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Nach einem Zusammenprall sanken Markus Miller (l.) und Mahir Saglik zu Boden © getty

Die erste Saisonpleite in der Bundesliga war vermeidbar - und sie schmerzte. Der VfL Wolfsburg schenkte einen sicheren Sieg leichtfertig her.

Von Daniel Rathjen

München - Es war eine üble Szene in der 86. Minute, die nachhaltig in Erinnerung bleibt.

Markus Miller, Keeper des Karlsruher SC, sank nach einem unglücklichen Zusammenprall mit Mahir Sadlik zu Boden, kämpfte um sein Bewusstsein und wurde sofort ins Krankenhaus gebracht.

Dass sein Team das 2:1 (0:0) gegen den VfL Wolfsburg noch über die Zeit schaukelte und somit letztlich glücklich gewann, bekam er nicht mehr richtig mit

Am Montag bestätigte sich der Verdacht auf Gehirnerschütterung bei Miller. Der 26-Jährige musste zur Beobachtung im Krankenhaus bleiben. Erst am Nachmittag durfte der Keeper, der am Freitag im Spiel bei Arminia Bielefeld bereits wieder auflaufen soll, die Klinik verlassen.

Kopfschmerzen anderer Art hatte nach der Partie VfL-Trainer Felix Magath. Denn die fünfte Niederlage im fünften Erstligaspiel gegen die Badener sorgte für Frust beim ambitionierten Trainer.

Nimbus ist dahin

Die Norddeutschen verloren neben den Punkten nicht nur Stürmer Grafite, der in der 71. Minute unnötig Gelb-Rot kassierte, sondern büßten zudem ihren Nimbus der Unbesiegbarkeit ein. Die letzte Punktspiel-Pleite des VfL datierte vom 20. April dieses Jahres.

Er attestierte seinem Team ein "Kopfproblem": Bundesliga, Pokal, Europapokal - das volle Programm und der Angstgegner sorgten offenbar für Wolfsburger Trägheit vor dem Gehäuse.

"Wir haben am Donnerstag ein Europapokalspiel, da ist der eine oder andere schon gedanklich bei dem interessanteren Spiel", vermutet Magath.

Er erklärt mit Blick auf das bevorstehende Rückspiel bei Rapid Bukarest im Kampf um den Einzug in die Gruppenphase weiter: "Viele Spieler sind diesen Rhythmus nicht gewohnt und angespannter, wenn es auf den Europapokal zugeht. Da fehlt Konzentration."

Wolfsburgs Kopfproblem

Was vor Wochenfrist beim 3:0 gegen Hamburger SV und unter der Woche beim 7:0 im DFB-Pokal beim FC Oberneuland noch lief, funktionierte diesmal nicht: die Effektivität im Abschluss.

19-mal schoss der VfL auf das Karlsruher Tor, wobei nur das Tor des 16 Sekunden zuvor eingewechselten Ricardo Costa (78.) heraussprang.

Becker erleichtert

Da führte Karlsruhe durch Massimilian Porcello (51.) und Sebastian Freis (75.) schon mit 2:0.

"Es war sehr, sehr wichtig, dass wir in der Bundesliga den Anschluss an das Mittelfeld hergestellt haben, auch im Hinblick auf die nächsten Spiele", bilanzierte ein sichtlich erleichterter Karlsruher Trainer Edmund Becker.

Dabei hatte sich sein Team wahrlich nicht mit Ruhm bekleckert. Denn die 25.934 Zuschauer im Wildparkstadion sahen in der ersten Halbzeit eine ganz schwache Vorstellung der Heimelf.

KSC lebt noch

Ein Offensivspiel fand nicht statt. Nur dem der Unkonzentriertheiten der Wolfsburger war es zu verdanken, dass es zur Halbzeit nicht schon 3:0 für die Gäste stand. Karlsruhe war mit dem 0:0 zur Pause gut bedient.

Was den Badenern jedoch Grund zur Hoffnung geben dürfte, war die Leistungssteigerung nach dem Seitenwechsel. Sie besannen sich aufs Kollektiv und wurden frecher. Das zeigt: Die Mini-Krise ist überwunden, die Mannschaft funktioniert.

Die Treffer von Porcello und Freis waren eine logische Folge. Ob so viel Effektivität waren die Wolfsburger wie vor den Kopf gestoßen.

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