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MATTHIAS GINTER (ab 90.): Kommt für seinen verletzten Dortmunder Teamkollegen noch zu einem Kurzeinsatz. Ohne Bewertung
Es ist zum Verzweifeln: Schalkes Kevin Kuranyi trifft einfach nicht mehr © getty

Nicht bloß die erste Saisonpleite beschäftigt Schalke: Auch die Formkurve dreier potenzieller leistungsträger erregt Besorgnis.

Von Christian Paschwitz

München - Die Worte waren gut gemeint und offenbar zum richtigen Zeitpunkt gewählt. Sie hatten trotzdem ihre Tragweite.

Wenn nicht am Donnerstag, im UEFA-Cup-Rückspiel gegen APOEL Nikosia (ab 17.45 Uhr LIVE), ja wann denn dann, mag sich Schalkes Manager Andreas gedacht haben, als er nun recht kernig die seit sechs Wochen anhaltende Ladehemmung von Kevin Kuranyi erklärte:

"Bei ihm ist das immer Kopfsache", diagnostizierte Müller via "Bild" unverblümt, dass der Stürmer bei seinem Hauptjob, nämlich dem Toreschießen, von seinem Naturell her wohl immer ein mentales Problem mit sich herumträgt.

Müllers Medikation mit mäßiger Erfolgsaussicht für den Patienten Kuranyi: "Er darf sich nicht verrückt machen. Und die anderen müssen ihm auf dem Platz die Hilfe geben, die Kevin nun braucht." Am besten schon bald, im zweiten Duell mit dem zyprischen Kontrahenten (Hinspiel 4:1).

Sogar Westermann trifft besser

Kuranyi selbst gerät inzwischen ein wenig zum öffentlichen Spielball. Schon die EM war an dem 26-Jährigen völlig vorbeigegangen. Und die schwache Saison-Ausbeute von zwei Treffern nach sechs Liga-Spielen wird klubintern sogar vom gelernten Innenverteidiger Verteidiger Heiko Westermann (3) übertroffen.

Doch Hilfe braucht bei den Königsblauen nicht nur Kuranyi, der obendrein bei vielen Fans wenig gelitten ist:

Hatten die Schalker Verantwortlichen in Nikosia noch geflachst, mit dem dort ebenfalls zweimal erfolgreichen Westermann einen neuen Torjäger gefunden zu haben, erregt die Verfassung der nominellen Offensivkräfte zusehends Besorgnis.

Farfan mit Luft nach oben

Neben Kuranyi blieb in Köln auch Jefferson Farfan blass. Der peruanische Stürmer, mit zehn Millionen Euro Ablöse teuerster Transfer der Klubgeschichte, hat zwar in der Liga bereits einen Treffer auf dem Konto, nach seiner Schulterverletzung aber noch Luft nach oben.

Dass mit Orlando Engelaar der zweite namhafte Neuzugang nach Knieproblemen noch überhaupt nicht in die Gänge gekommen ist, macht den Spielaufbau zudem nicht leichter.

Engelaar enttäuscht komplett

Uninspiriert trug der niederländische EM-Fahrer (für 5,5 Millionen aus Enschede geholt) das königsblaue Trikot beim 0:1 in Köln spazieren, produzierte viele Fehler - und werkelte damit auch kräftig mit am Ende der Schalker Serie von elf ungeschlagenen Liga-Spielen.

Von Selbstkritik war danach wenig zu hören: "Hier konntest du nicht erwarten, lecker Fußball zu spielen." Erwartet hatten die Fans von ihm wie vom gesamten Team aber zumindest, kämpferisch dagegenzuhalten.

Müller wohl auch: "So schlecht wie in der ersten Halbzeit habe ich die Mannschaft noch nicht gesehen. Wir hatten Glück, zur Pause nur 0:1 zurückzuliegen und hätten auch am Ende ein 1:1 nicht verdient."

Und Neu-Trainer Fred Rutten sagte frustriert: "Diese erste Bundesliga-Niederlage tut weh. Wir sind noch nicht so groß, solche Spiele zu gewinnen."

Krisengerede versucht der Manager jedoch zu zerreden: "Wir stecken das weg, wie das 0:4 bei Atletico Madrid (in der Champions-League-Qualifikation, Anm. d.R.)."

Stunk wegen Streit und Rakitic

Schwierig wird's nur, wenn das kickende Personal dabei seine ganz eigenen Probleme pflegt: Albert Streit liebäugelt seit Monaten immer wieder mit einem Vereinswechsel. Ivan Rakitic wiederum beklagt öffentlich, keine Lust auf seine Rolle als Linksaußen zu haben.

"Ich erwarte von den Spielern keine Reden, sondern Leistung", sagt Müller.

Das Reservoir an Verständnis und gut gemeinter Worte braucht sich allmählich auf.

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