vergrößernverkleinern
Florian Kringe (r.) bestritt in München sein 181. Bundesligaspiel © getty

Florian Kringe beschreibt im Sport1.de-Interview die Ursachen der Berliner Misere und nennt die Mittel sie zu bekämpfen.

Von Martin van de Flierdt

Berlin - Es war nicht die Hinrunde des Florian Kringe.

Weil er bei seinem Stammverein Borussia Dortmund zuletzt auf dem Abstellgleis stand, ließ sich der vielseitige Mittelfeldspieler an Hertha BSC ausleihen.

Gleich im ersten Spiel für die Berliner erlitt er beim 1:2 in Mainz am 6. Spieltag einen Mittelfußbruch und musste den Absturz der Hauptstädter fortan lange tatenlos von außen mitansehen.

"Genauso wie man sich positiv in einen Rausch spielen kann, kann das in die andere Richtung gehen", weiß Kringe. Nach einem Kurzeinsatz in der Europa League gegen Sporting Lissabon feierte der 27-Jährige nun beim 2:5 bei Bayern München nach über drei Monaten sein Liga-Comeback.

Im Sport1.de-Interview beschreibt er die Ursachen der Berliner Misere, nennt die Mittel sie zu bekämpfen und verrät, was ihm noch Hoffnung auf den Klassenerhalt macht.

Sport1.de: Herr Kringe, Sie sind gegen die Bayern erneut zu einem Kurzeinsatz gekommen. Hätten Sie lieber darauf verzichtet, angesichts des hoffnungslosen Zwischenstands?

Florian Kringe: Es war schon gut, ein paar Minuten Spielpraxis zu sammeln, damit ich der Mannschaft in der Rückrunde helfen kann. Aber es ist nie leicht gegen eine Mannschaft wie Bayern, wenn sie erst mal ins Rollen kommt.

Sport1.de: Die Hertha ist abgeschlagen Tabellenletzter. Wie will der Klub in der Rückrunde noch die Wende zum Guten schaffen?

Kringe: Wir müssen die Winterpause nutzen, um den Kopf wieder freizubekommen und uns wieder aufs Wesentliche zu konzentrieren, damit wir das Unmögliche noch möglich machen. Wir müssen zusehen, dass wir uns sehr gut vorbereiten und möglichst mit einem Erfolgserlebnis in die Rückserie starten. Da müssen wir uns in den ersten Spielen in eine Position bringen, dass wir schon wieder an den Teams vor uns dran sind.

Sport1.de: Die Konkurrenz aus Bochum, Köln und Stuttgart hat am Wochenende gepunktet...

Kringe: Das macht die Sache nicht leichter. Aber Hoffnung macht mir zum Beispiel ein Spiel wie in der vergangenen Woche gegen Leverkusen. Jetzt bekommen wir noch ein, zwei neue Spieler dazu. Das wird uns weiterhelfen. Dann werden die Karten wieder neu gemischt. Ich bin mir ganz sicher, dass es bei uns ein Kopfproblem ist.

Sport1.de: Inwiefern?

Kringe: Die Mannschaft ist klar dadurch geschwächt, dass drei Schlüsselspieler weg sind. Trotzdem ist das Gros der Mannschaft immer noch zusammen. Und die Jungs verlernen ja nicht von heute auf morgen das Fußballspielen. Wir müssen wieder dahin kommen, dass möglichst viele Spieler an ihre Leistungsgrenze stoßen. Wenn wir das schaffen, haben wir absolut noch das Potenzial, die Kurve zu kriegen.

Sport1.de: Wie ist es denn zu dem Kopfproblem gekommen?

Kringe: Genauso wie man sich positiv in einen Rausch spielen kann, kann das in die andere Richtung gehen. Das habe ich zuvor schon mit Köln erleben müssen, mit Dortmund hatten wir auch mal eine schwierige Phase. Beim BVB haben wir anschließend aber auch die beste Rückrunde der Vereinsgeschichte gespielt. Das gibt mir die Hoffnung, dass es sich lohnt, nicht aufzugeben. Ich glaube daran, dass wir es schaffen können. Denn ich bin mir sicher, dass wir genügend Qualität haben.

Sport1.de: Allein von der Punkteausbeute hat sich der Trainerwechsel von Lucien Favre zu Friedhelm Funkel nicht gelohnt. Hat Funkel die Mannschaft dennoch schon weitergebracht?

Kringe: Wenn man Spiele betrachtet wie die gegen Schalke, Leverkusen oder im Europapokal, sieht man, dass wir defensiv schon stabiler sind als vorher. In München haben wir das allerdings nicht umsetzen können. Nach vorne fehlen die Sicherheit im Spiel, die Ruhe am Ball und der Mut, sich anzubieten und den Ball haben zu wollen. Da greift im negativen Sinn ein Rädchen ins andere. Genau da ist unsere Blockade.

Sport1.de: Wie kann man dem denn entgegenwirken?

Kringe: Es ist schwierig aus dieser Spirale herauszukommen, in die einen die Verunsicherung nach jedem verlorenen Spiel bringt. Da spielt sich auch sehr viel unterbewusst ab. Natürlich machen wir uns vor jedem Spiel Mut, dass wir die Wende schaffen. Aber da liegt noch ein hartes Stück Arbeit vor uns.

Sport1.de: Im Europapokal zeigt Hertha ein anderes Gesicht. Wie ist das zu erklären?

Kringe: Wenn wir das wüssten, hätten wir sicher in der Liga einiges anders gemacht. Der FC Bayern ist spätestens mit dem Spiel gegen Juventus ins Rollen gekommen, das war gerade eine ganz andere Hausnummer als davor Lissabon. Trotzdem haben wir in München einiges vermissen lassen, um von dort etwas mitnehmen zu können. Wir hatten uns vorgenommen aggressiv aufzutreten, clever zu agieren in der Defensive und mutig unsere Konter zu setzen. Davon war nicht viel zu sehen.

Sport1.de: Wo muss jetzt zuerst der Hebel angesetzt werden?

Kringe: Wir haben mit Levan Kobiashvili einen Mann für die linke Seite und mit Theofanis Gekas einen Stürmer verpflichtet. Ich denke schon, dass Michael Preetz jetzt gute Arbeit macht und die Augen offenhält, um uns da zu verstärken, wo wir es gebrauchen können.

Sport1-Adventskalender: Preise im Wert von über ? 15.000!

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel