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Heynckes kommt wieder auf den Geschmack - und die Bundesliga findet wieder Gefallen an Heynckes: Mit zwei erfolgreichen Jahren bei Leverkusen widerlegt er das Urteil, dass seine Zeit vorbei ist und belebt seinen Ruf als routinierter Fachmann mit modernen Einflüssen fulminant neu. Genau darauf bauen die Bayern nun...
Jupp Heynckes feierte als Trainer bislang zwei deutsche Meisterschaften © imago

Der Trainer von Herbstmeister Leverkusen sieht die Münchner trotz des Aufschwungs keineswegs als Topfavoriten auf den Titel.

Aus Leverkusen berichtet Martin Volkmar

Leverkusen - Nach diesem Spiel konnte Jupp Heynckes nichts mehr aus der Ruhe bringen.

Bis zur letzten Sekunde hatte der Erfolgstrainer von Bayer Leverkusen gezittert und den 3:2-Sieg gegen seinen Ex-Klub Borussia Mönchengladbach ungewohnt euphorisch bejubelt.

Nun gehen die Rheinländer zum zweiten Mal in ihrer Vereinsgeschichte als Herbstmeister in die Rückrunde und das als erst drittes Team der Bundesliga-Geschichte ohne Niederlage.

"Der Titel Herbstmeister ist ja nicht so wichtig. Aber allein die Tatsache, dass wir belohnt worden sind für eine tolle Vorrunde und nun oben stehen, ist unheimlich schön", sagte Rudi Völler Sport1.de.

Zumal im Vorfeld der Partie die Unsicherheit spürbar gewesen war, nachdem Bayer zuletzt gegen Hannover und Hertha BSC nicht über Unentschieden hinausgekommen war und bei einem weiteren Punktverlust die Tabellenführung doch noch verloren hätte.

"Wenn wir wieder Zweiter geworden wären, hätten alle gesagt: Gute Vorrunde, aber wieder das gleiche Bild", meinte Stefan Kießling, mit zwölf Treffern Führender der Torschützenliste.

Entsprechend viel Druck fiel vom Team und speziell von Heynckes nach dem Schlusspfiff ab. Selbst ein Feueralarm im Stadion änderte daran nichts.

Während um ihn herum bis zur Entwarnung hektische Betriebsamkeit herrschte, plauderte der 64-Jährige gelassen mit seinem ehemaligen Spieler Michael Frontzeck und lobte ihn für die "prima Entwicklung" des Vereins aus seiner Heimatstadt.

BayArena statt Bauernhof

Dorthin auf seinen Bauernhof hatte sich Heynckes nach dem erfolgreichen Intermezzo beim FC Bayern eigentlich im Sommer wieder zurückziehen wollen, ehe Völler den "Rentner" zum Job in Leverkusen überredete.

Für beide Seiten eine Gewinn bringende Entscheidung: Bayer steht nach dem Absturz der vergangenen Rückrunde so gut da wie zuletzt 2002, Heynckes ist gemeinsam mit Felix Magath der Coach der Hinserie.

"Die Entscheidung für Bayer war ja wohl überlegt", sagte der im Stadionheft als "Fußball-Versteher" betitelte Trainer am Samstag. "Das ist ein seriöser und gut aufgestellter Klub mit einer guten Infrastruktur und einer guten Mannschaft."

Großes Lob von Völler

Doch erst der Routinier auf der Bank hat aus dem Team eine Spitzenelf gemacht. "Jupp Heynckes hat dafür gesorgt, dass die Mannschaft an sich glaubt", erklärte Völler.

"Gerade in den Phasen, wo es nicht so lief, hat er ihnen Selbstvertrauen eingeimpft."

Das sah man auch nach dem 1:2 der starken Gladbacher, das die Leverkusener wegsteckten und vor allem dank des überragenden Doppel-Torschützen Toni Kroos doch noch mal drehen konnten.

"Der Titel Herbstmeister sagt mir nichts"

"Bedeutung hat für mich die Tabellenposition. Der Titel Herbstmeister sagt mir nichts", meinte Heynckes bei der Pressekonferenz gewohnt sachlich. "Ich habe schon am Anfang der Saison gesagt, dass wir am Ende einen europäischen Tabellenplatz haben wollen."

Nach dem offiziellen Teil legte "Don Jupp" dann aber seine Zurückhaltung im kleinen Kreis ab. Vor allem auf die Frage nach dem wieder erstarkten FC Bayern antwortete er mit einer Kampfsansage.

"Gegen wen haben die denn zuletzt gespielt? Bochum und Hertha", sagte Heynckes und konterte auch den Hinweis auf das 4:1 bei Juventus Turin: "Die alte Dame ? und so hat Juve auch gespielt."

Heynckes: Bayern nicht Top-Favorit

Deshalb, so der Chefcoach weiter, seien die Münchner auch nicht der Top-Favorit auf die Meisterschaft. "Nein. Favorit sind Werder, Schalke, Bayer 04 und der FC Bayern."

Dieser selbstbewussten Ansage widersprach trotz des Absturzes der vergangenen Rückserie niemand. Zumal ab Januar die zuletzt fehlenden Leistungsträger Simon Rolfes, Renato Augusto und Patrick Helmes wieder fit sein werden.

"Wenn man jemandem vorher erzählt hätte, dass wir bei so vielen Verletzten als Erster in die Rückrunde gehen, der hätte uns für verrückt gehalten", sagte Heynckes. "Deshalb war es eine sehr gute, eine außergewöhnliche Hinrunde."

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