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Leverkusen ist die dritte Mannschaft, die eine Hinrunde ohne Niederlage spielte © getty

Leverkusen dreht einen Rückstand und holt den Herbstmeistertitel, der angeblich niemanden interessiert. Gefeiert wird trotzdem.

Von Christian Stüwe und Martin Volkmar

Leverkusen/München - Als Schiedsrichter Dr. Jochen Drees das rheinische Duell gegen Mönchengladbach um 17.21 Uhr abpfiff und Leverkusen als Herbstmeister feststand, gab es in der BayArena kein Halten mehr.

Konfetti-Kanonen wurden gezündet, "Hey, was geht ab? Wir feiern die ganze Nacht", dröhnte aus der Stadionanlage, und die Mannschaft machte Party mit den Fans.

Allen Beteuerungen zum Trotz, der Herbst-Titel bedeute eigentlich gar nichts, konnte selbst ein Feueralarm, der durch einen falsch platzierten Außengrill ausgelöst wurde, die Feierlichkeiten der Werkself nicht stoppen.

Hartes Stück Arbeit

Vermutlich auch, weil der 3:2-Sieg gegen Gladbach ein hartes Stück Arbeit war. Nach der Führung durch Toni Kroos hatte Bayer das Spiel beinahe aus der Hand gegeben und zwischenzeitlich mit 1:2 hinten gelegen.

"Mich hat begeistert, dass wir das Spiel noch gedreht haben", freute sich Kroos, der mit seinem zweiten Treffer den Sieg sicher stellte.

"Wir freuen uns, dass wir oben stehen. Wir wollen das solange wie möglich verteidigen", erklärte Kroos weiter: "Aber die Herbstmeisterschaft interessiert nicht."

Auch wenn die Freude der Bayer-Spieler etwas anderes vermuten ließ.

Zweiter Herbstmeistertitel der Geschichte

Zum zweiten Mal in der Geschichte des Klubs überwintert Bayer an der Spitze der Tabelle.

In der Saison 2001/02 wurde Leverkusen am Ende Vizemeister, verlor das Champions-League-Finale und das DFB-Pokale und etablierte den Ruf als "Bayer Vizekusen".

In den vergangenen Jahren spielte Leverkusen oft zu Beginn der Saison groß auf, um dann in der Rückrunde einzubrechen. In der aktuellen Spielzeit soll sich das nicht wiederholen.

"Und dazu einen sehr guten Trainer"

"Bei uns passt alles, wir haben eine gute Mischung", sagte Stefan Kießling, der mit zwölf Treffern die Torjägerliste anführt: "Wir haben junge, hungrige und genauso erfahrene Spieler. Und dazu einen sehr guten Trainer."

In der Tat scheint Jupp Heynckes einen großen Anteil am Erfolg zu haben. Der Routinier hat der Mannschaft offenbar die Leistungsschwankungen der Vergangenheit ausgetrieben.

"Jupp hat den Spielern Selbstvertrauen eingeimpft. Die Mannschaft glaubt an sich", erklärte Sportdirektor Rudi Völler.

Heynckes lobt Charakter des Teams

Heynckes gab das Kompliment nach dem "richtungweisenden" Sieg gegen die frech aufspielende Borussia an sein Team zurück.

"Es war wichtig, in einer schwierigen Situation Flagge zu zeigen, den Rückstand aufzuholen und das Spiel zu drehen", sagte der 64-Jährige: "Der Sieg war viel wertvoller und viel positiver als beispielsweise die 4:0-Siege gegen Nürnberg oder Stuttgart."

In solchen Spielen zeige sich der Charakter einer Mannschaft, erklärte Heynckes.

Internationales Geschäft als Ziel

Wenn eine Mannschaft "solche Spiele gegen eine derzeit stark in Form spielende Borussia gewinnt, dann muss man sich keine Sorgen machen, dass sie in der Rückrunde nachlässt", führte Heynckes weiter aus.

Die Mannschaft habe demonstriert, dass sie da oben bleiben wolle und auch das Zeug dazu habe, sagte Heynckes, der dennoch nicht von der Meisterschaft sprach sondern einen Platz im internationalen Geschäft als Saisonziel nannte.

Unbesiegt in der Hinrunde

Zumindest die Statistik lässt aber anderes vermuten. Nach dem Hamburger SV (1982/83) und Bayern München (1988/89) ist Leverkusen überhaupt erst die dritte Mannschaft, die eine Hinrunde ohne Niederlage überstand.

Und sowohl der HSV wie auch Bayern wurde am Ende Meister, wobei 1989 niemand anderes als Heynckes auf der Münchner Bank saß.

Große Erwartungen in Rückkehrer

Dazu kommt noch, dass bei Bayer mit Patrick Helmes, Renato Augusto und Kapitän Simon Rolfes wichtige Spieler fehlten.

"Wenn die wieder fit sind, gehe ich mit großen Erwartungen in die Rückrunde", sagte Heynckes. Für die Konkurrenz dürfte es wie eine Drohung klingen.

"Das ist ein gutes Fundament"

Gladbachs Trainer Michael Frontzeck gratulierte Heynckes und seiner Mannschaft zur Herbstmeisterschaft: "Wenn man die gesamte Hinrunde ungeschlagen bleibt, dann ist man auch verdient Herbstmeister geworden."

Nicht nur auf Grund der guten Leistung in Leverkusen zeigte er sich mit dem Verlauf der Hinrunde zufrieden: "Wir haben 21 Punkte geholt. Das ist ein gutes Fundament, auf dem wir aufbauen können."

Sieben Punkte beträgt der Vorsprung auf die Abstiegsplätze. "Wir haben aber noch genügend Arbeit vor uns", mahnte Frontzeck.

Und Sportdirektor Max Eberl betonte: "Der Rückrundenauftakt gegen Bochum ist entscheidend, wohin der Weg geht."

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