vergrößernverkleinern
Jens Lehmann begann seine Karriere 1989 beim FC Schalke 04 in der 2. Bundesliga © imago

Stuttgarts Keeper gibt seine Trotzhaltung auf und akzeptiert die fünfstellige Geldstrafe für seine Kritik an den Klub-Bossen.

München/Stuttgart - Querulant Jens Lehmann hat eingelenkt und damit den Weg für einen würdigen Abgang von der Fußball-Bühne beim VfB Stuttgart zum Saisonende geebnet.

Der 40-Jährige akzeptierte die Bestrafung für seine öffentliche Kritik am Klub-Vorstand.

"In dem Gespräch sind die Sachen aus dem Weg geräumt worden. Er hat die Geldstrafe und die Abmahnung akzeptiert", sagte Stuttgarts Sportvorstand Horst Heldt nach einem erneuten Treffen mit dem Torhüter.

Der Zusammenkunft wohnte auch der neue VfB-Trainer Christian Gross bei. 144097(DIASHOW: Lehmanns Ausraster)

Bestätigung in TV-Show

Lehmann hatte dem Vorstand einen Tag vor dem letzten Gruppenspiel in der Champions League gegen Unirea Urziceni (3:1) öffentlich vorgeworfen, sich bei der Entlassung von Trainer Markus Babbel vom Druck der Fans geleitet haben zu lassen.

Daraufhin hatte der Klub die Geldstrafe, die angeblich 40.000 Euro betragen soll, und die Abmahnung ausgesprochen.

Diese Sanktionen hatte Lehmann zunächst nicht akzeptiert. (das Video) Lehmann selbst bestätigte am Donnerstagabend in der Sendung Kerner bei "Sat.1", dass er die Geldstrafe "natürlich bezahlen" werde, "auch wenn es eine andere Summe ist als die, die immer genannt wird". Sie sei aber sehr hoch.

"Tut mir für die Mannschaft leid"

Am vergangenen Sonntag war der Ex-Nationalkeeper dann im Spiel Stuttgarts beim FSV Mainz 05 in der 87. Minute des Feldes verwiesen worden, weil er Aristide Bance im Strafraum auf den Fuß getreten hatte.

Bei Kerner entschuldigte er sich dafür. "Bei mir ist das leider so, dass ich mich nicht immer richtig verhalte. Ich gebe mein Bestes, aber es klappt nicht immer. Besonders in Drucksituationen, da passieren mir Dinge, die nicht passieren sollten", sagte Lehmann.

"Es tut mir vor allem für die Mannschaft leid, wir hätten drei Punkte holen können, die wir verdient gehabt hätten - jetzt haben wir nur einen Punkt und das durch meine Aktion, die ich hätte vermeiden können", zeigt sich der Keeper einsichtig.

Brillenklau sorgt für Ärger

Nach seinem Fehltritt auf dem Platz wurde er später auch noch gegenüber einem Fan handgreiflich.

Dem VfB-Anhänger riss er vor dem Stadion die Brille von der Nase und sorgte so zum wiederholten Male für helle Aufregung und Diskussionen.

"Der Fan hat meiner Meinung nach nicht das Recht, mich direkt nach dem Spiel so zu konfrontieren - meine Reaktion war aber auch nicht richtig. Ich wusste einfach in dem Moment nicht, wie ich ihn sonst zum Schweigen bringen soll. Es war nicht passend", sagte er.

Drei Spiele Sperre

Für die Rote Karte hatte Lehmann vom DFB eine Sperre von drei Spielen erhalten. Ob er gegen diese Berufung einlegen wird, ist noch nicht geklärt.

Aber: "Ich weiß es nicht zu 100 Prozent, aber ich denke, dass wir die Sperre akzeptieren werden", sagte Heldt weiter.

Lehmann, der sich zu den Turbulenzen vom Wochenende am Donnerstag in der Sat.1-Sendung Kerner äußerte, wird in den Spielen am Samstag (ab 18.15Uhr LIVE) gegen 1899 Hoffenheim sowie zum Auftakt der Rückrunde gegen den VfL Wolfsburg (16.1.) und beim SC Freiburg (22.1.) fehlen.

Gnade dank Gross

"Er ist sehr differenziert. Aber ein bisschen mehr Gelassenheit würde ihm gut zu Gesicht stehen", sagte der neue Coach Christian Gross nach dem erneuten Gespräch mit dem eigenwilligen Sportler.

Dass die VfB-Verantwortlichen erneut Gnade walten ließen, hat Lehmann nicht zuletzt Christian Gross zu verdanken.

Der Eidgenosse hatte sein Veto gegen eine Entlassung eingelegt und ist nun überzeugt, "dass Jens nach der Vorbereitung hoch motiviert in die Rückrunde starten und alles für einen tollen Abschluss seiner Karriere im Sommer 2010 tun wird".

"Niemand frei von Fehlern"

Lehmanns früherer Rivale Oliver Kahn hatte den zur Zeit auch noch am Knie verletzten Lehmann bereits zum Rücktritt aufgefordert. Laut Sky-Experte Stefan Effenberg, früher selbst kein Kind von Traurigkeit, ist Lehmann "voll von Adrenalin und Emotionen".

Es sei niemand frei von Fehlern, sagte Effenberg weiter, deshalb habe Gross "genau richtig reagiert, dass er ihn nicht rausgeschmissen hat".

Wer im letzten Hinrundenspiel des VfB am Samstag gegen 1899 Hoffenheim im Tor steht, wollte der Schweizer nicht sagen.

Ulreich als Lehmann-Ersatz?

Die Tendenz geht aber in Richtung Sven Ulreich, der in Mainz nach dem Platzverweis von Lehmann zwischen die Pfosten rückte.

"Sven Ulreich hat Vorteile", sagte Gross immerhin. Konkurrent von Ulreich ist Alexander Stolz.

Sport1 Adventskalender: Preise im Wert von über ? 15.000!

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel