Für Sport1.de schreibt Ex-Nationaltorhüter Toni Schumacher über die erneute Bayern-Pleite und die weiteren Krisenherde der Liga.

Die Wundertüte Bundesliga - am Wochenende war es eine richtig unterhaltsame Rappelkiste!

Einmal rütteln, einmal schütteln - und fertig war ein Spieltag mit Achterbahn-Fußball, Traum-Toren, neuen Liga-Helden und einem neuen Klub: die "Spielvereinigung FC Krise". Denn: Nach nur sechs Auftritten brennt es lichterloh.

In München, beim Meister: Schlechtester Saisonstart seit 1977. Viel schlimmer als die nackten Zahlen: Ich kann keine Handschrift, keinen Plan erkennen. Die Vision von Jürgen Klinsmann ("Die Bundesliga spielt zu langsam") heißt Tempo-Fußball, Offensive, giftiger Kampf, Fitness.

Sein Zwischenzeugnis ist allerdings brutal: Keine Mannschafts-Hierarchie, keine Power. Eine Ansammlung von guten Fußballern und großen Namen trabt unorganisiert und ohne jeden Mumm durch den Liga-Samstag. Jetzt wird es ernst und eng für Klinsi.

Nirgendwo im Fußball hat man als Trainer wirklich Zeit für einen geplanten Neuaufbau oder eine Phase der Veränderung. In München schon gar nicht. Wer sich den wöchentlichen Ergebnissen verschließt, scheitert. Wenn jetzt in der Champions League gegen Olympique Lyon auch noch "gerumpelt" wird, knallt es richtig.

In Gladbach, beim Aufsteiger und Kult-Klub: Fünf Niederlagen zum Start, Trainer Jos Luhukay wackelt. Bedenklich. Aber ganz ehrlich: Was haben denn die Klub-Bosse gedacht? Rein in die Bundesliga, Kader halten und dann wird's gemütlich? Platz 10-12? Keine Abstiegsangst, weil andere Teams schwächer besetzt sind?

Dabei sind bei der berühmten Fohlen-Borussia so viele Talente auch in der jüngeren Vergangenheit gewachsen: Eugen Polanski spielt jetzt in Spanien bei Getafe, Marvin Compper bei Hoffenheim, Marko Marin saß gegen den HSV nur auf der Bank.

Talent Alex Baumjohann ist nach seiner Gala gegen Werder wieder verschwunden. Stattdessen kickt eine Truppe von durchschnittlichen Legionären um den Klassenerhalt. Um mehr geht es nicht geht in Mönchengladbach. Alles andere ist erstmal Träumerei. Anspruchsdenken runter fahren, dann hat es der Trainer auch leichter?

In Frankfurt: Mickrige drei Punkte, Pokal-K.o. gegen Rostock. Bei der Eintracht knirscht es. Auch schon zum Ende der letzten Saison. Die Tendenz zeigt steil nach unten. Auch ohne den von Madonna zerlegten Rasen in der Commerzbank-Arena?

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