nach den Siegen in der Champions League und in der Liga ist das Selbstvertrauen ins eigene Können wieder da.

Aber ich habe ja schon vor der Saison gesagt, dass die Bayern mein größter Titelfavorit sind. Auch wenn zeitweise niemand daran geglaubt hat, bin ich immer davon ausgegangen, dass Louis van Gaal alles im Griff hat.

Nur darf man jetzt nicht den Fehler machen, sie zu früh in den Himmel zu loben. Juventus war nicht in der besten Verfassung. Die Bayern müssen nun weiter Konstanz in ihr Spiel bringen und über längere Zeit auf diesem hohen Level bleiben.

Es könnte ein Luxusproblem auftreten, wenn Franck Ribery und Arjen Robben wieder zurückkommen. Aber van Gaal ist fähig, diese Probleme zu managen, das hat er in der Vergangenheit schon öfter unter Beweis gestellt.

Erfreuliches passiert derweil auch bei meinem ehemaligen Verein Schalke 04. Es ist schön zu sehen, dass diese junge Mannschaft oben mitmischt.

Die anderen Teams an der Spitze spielen zwar bisher unkonstant, dennoch sehe ich diese aus der Not geborenen Elf konkurrenzfähiger als vor der Saison erwartet.

Es zeigt sich, dass in der Vergangenheit vor allem im Schalker Jugendbereich gute Arbeit geleistet wurde. Die Integration der jungen Gesichter wie Moritz, Schmitz oder Matip ist natürlich auch Felix Magath hoch anzurechnen.

Es bleibt abzuwarten, wie es sich entwickelt, wenn Spieler wie Jermaine Jones zurückkehren, und Jüngere wieder ins zweite Glied rücken müssen. Aber die Jungen sind die Zukunft des Vereins und die Grundlage, auch über längere Zeit erfolgreich zu sein.

Bis nächste WocheEuer Huub Stevens

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