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Michael Oenning (r.) war seit dem 12. Februar 2008 Trainer beim Club © imago

In Nürnberg brennt der Baum. Als Konsequenz muss Trainer Oenning gehen. Der Manager bleibt dagegen an Bord.

Nürnberg - Nur 19 Stunden nach dem Debakel beim 1. FC Köln hat beim 1. FC Nürnberg das Ausmisten begonnen - und das erste "Opfer" heißt Michael Oenning.

Die Franken trennten sich nach einer Sitzung des Präsidiums und Aufsichtsrates am Montag von ihrem Coach, der sie im Sommer zurück in die Bundesliga geführt hatte.

Als heißester Nachfolge-Kandidat gilt Dieter Hecking, der im August bei Hannover 96 zurückgetreten war.

"Nach langen Gesprächen und Analysen haben wir entschieden, dass wir uns von unserem Trainer Michael Oenning trennen werden. Uns allen tut dieser Schritt sehr leid, wir sind nicht angetreten, einen Trainer-Wechsel zu vollziehen, sondern in der Bundesliga zu bleiben", sagte Präsident Franz Schäfer über die Trennung.

Der Tabellenvorletzte reagierte mit der Entlassung Oennings auf die anhaltende Talfahrt in der Liga, die mit dem dem 0:3 (0:1) in Köln am Sonntag einen vorläufigen Tiefpunkt erreicht hat.

Die vergangenen vier Spiele hat Oennings Mannschaft allesamt verloren - ohne dabei selbst ein Tor zu erzielen. Mit nur zwölf Zählern hat Nürnberg schon vier Punkte Rückstand auf den Relegationsplatz 16 (Datencenter: Ergebnisse und Tabelle).

Oenning hatte das Amt beim 1. FCN Ende August 2008 von seinem damaligen Chef Thomas von Heesen übernommen und den Club darauf in die Bundesliga geführt. Im Januar wurde sein Vertrag noch bis 2011 verlängert.

Schäfer lässt tief blicken

Präsident Franz Schäfer hatte die Trennung bereits am Sonntag vorweggenommen.

"Es war meine Absicht, keinen zu entlassen. Aber Zeit und Ereignisse überholen manchmal Aussagen. Um mit Konrad Adenauer zu reden: Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern. Zwölf Punkte sind auch für einen Neuling zu wenig", sagte er.

Nach Oenning will sich der Verein auch noch von einigen Profis trennen. Sportdirektor Martin Bader fiel dem Großreinemachen indes nicht zum Opfer. Aber auch über Bader wurde bei der Sitzung, die um 11 Uhr an einem geheimgehaltenen Ort begann, diskutiert.

Um kurz nach 16 Uhr informierte der Club dann auf einer Pressekonferenz auf dem Vereinsgelände am Valznerweiher über das Geschehen.

"Wir haben bei einer Mannschaft verloren, die fußballerisch katastrophale Mängel hat, zuvor in 16 Spielen sieben Tore erzielt hat - und gegen uns drei. Da musst du ja verzweifeln", sagte Schäfer nach der Pleite in Köln.

Oenning sichtlich mitgenommen

Auch diese Aussage deutete bereits auf eine Trennung von Oenning hin.

Oenning wirkte nach der Niederlage durch den Treffer von Pedro Geromel (37.) und den Doppelpack von Kölns Ex-Kapitän Milivoje Novakovic (70./77.) apathisch.

Wie in Trance ließ der 44-Jährige, der nicht einen einzigen Schuss seiner Spieler auf das Kölner Tor sah, die obligatorischen Interviews über sich ergehen.

"Bislang habe ich das Vertrauen immer gespürt. Fakt ist natürlich auch, dass wir vier Spiele hintereinander verloren haben", sagte er.

"Mitläufer" müssen gehen

Schäfer machte aber auch klar, dass man sich von Spielern, die er zum Teil als "Mitläufer" bezeichnete, trennen wolle.

Der Kader sei mit 30 Spielern zu groß. "Von den Spielern musst du zehn bis zwölf abgeben, denn sie beweisen immer wieder, dass sie nicht bundesliga-tauglich sind", erklärte der Boss.

Einer der Besseren, Peer Kluge, steht vor einem Wechsel zu Schalke 04. Schäfer: "Schalke will Kluge und Peer will zu Schalke." 110436(Die Wechselbörse)

Als Ablösesumme sind eine Million Euro im Gespräch, Geld das man in "zwei bis drei neue Spieler" (Schäfer) investieren könnte.

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