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Michael A. Roth (l.) wurde am 13. Oktober 2009 zum Ehrenpräsidenten des FCN ernannt © imago

Chaos bei Kellerkind 1. FC Nürnberg: Ex-Präsident Roth poltert heftig gegen die Vereinsführung, die schlägt massiv zurück.

Von Matthias Fiedler

München - Es brodelt beim 1. FC Nürnberg.

Nach der 0:4-Klatsche gegen den Hamburger SV183903(die Bilder) geht bei den Franken die Abstiegsangst um. (Datencenter: Ergebnisse und Tabelle).

Grund genug für den Ex-Präsidenten Michael A. Roth, sich aus seinem Winterdomizil in Florida zu Wort zu melden.

Vor dem richtungweisenden Spiel beim 1. FC Köln (So., ab 17.15 Uhr LIVE) schoss der heftig gegen die Vereinsführung.

"Wo kein Chef ist - oder zumindest eine Person, vor der man ungeteilt Respekt hat -, geht eben nichts", sagte Roth, der im Juni nach 19 Jahren als Club-Präsident zurückgetreten war, der "Abendzeitung".

Schäfer sauer auf Roth

Das stieß seinem Nachfolger Franz Schäfer mehr als bitter auf:

"Vielleicht leidet Herr Roth an Altersdemenz oder hat zu viel Sonne in Florida erwischt. Fakt ist: Er hat mir im Juni 5,8 Millionen Euro Schulden überlassen und daher an unserer momentanen Situation maßgeblichen Anteil", konterte Schäfer der "Bild".

"Ausgerechnet jetzt loszuschießen, ist eine ganz linke Tour. Die hätte ich Herrn Roth nicht zugetraut. Es wird bei seiner Rückkehr ein ernstes Gespräch geben."

Woy und Bader im Visier

Neben Schäfer nahm der 74 Jahre alte Patriarch vor allem Finanzchef Ralf Woy und Sportdirektor Martin Bader ins Visier:

"Beim Club scheint derzeit viel durcheinander zu laufen. Und ich habe ja nicht aus Jux und Tollerei bereits im November 2008 darauf hingewiesen, dass mir einiges nicht gefällt."

Dabei verurteilt Roth vor allem die Idee, das neue Klubgebäude am Valznerweiher via Anleihen zu finanzieren.

"Wollen die auf goldenen Sesseln sitzen. In noch größeren Büros?", fragte der Textilhändler hämisch. Der "Prunkbau" sei zu diesem Zeitpunkt unnötig, weil die Mannschaft hervorragende Räume besitze, so Roth weiter.

"Eine transparente Geldanlage"

Bader konterte umgehend: "Nur weil die Fans etwas enttäuscht nach Hause gehen, heißt es nicht, dass sie nicht in die Zukunft des Vereins investieren. Das ist eine Geldanlage, die transparent ist und ein Stück weit unabhängig von der sportlichen Lage."

Und die ist beim FCN im Moment mehr als heikel. Null Punkte, 0:9-Tore aus den letzten drei Spielen und Tabellenplatz 17 sprechen eine deutliche Sprache.

Der Club steckt in der Krise und steht mit zwölf Punkten einen Zähler hinter einem Nichtabstiegsplatz.

Morddrohungen gegen Bader

Mit "Bader, wir schlagen dich tot"-Rufen haben die Fans laut "Nürnberger Zeitung" ihrem Ärger bereits Luft gemacht.

Die Polizei nahm die Morddrohungen ernst und empfahl dem FCN-Manager vor der Partie gegen Hamburg lieber zu Hause zu bleiben.

Der 41-Jährige war trotzdem im Stadion. "Ich lasse mich doch nicht in meiner Bewegungsfreiheit einschränken", reagierte er trotzig.

Oenning unter Druck

Brenzlig ist die derzeitige Situation auch für Trainer Michael Oenning. Für ihn wird die Luft immer dünner, sein Nimbus als Coach, der den FCN im Sommer 2009 zum Wiederaufstieg führte, ist längst verflogen.

Oenning sieht sich nun zunehmendem Druck der Führungsspitze ausgesetzt. "Wir sind in der Pflicht, ein gutes Ergebnis zu liefern", forderte Bader.

Was bei einer erneuten Niederlage passieren würde, ließ er indessen offen. Auch Schäfer wollte dem Trainer nach dem Debakel gegen den HSV keine Jobgarantie mehr aussprechen.

"Wenn die Partie in Köln verloren geht, dann werden wir Weihnachten wohl am Konferenztisch verbringen", blickte er bereits voraus.

Nilsson unter Beobachtung

Unabhängig vom Ausgang der Partie betonte Bader zwar, dass der Club "im Winter keine Nachkorrekturen vornehmen werde", räumte aber ein, dass "der ein oder andere uns mit Sicherheit verlassen wird und eventuelle Neuverpflichtungen von den Abgängen abhängen".

Im Gespräch ist offenbar Hoffenheims Verteidiger Per Nilsson, der bei 1899 im Moment außen vor ist und von Trainer Ralf Rangnick bisher nur zwei Einsätze erhielt.

Bader in der "Bild": "Wir beobachten Pelle schon sehr lange, da er uns bereits vor Jahren von unserem Ex-Kapitän Tommy Larsen empfohlen wurde."

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