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Seit Bestehen der Bundesliga wurde der VfB Stuttgart drei Mal deutscher Meister © getty

Der erste Heimsieg seit Monaten sorgt für einen versöhnlichen Jahresabschluss. Hoffenheims Trainer macht eine Schlüsselszene aus.

Stuttgart - Mit einem Befreiungsschlag zum bestmöglichen Zeitpunkt hat sich der abstiegsbedrohte VfB Stuttgart in die kurze Winterpause gerettet.

Nach dem 3:1 (1:1) gegen ein kriselndes 1899 Hoffenheim scheint die fast aus den Fugen geratene Fußball-Welt der Schwaben wieder in der richtigen Umlaufbahn zu sein.(DATENCENTER: Die Tabelle)

"Der Sieg war extrem wichtig. Es ist ein versöhnlicher Vorrundenabschluss. Es ist gut, dass jetzt über die Weihnachtszeit etwas Ruhe einkehrt", sagte Nationalspieler Sami Khedira, eine der Hauptfiguren für den kleinen Aufschwung der Stuttgarter in der Adventszeit.

Erster Heimsieg seit vier Monaten

Qualifikation für das Achtelfinale der Champions League, ein Unentschieden in Mainz, nun der erste Heimsieg seit vier Monaten - in den zwei Wochen unter dem neuen Trainer Christian Gross hat der VfB, so scheint es, die Kurve bekommen.

"Es ist neuer Schwung drin, das sieht man ja", sagte Timo Gebhardt. Sportvorstand Horst Heldt mahnte allerdings umgehend, sich vom jungen Glück nun bitte nicht einlullen zu lassen: "Der Sieg darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir zu wenig Punkte haben und im Abstiegskampf stecken. Ich hoffe, das hat auch jeder verstanden."

Auch der neue Trainer positionierte sich als Mahner. "16 Punkte sind sehr bescheiden, uns steht noch viel Arbeit bevor", sagte Christian Gross, der freilich auch Lob für seine Mannschaft übrig hatte: Das "kompakte Auftreten" und "der Siegeswille" hätten ihm sehr gut gefallen.

Hilfreich war zudem das Verhalten von Luiz Gustavo: Hoffenheims Brasilianer flog in der 52. Minute vom Platz (Gelb-Rot für Meckern, Foulspiel). Danach spielten die Gastgeber vor 41.000 Zuschauern in einer ausverkauften "Tiefkühltruhe" noch entschlossener als zuvor schon.

Gelb-Rote Karte war der Knackpunkt

Die Gelb-Rote Karte bezeichnete Hoffenheims Trainer Ralf Rangnick wahlweise als "Schlüsselszene" oder "Knackpunkt".

Bis zu diesem Zeitpunkt hatte es nach Treffern von Ciprian Marcica (32., Handelfmeter) und Maicosuel (44., wunderschöner 20-Meter-Freistoß) 1:1 gestanden.

Seine Mannschaft, behauptete Rangnick, sei absolut gleichwertig gewesen, das Unentschieden verdient - eine exklusive Meinung.

Die Treffer des eingewechselten Cacau (68.) auf Vorlage des ausgezeichneten Pawel Pogrebnjak und von Khedira (82.) waren der zählbare Beweis Stuttgarter Überlegenheit.

Hoffenheim vier Spiele ohne Sieg

Für Rangnick bedeutet dies: Von den vier Spielen vor der Winterpause hat seine Mannschaft keines gewonnen.

"Ganz klar: Ich bin mit der Ausbeute der letzten vier Spiele nicht zufrieden, vom Ergebnis und auch vom Spielerischen her", gab Hoffenheims Trainer mit sauertöpfischer Miene zu.

Zudem verwies er auf sein Personal: In Stuttgart habe er "sieben, acht Spieler" mit dem Anspruch auf einen Stammplatz ersetzen müssen, klagte Rangnick. "Und nach dem Platzverweis hat man gemerkt, dass uns auf der einen oder anderen Position die Qualität gefehlt hat."

Viele Solisten - wenig Mannschaftsspieler

Hoffenheim hat nach Rangnicks Rechnung "drei bis fünf Punkte zu wenig", eine Europapokal-Platzierung ist vorerst verfehlt.

Doch der Tabellenstand, der akute Mangel an qualifiziertem Personal oder die Unbeherrschtheiten von Luiz Gustavo sind Momentaufnahmen - mehr Sorgen machten sollte dem Trainer die Einstellung seiner Spieler.

"Wir wollten eigentlich als Mannschaft auftreten und zeigen, dass wir die Ausfälle verkraften können", sagte Christian Eichner.

Doch in Stuttgart war von Zusammenhalt erneut wenig zu sehen. Hoffenheim hat offenbar zu wenig Mannschaftsspieler und zu viele Solisten.

Exzellenter Vertreter für Lehmann

Das Personal wird in der kurzen Winterpause auch Stuttgarts Sportvorstand beschäftigen. Nach dem Wechsel von Ludovic Magnin zum FC Zürich will Horst Heldt auf jeden Fall "hinten links" was tun - und außerdem für die "ein oder andere Position".

Heldt will schnell handeln, da werde jetzt Hektik ausbrechen, sagte er schmunzelnd. Am 28. Dezember nimmt der VfB das Training wieder auf, am 16. Januar 2010 beginnt gegen den VfL Wolfsburg die Rückrunde.

Die Personalie "Torhüter" kann Heldt allerdings gelassen handhaben: Sven Ulreich erwies sich erneut als exzellenter Vertreter für Jens Lehmann.

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