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Norbert Dickel bestritt von 1986 bis 1990 insgesamt 90 Bundesliga-Spiele für den BVB © imago

Stadionsprecher Norbert Dickel ist die Kultfigur bei Borussia Dortmund. Zum 100. Geburtstag des BVB spricht er mit Sport1.de.

Von Matthias Becker

Sport1.de: Dauerhaft an der Spitze steht in Deutschland nur der FC Bayern. Was fehlt denn dem BVB, um solch ein Standing zu haben? Von der Fanbasis her sind sie ja schon Spitze.

Dickel: Uns kam sicherlich das finanzielle Desaster dazwischen, was uns ein paar Jahre zurückgeworfen hat. Aber unsere Fans sind immer zu den Spielen gekommen. Nach Manchester United haben wir den höchsten Schnitt in Europa und laut englischer Medien sogar das schönste Stadion der Welt. Jetzt müssen wir sehen, dass wir das Geld beisammen halten, um dann in Spieler zu investieren, die uns an die absolute Spitze bringen.

Sport1.de: Aber in dieser Saison sieht es ja schon wieder ganz gut aus.

Dickel: Im Moment ist beim BVB alles bestens in Ordnung. Man sieht, dass man mit sehr jungen und unerfahrenen Spielern begeisternden Fußball spielen kann.

Sport1.de: Um zur finanziellen Krise zurück zu kommen. Hatten Sie damals große Sorgen um die Existenz des Vereins?

Dickel: Ich bin eigentlich ein positiver Mensch und tippe auch jedes Mal, dass wir gewinnen. Aber damals habe ich in meinem Büro gesessen und mich gefragt, ob ich am nächsten Tag noch wiederkommen kann. Das war schon eine sehr kritische Phase. Da kann man nur den jetzt handelnden Personen danken, dass sie es noch hinbekommen haben.

Sport1.de: Was macht aus Ihrer Sicht die Faszination von Borussia Dortmund aus?

Dickel: Jeder fühlt sich beim BVB wie in seiner Familie. Bei 50.000 Dauerkarteninhabern kennt fast jeder seinen Nachbarn im Stadion. Man geht einfach zum BVB, das gehört dazu, er ist ein Teil der Gesellschaft. Ohne den BVB geht in Dortmund nicht viel, er ist Leben, Religion und Liebe - alles auf einmal.

Sport1.de: Wissen Sie eigentlich, wie viele BVB-Spiele Sie in Ihrem Leben schon live gesehen haben?

Dickel: Das ist sicherlich eine ganze Menge. Seit 1986 habe ich alle gesehen.

Sport1.de: Bei der Geburtstagsfeier am Samstag wird auch das BVB-Tor des Jahrhunderts gekürt. Rechnen Sie sich trotz der harten Konkurrenz durch Lars Ricken oder Stan Libuda Chancen aus?

Dickel: Nein. Aber das wäre auch nicht richtig. Das Tor des Jahrhunderts ist ganz klar das von Lars Ricken aus dem Champions-League-Finale 1997. Dahinter geht es nur um die weiteren Plätze.

Sport1.de: Sie haben den sportlichen Aufschwung unter Jürgen Klopp schon angesprochen. Ist der BVB auf dem Weg zurück zu alter Größe?

Dickel: Das ist schwer zu beantworten. Unsere Mannschaft hat einen Altersschnitt von 23,7 Jahren. Da wird auch irgendwann ein Einbruch kommen. Wir sollten uns einfach freuen, wie die Mannschaft auftritt und das System von Jürgen Klopp verinnerlicht hat. Das macht jedem Gegner das Leben schwer. Jetzt wollen wir einfach so lange wie möglich Spiele gewinnen, die Punkte kann uns keiner mehr wegnehmen.

Sport1.de: Mit Mats Hummels, Neven Subotic oder Nuri Sahin haben sie herausragende Talente im Team. Machen Sie sich Sorgen, dass die weggekauft werden?

Dickel: Neven Subotic wurde von Jürgen Klopp geholt und weiß, was er an Jürgen und dem BVB hat. Das gilt auch für Mats Hummels, sonst wäre er ja zu den Bayern zurückgegangen. Nuri Sahin ist der überragende Spieler der Saison. Wir wissen, wie wohl er sich hier fühlt. Wenn der so weiter macht, dann müssen große Verein anklopfen. Solche Spieler gibt es nicht allzu viele. Aber wir sind durchaus in der Lage, solche Spieler auch zu halten, denn mittelfristig wollen wir oben wieder mitspielen ? und da braucht man solche Spieler.

Sport1.de: Am Samstag wird der BVB 100. Auf was würden Sie denn dann beim 110. Geburtstag gerne zurückblicken?

Dickel (lacht): Dann würden wir gerne die zehnte deutsche Meisterschaft und den vierten Champions-League-Titel feiern . HIER geht's zurück zum ersten Teil

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