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Bastian Schweinsteiger erzielte in 201 Bundesligaspielen 21 Tore © getty

Bastian Schweinsteiger sieht seine neue defensivere Ausrichtung nicht genug gewürdigt, scheint aber selber noch auf der Suche.

Von Christian Stüwe

München - Als Bastian Schweinsteiger in der Saison 2002/03 seine ersten Spuren in der Bundesliga hinterließ, waren die Erwartungen an den jungen Mittelfeldspieler schnell abgesteckt.

Der Bayern-Spieler wurde zum Hoffnungsträger des deutschen Fußballs.

Umgehend folgte die erste Nominierung für die Nationalmannschaft, der schussgewaltige Mittelfeldspieler sollte in die Fußstapfen der großen deutschen Spielmacher treten.

Doch in den letzten Jahren hat sich seine Karriere anders entwickelt als erwartet. Offensiv-Galas, wie bei der WM 2006, als er das Spiel um den dritten Platz gegen Portugal mit zwei herrlichen Tore quasi im Alleingang entschied, sind selten geworden.

Schweinsteiger ist nach wie vor gesetzter Stammspieler, im DFB-Team wie bei Bayern München. Allerdings sticht er weitaus weniger heraus.

Der 25-Jährige erklärt dies mit seiner neuen taktischen Ausrichtung. "Ich habe jetzt eine neue, eine defensivere Aufgabe", sagt Schweinsteiger der "Sport-Bild".

Wo liegt die Idealposition?

Generell herrschte zuletzt ein wenig Verwirrung um Schweinsteigers Idealposition. Auf den Flügeln? Oder doch eher zentral?

Gar als "Zehner" hinter den Spitzen, wie zu Beginn der Saison überlegt wurde? "Das ist viel zu offensiv für mich", hatte Schweinsteiger abgeblockt.

Schweinsteiger verglich sich stattdessen mit dem Defensiv-Handwerker Owen Hargreawes, für die Zuschauer oft unsichtbar, bei Trainer und Mannschaft für den hohen Einsatz im defensiven Mittelfeld aber sehr geschätzt.

"Die Fans im Stadion sehen oft nicht, wer den Ball gewinnt", beklagte Schweinsteiger damals die mangelnde Wertschätzung seiner Defensivarbeit von Seiten der Fans.

Schweinsteiger beklagt Erwartungshaltung

Nun legt Schweinsteiger nach. "Die Erwartungshaltung an mich ist sehr hoch. Es ist mir aber klar, woran das liegt: Ich meide seit Längerem die Öffentlichkeit und äußere mich nicht zu jeder Sache", erklärt der 72-fache Nationalspieler.

"Somit haben einige Fans nur einseitige Aussagen im Kopf. Schweini, die Gurke des Spiels. Oder: der ist schlecht drauf. Dass ich aber andere Aufgaben im Spiel habe, merken sie leider nicht."

Nach eigenem Bekunden stellt sich Schweinsteiger ganz in den Dienst der Mannschaft: "Meine Aufgabe ist es in erster Linie, die Stürmer mit Bällen zu füttern, für die Mannschaft zu ackern. Ich muss so auf manche Offensivaktion verzichten."

Mitläufer oder Macher?

Allerdings sind es nicht nur die Fans im Stadion und die Fernsehzuschauer, die Schweinsteiger öfter als lustlos wirkenden Sündenbok ausmachen.

Nach dem bitteren Champions-League-Aus im Mai meldete sich auch Uli Hoeneß zu Wort. Schweinsteiger müsse wissen, ob er "Mitläufer oder Macher" sein wolle, hatte der damalige Bayern-Manager und jetzige Präsident gesagt.

Und auch Schweinsteiger weiß, dass das bloße Verrichten von Defensivarbeit seinen Ansprüchen nicht genügen kann: "Mein Zug zum Tor muss besser werden." Zehn Saisontore nannte er als Ziel, davon sei er im Moment aber "weit entfernt".

Ausrufezeichen in Turin

Beim Champions-League-Auswärtssieg in Turin ließ er die alten Qualitäten wieder aufblitzen, war viel in der Offensive und verzeichnete mehrere gefährliche Torschüsse.

"Gegen Juventus hat es schon gut geklappt", sagt Schweinsteiger, schränkt aber gleichzeitig wieder ein: "Vieles ist bei uns positionsbedingt."

Tipps von Effenberg

Und genau darum wird es für Schweinsteiger in der Zukunft gehen. Er muss die für ihn beste Rolle auf dem Spielfeld finden.

Stefan Effenberg erkennt in diesem Bereich in der "tz" Fortschritte: "Bastian findet langsam in seine Position."

"Ich habe immer gesagt: Für mich ist er kein Spieler, der auf der rechten Außenbahn spielen sollte. Er will das ja auch gar nicht, und dann sollte man auch auf den Spieler hören."

Turin muss der Anspruch sein

Dass er das Zeug dazu hat, im zentralen Mittelfeld zu einem Weltklassespieler zu werden, ist unbestritten. Denn es darf nicht vergessen werden, dass Schweinsteiger trotz seiner großen Erfahrung mit 25 Jahren noch ein junger Spieler ist.

Effenberg sieht eher ein gewisses Phlegma als Gefahr für Schweinsteigers Entwicklung.

"Er muss jetzt auch verstehen, dass er so eine Leistung über einen längeren Zeitraum bringen muss", sagte der Champions-League-Sieger von 2001: "Bastian darf jetzt nicht wieder in ein Loch fallen. Das Niveau von Turin muss sein Anspruch sein."

Sollte Schweinsteiger seine Leistung auf diesem Niveau stabilisieren, wäre er ganz sicher auf dem Weg, die hohen Erwartungen zu erfüllen. Ob in der Zentrale oder auf dem Flügel.

Und die Fans hätten ihn auch wieder lieb.

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