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Jens Lehmann kam 2008 vom FC Arsenal nach Stuttgart © getty

Der Keeper zeigt sich bei "Kerner" als reuiger Sünder - und enthüllt die Wahrheit hinter der vermeintlichen "Pinkel-Affäre".

Von Martin Hoffmann

München - Die größte Enthüllung des donnerstäglichen TV-Abends: Jens Lehmann hat nicht gegen die Bande gepinkelt.

So viel rückte der Stuttgarter Keeper bei seinem "Kerner"-Auftritt zurecht: Im Champions-League-Spiel gegen Unirea Urcizeni plagte ihn nicht das Bedürfnis, das ihm unterstellt worden war.

Es ging um etwas anderes: "Ich trage einen Plastikschutz in der Hose. Da stimmte gar nichts. Danach konnte ich mich wieder richtig bewegen."

Ansonsten hatte Lehmann beim Sat-1-Talkmaster keine spektakulären Offenbarungen zu seinen zahlreichen Eskapaden der jüngsten Zeit zu bieten 144097(DIASHOW: Lehmanns Ausraster) .

Der größte Gewinn für ihn war wohl schlicht der: Dass ihn ein breites Publikum einmal nicht als Brillendieb, Schuhwerfer oder Stirnband-ins-Gesicht-Zieher erlebt hat.

Sondern als den ruhigeren und nachdenklicheren Charakter, der er außerhalb der aufgeheizten Atmosphäre auf dem Fußballplatz ist.

"In Fußball-Stadien kommen immer viele Emotionen hoch", erkannte Lehmann angesprochen auf seine Tätlichkeit gegen den Mainzer Aristide Bance.

"Erfahrung ist leider nicht immer Garant dafür, dass man alles richtig macht und sich super korrekt verhält", bekannte er: "Bei mir ist das leider so, dass ich mich nicht immer richtig verhalte."

Erklärungsversuche und ein Stück Reue

Es war ein Leitmotiv seines Auftritts, der viel von einer öffentlichen Beichte hatte: Es gab Erklärungsversuche für seine diversen Aussetzer - verbunden mit einem gewissen Maß an Reue.

Zum Brillenklau nach dem Mainz-Spiel (das Video) etwa befand er: "Auf Situationen wie diese nach dem Spiel bin ich nicht vorbereitet. Da hält eine Kamera direkt auf mein Gesicht, ein Fan spricht mich an, kritisiert mich, und ich denke nur: 'Erde, tu dich auf'."

Einerseits habe der Fan nicht das Recht gehabt, "mich direkt nach dem Spiel so zu konfrontieren".

Andererseits: "Meine Reaktion war aber auch nicht richtig. Ich wusste einfach in dem Moment nicht, wie ich ihn sonst zum Schweigen bringen soll."

Was dann passierte, empfindet er als "peinlich" und "unangenehm": "Ich wäre am liebsten verschwunden, ohne erkannt zu werden."

"Junge, du musst dich wehren"

Lehmann lieferte auch den kleinen Ansatz einer übergeordneten Erklärung für sein impulsives Verhalten auf dem Platz, als er auf seine Anfänge als Fußballer zurückblickte.

Zentraler Teil seiner "sportlichen Erziehung" im Ruhrgebiet sei das Credo gewesen: "Junge, wenn dir jemand was tut, musst du dich wehren."

Auch sei ihm beigebracht worden, alles für den Erfolg zu tun. Auf Kerners Nachfrage, ob ihm auch beigebracht wurde, fair zu spielen, erwiderte er: "Das sagt einem niemand."

Nie die "gewisse Grenze" überschritten

Letztlich ist Lehmann trotz allem aber mit sich im Reinen.

"Ich habe in all der Zeit nie jemanden verletzt, niemanden geschlagen, bis zum heutigen Tag." Er habe nie "eine gewisse Grenze überschritten".

Sonst hätte er ein Problem mit sich und müsste sich "kräftig hinterfragen".

Lehmann sieht dazu letztlich dann doch keinen Anlass.

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