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Provokateur: Stuttgarts Jens Lehmann soll Schiedsrichter Brych einen Vogel gezeigt haben © imago

Explosive Stimmung beim VfB nach dem 0:3: Trainer Veh und Lehmann attackieren Hitzlsperger. Wirbel gibt's auch um eine "Vogel"-Geste.

Von Christian Paschwitz

München - Als Armin Veh bilanziert, klingt das recht harmonisch: "Der Hitz hat nach vorne immer glänzende Ideen", sagt der Trainer des VfB Stuttgart. "Er ist immer für einen genialen Pass gut. Und ich schätze ihn auch aus der Distanz mit seinen Weitschüssen."

Dann die allenfalls minimale Einschränkung: "Mit Hitz bin ich größtenteils zufrieden."

Das war am Mittwoch, unmittelbar nach dem 2:0 über Arminia Bielefeld im DFB-Pokal.

Nur einige Tage und ein schwaches 0:3 gegen Borussia Dortmund später, wertschätzt Stuttgarts Coach seinen Kapitän Thomas Hitzlsperger in etwa so wie ein CSU-Politiker eine Zahl unter 50: "Eigentlich haben wir kopfballstarke Spieler?, moniert Veh.

Watsch'n für die Führungsspieler

"Aber die Eckbälle wurden am Samstag von Hitzlsperger nicht so reingebracht, wie ich mir das vorgestellt habe." Eine deftige Watsch'n für den Führungsspieler, der auch sonst nicht viel zustande brachte, wie das gesamte VfB-Team.

Es war eine Vorstellung Marke Ineffizienz: 11:0 Ecken und 0:3 Tore durch Tamas Hajnal (10.), Felipe Santana (20.) und Alexander Frei (73.) sprechen Bände. Und den Sturm auf die Spitze musste der um vier Ränge abgestürzte Tabellensiebte auch erstmal vertagen.

Veh nimmt kein Blatt vorn Mund: "Unser Pass-Spiel war eine Katastrophe Wir haben Laufbereitschaft und Zweikampfverhalten vermissen lassen.?

Der Trainer rechnet ab, vor allem mit seinen Führungsspielern - und spart von seiner Kritik demonstrativ die Nachwuchsspieler aus. Wie zum Beispiel Martin Lanig, der ebenso unterging wie die Arrivierten. Nun seien "andere gefragt", meinte Veh. "Es sind ja auch Nationalspieler auf dem Platz."

In der Kabine fliegen Flaschen

Oder auch ehemalige, die aktuell nicht gerade konstruktiv dazu beitragen, das Betriebsklima wiederherzustellen. Allen voran Jens Lehmann.

Schon am Rande des Pokalspiels kam es laut "kicker" zu einer heftigen Auseinandersetzung zwischen dem Torwart und Hitzlsperger. Neben verbalen Giftpfeilen sollen auch Plastikwasserflaschen durch die Kabine geflogen sein. Geschlichtet wurde die Situation erst durch VfB-Manager Horst Heldt.

Nun legte sich Lehmann erneut an - mit Schiedsrichter Felix Brych, der sein Fett wegbekam, weil er vor dem 0:2 Santanas Attacke gegen Lehmann im Fünfmeterraum durchgehen ließ.

"Es ist schade, dass man mit solchen Leuten konfrontiert wird. Der Mann gibt sein Bestes ? wie ich. Wenn es bei mir nicht reicht, bin ich irgendwann weg. Das sollte auch für Schiedsrichter gelten", forderte Lehmann indirekt gar die Abberufung des Unparteiischen aus München.

Was den DFB-Kontrollausschuss und die Stuttgarter Verantwortlichen aber noch mehr umtreibt, ist Lehmanns Vogel-Geste, die möglicherweise Brych galt.

Mehr Selbstkritik als Provokation kommt immerhin von Hitzlsperger: "Es hat einfach an zu vielen Dingen gehapert, für die Tabellenführung waren wir einfach nicht gut genug."

Explosive Stimmung

Gleichwohl bleibt die Stimmung explosiv. Gerade deshalb hat Veh möglicherweise erneut umgeschwenkt, um die Situation zu beruhigen. Denn: Die Nationalspieler bekamen für zwei Tage Urlaub.

"Sie hatten seit Monaten nicht mehr frei", begründet Veh. "Jetzt sollen sie mal nicht an Sport denken, sondern an andere Dinge.? Vielleicht macht das auch Lehmann.

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