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Wohin führt der Weg? Marco Russ und die Eintracht stehen auf Rang 17 © getty

Das Remis gegen Bielefeld reicht nicht für einen Frankfurter Befreiungsschlag. Trainer Funkel erhält jedoch Rückendeckung.

Von Christian Stüwe

München - Mit seinem Kopfballtor (87.) zum späten 1:1 (0:1) hat Benjamin Köhler Eintracht Frankfurt vor einer Verschärfung der Krise bewahrt.

Nach dem peinlichen Pokal-Aus gegen Hansa Rostock und der Punkteteilung mit Bielefeld ist die Lage in Frankfurt aber nach wie vor ernst.

Vor dem Spiel hatten sowohl die Verantwortlichen wie auch die Spieler betont, dass gegen Bielefeld unbedingt gewonnen werden müsse.

Nun ist der schlechteste Saisonstart seit zehn Jahren perfekt, als einziges Bundesliga-Team wartet die Eintracht noch auf einen Sieg.

Zuletzt geriet Trainer Friedhelm Funkel ins Zentrum der Kritik, auch am Sonntag waren wieder "Funkel raus"-Rufe zu hören.

Rückendeckung durch Bruchhagen

"Wenn der eine oder andere mal 'Funkel raus' ruft, muss man da drüberstehen. Wichtig ist, dass ich an den richtigen Stellen Kredit habe", blieb der Coach jedoch gewohnt gelassen.

Das Vertrauen des Vorstands spürt Funkel nach eigenen Angaben weiterhin: "In den 51 Monaten, in denen ich in Frankfurt bin, haben wir, uns ein gewisses Vertrauen erarbeitet. Wir stehen zusammen wie eine Eins."

Rückendeckung erhält Funkel durch Vorstandsboss Bruchhagen. "Man muss gegen Arminia Bielefeld zuhause gewinnen", räumte Bruchhagen ein, stellte sich aber klar hinter den Trainer: "Wir müssen durch diese unruhige Situation durchkommen - mit dem Trainer."

Total verunsichertes Team

Das Hauptproblem der Frankfurter: Die Mannschaft, in der mit dem 17-jährigen Juvhel Tsoumou der jüngste Bundesligaspieler der Eintracht-Geschichte debütierte, ist total verunsichert.

Nachdem Artur Wichniarek (7.) aus abseitsverdächtiger Position die frühe Führung für die Gäste erzielt hatte, lief nichts mehr bei den Hessen zusammen.

Symptomatisch war ein katastrophaler Fehlpass des ansonsten guten Patrick Ochs in der 11. Minute, der fast zum 0:2 geführt hätte.

"Nach dem Rückstand war viel Nervosität zu spüren, und wir waren sehr ungeordnet. Da hatte Bielefeld sogar noch weitere Chancen", analysierte Heribert Bruchhagen.

Schwere Aufgaben warten

Allerdings sollten die Frankfurter diese Unsicherheit bald ablegen, denn die Eintracht muss als Nächstes in Hoffenheim und dann gegen Leverkusen spielen.

Ein weiteres Problem sind die vielen Ausfälle. "Natürlich wissen wir, dass mit Chris und Amanatidis zwei wichtige Spieler fehlen", erklärte Bruchhagen: "Natürlich wissen wir, dass mit Korkmaz, Bajramovic - von Preuß ganz zu schweigen - Spieler in der Hinterhand sind."

Bruchhagen ist dennoch zuversichtlich, dass sich die Mannschaft bald wieder fangen wird. Mit Trainer Funkel. "Dann werden wir auch wieder eine Eintracht sehen, die an die Leistungen der Vergangenheit anknüpft", erklärte der Eintracht-Boss.

"Wichtig für die Moral"

"Wr haben natürlich zu wenig Punkte, aber die Situation ist nicht so dramatisch, als wenn wir jetzt schon den 33. Spieltag hätten", wollte Funkel das Krisengerede nicht überbewerten:

"Wir werden uns nicht ergeben und brauchen natürlich unbedingt ein Erfolgserlebnis, damit die Mannschaft dorthin zurückkommt, wo wir sie haben wollen", sagte der Frankfurter Coach: "Insgesamt war der eine Punkt aber sehr wichtig für die Moral."

Mutmachen dürfte in der momentan tristen Situation immerhin, dass sich die Mannschaft nie aufgab und bis zum Schluss kämpfte. Und zumindest noch mit dem Ausgleich belohnt wurde.

Bielefeld passiv in Hälfte zwei

Während bei Frankfurt die Formkurve gegen Ende der Partie nach oben zeigte, verpasste es Arminia Bielefeld, sich für eine gute Leistung zu belohnen.

Nach der starken ersten Hälfte zogen sich die Ostwestfalen zurück und überließen der Eintracht mehr und mehr das Feld.

Ein möglicher Sieg wurde verspielt.

"Kann schon mal ins Auge gehen"

"Entscheidend war, dass wir das zweite Tor nicht gemacht haben", ärgerte sich Trainer Michael Frontzeck: "In der zweiten Halbzeit war die Eintracht dann aber klar überlegen. Wir wollten das Ergebnis nur verwalten, und sowas kann dann schon auch mal ins Auge gehen."

Auffällig ist bei der Arminia aber vor allem die Abhängigkeit von Wichniarek.

Im DFB-Pokal gegen Stuttgart fehlte der Torjäger und die Arminia schied aus. Gegen Frankfurt kehrte der Pole in die Startelf zurück, erzielte sein sechstes Saisontor und erwies sich einmal mehr als Erfolgsgarant der Ostwestfalen.

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