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Jürgen Klinsmann verlor mit den Bayern zwei Bundesliga-Partien in Folge © imago

Rotationsprinzip, Systemdiskussion, fehlende Hierarchie - für Bayern-Trainer Jürgen Klinsmann gibt es Probleme zuhauf.

Von Andreas Kloo

München - Jürgen Klinsmann ist beim FC Bayern München mit großen Vorsätzen angetreten. Vieles hat er revolutionär umgestaltet, wollte nicht nur Erfolg haben, sondern auch frischen Offensivfußball zeigen.

Als eine Art Fußball-Star-Architekt träumte er davon, Baumeister einer neuen Bayern-Herrlichkeit sein.

Doch nach sechs Spieltagen hinkt Klinsmann dem Bauplan deutlich hinterher.

Sport1.de nennt Klinsmanns wichtigste Baustellen:

Mentale Schwäche der Spieler

In seinem riesigen Trainerstab verfügt Klinsmann zwar über einen Mentaltrainer: Philipp Laux, den früheren Dortmunder Bundesliga-Keeper.

Doch dessen Arbeit scheint noch nicht von Erfolg gekrönt. Gegen Bremen fanden viele Spieler nicht die richtige Einstellung zum Spiel. In Hannover verlor die Mannschaft nach dem Freistoßtor von Huszti die Sicherheit.

"Ich weiß nicht, was los ist. Ich weiß nicht, ob meine Mitspieler sich im Kopf oder physisch nicht wohlfühlen", rätselte Franck Ribery nach der jüngsten Pleite. Die letzten Eindrücke deuten auf ein "Kopfproblem" hin.

Verbesserung jedes einzelnen Spielers

Bei Amtsantritt kündigte der Schwabe an, "jeden einzelnen Spieler jeden Tag zu verbessern".

Davon ist momentan bei keinem Akteur etwas zu spüren ? ganz im Gegenteil. Gegen Bremen zeigten sogar zuverlässige Akteure wie Martin Demichelis ungewohnte Schwächen. Michael Rensing strahlt im Tor noch nicht die nötige Sicherheit aus und das "Jahrhunderttalent" Toni Kroos verkümmert auf der Bank.

Klare Hierarchie

Am Saisonanfang bestimmte Jürgen Klinsmann Mark van Bommel zum Kapitän. Aber schon nach seinem frühen Platzverweis in Dortmund schwand die Autorität des Niederländers innerhalb des Teams.

Das wirkt sich spürbar auf das Mannschaftsgefüge aus, wie DSF-Experte Udo Lattek feststellt: "Da ist keine Hierarchie drin. Da ist keiner da, der das Sagen hat und auf den Tisch haut."

Taktisches System

Erst startete Klinsmann mit dem altbewährten 4-4-2 in die Saison, um dann nach zwei Unentschieden auf ein 3-5-2 umzustellen. Gegen schwächere Teams funktionierte dieses System auch. Aber gegen Bremen erwies sich diese Formation als zu risikoreich und konteranfällig.

Also ging Klinsmann wieder einen Schritt zurück. Zusätzliche Sicherheit gibt dieses Hin und Her der Mannschaft nicht.

Rotationsprinzip

In den ersten Saisonspielen setzte der Coach noch auf eine feste Stammelf. Doch nach der 2:5-Schlappe gegen Bremen änderte er plötzlich seine Meinung. Allem Anschein nach folgte diese Kursänderung nach sanftem Druck von oben, das heißt auf Anregung der Herren Rummenigge und Hoeneß.

Nach der Hannover-Niederlage aber raten nun viele Experten Klinsmann von der Rotation ab.

"Wenn die Mannschaft sich eingespielt hat am Anfang der Saison, muss ich etwas warten, bis die Mannschaft ein Gesicht hat. Wenn es nicht läuft, kann ich nicht einfach beliebig austauschen", kritisiert Udo Lattek die jüngsten Wechselspielchen Klinsmanns.

Erfolgsdruck beim FC Bayern

Als die Bayern im Januar Klinsmann als Hitzfeld-Nachfolger präsentierten, wiesen einige Kritiker daraufhin, dass Klinsmann jegliche Erfahrung als Vereinstrainer fehle. Beim FC Bayern gesellt sich auch noch der enorme Erfolgsdruck hinzu, der dort auf jedem Trainer lastet.

"Das ist nicht so Schön-Wetter wie bei der Nationalmannschaft. Beim FC Bayern werden sofort Erfolge eingefordert", beschreibt Lattek die Lage in München.

Und "Klinsi"-Vorgänger Ottmar Hitzfeld hat angesichts des Reformeifers des Schwabens schon vor einer Weile kommentiert: "Was immer man macht beim FC Bayern, man muss Erfolg haben."

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