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Dieter Hecking-VfL WOlfsburg
Dieter Hecking begann seine Trainerkarriere im Jahr 2000 beim SC Verl © imago

Im Sport1.de-Interview verrät Nürnbergs neuer Trainer Dieter Hecking, wo er die Hebel ansetzt und spricht über Wintertransfers.

Von Felix Götz

München - Es ist eine sehr große Herausforderung.

Der 1. FC Nürnberg hat lediglich zwölf Punkte auf dem Konto (Datencenter: Ergebnisse und Tabelle).

Mit nur zwölf Treffern hat der Club nach dem 1. FC Köln die schlechteste Offensive.

Der Klassenerhalt ist akut gefährdet. Dieter Hecking soll die Franken retten.

Als Nachfolger des geschassten Trainers Michael Oenning übernimmt der 45-Jährige nun den Verein.

Im Sport1.de-Interview verrät Hecking, wo er die Hebel ansetzen muss und spricht auch über Wintertransfers.

Sport1.de: Herr Hecking, vier Monate nach Ihrem Rücktritt bei Hannover 96 haben Sie wieder einen neuen Job. Ist die Zeit bei 96 komplett aufgearbeitet?

Dieter Hecking: Es ist natürlich so, dass man, wenn man eine neue Aufgabe annimmt, mit dem Alten abgeschlossen haben muss. Dafür waren die vier Monate nun ausreichend Zeit.

Sport1.de: Gab es in der Zwischenzeit auch Angebote von anderen Vereinen?

Hecking: Ja, einige Vereine hatten Interesse. Ich bin aber keiner, der das an die große Glocke hängt. Manchmal passte der Zeitpunkt nicht und manchmal war die sportliche Perspektive nicht so attraktiv. Als der Club kam, hatte ich sofort ein gutes Gefühl.

Sport1.de: Die Aufgabe angesichts von Rang 17 und vier Punkten Rückstand auf den Relegationsplatz ist nicht einfach. Wie sicher sind Sie, dass es trotzdem klappt?

Hecking: Eine Garantie kann ich nicht geben. Es wäre vermessen, wenn ich sagen würde, dass jetzt alles toll ist, weil der Hecking da ist. Ich werde mit dem Team gemeinsam versuchen, in die Spur zu kommen. Wir müssen stabile Leistungen abrufen. Wenn wir das schaffen, dann glaube ich, dass der 1. FC Nürnberg eine Mannschaft hat, die sich nicht verstecken muss.

Sport1.de: Sie glauben also, dass die Qualität im Kader reicht, und nicht zwingend neue Spieler kommen müssen?

Hecking: Die Qualität ist da. Es gibt einige Spieler, die ihr Leistungspotenzial leider noch nicht voll ausgeschöpft haben. Aber wir denken natürlich darüber nach, ob wir noch auf der einen oder anderen Position etwas machen.

Sport1.de: Haben Sie bestimmte Spieler im Blick?

Hecking: Wintertransfers sind keine einfachen Transfers. Spieler zu bekommen, die vom spielerischen, charakterlichen und wirtschaftlichen her passen, ist nicht leicht. Deshalb werden wir sicher nur dann aktiv, wenn wir zu 100 Prozent davon überzeugt sind, dass es dann sofort passt.

Sport1.de: Sie haben beim Club eine sehr junge Mannschaft, die in der Hinrunde viele negative Erlebnisse hatte. Ist es von daher besonders schwierig, dem Team neues Selbstvertrauen einzuimpfen?

Hecking: Das geht nur über gute Trainingsleistungen, gute Vorbereitungsspiele und natürlich durch gute Ergebnisse in der Liga. Wenn wir am ersten Spieltag nach der Pause auf Schalke etwas mitnehmen, dann wächst das Selbstvertrauen.

Sport1.de: Sie hoffen auf eine Leistungsexplosion wie beim FC Bayern?

Hecking: Ja. Die gewinnen gegen Gladbach, in Turin und schießen danach Bochum und Hertha weg. Und plötzlich läuft das Ding. Wenn man die Aussagen der Bayern von vor vier Wochen nimmt, und die mit denen von heute vergleicht, dann sieht man, was Erfolgserlebnisse bewirken.

Sport1.de: Das setzt aber auch Arbeit voraus...

Hecking: Richtig. Was nicht vorkommen darf, sind Spiele wie in Köln, wo man gesehen hat, dass keine Gegenwehr mehr da ist.

Sport1.de: Nürnberg hat die schlechteste Offensivabteilung nach Köln. Sind die Probleme im Angriff mangelndem Selbstvertrauen zuzuschreiben oder fehlt Qualität?

Hecking: Ich glaube, dass wir sehr wohl Stürmer haben, die Tore machen können. Bunjaku hat eine sehr gute Vorrunde gespielt. Das hätte man dem Jungen so nicht zugetraut. Auch die anderen sind Spieler, die ihre Qualitäten haben. Wichtig ist allerdings, dass wir eine Balance in die Truppe hineinbekommen, weil wir auch sehr viele Gegentore bekommen haben. Der Hebel muss also sowohl in der Defensive, als auch in der Offensive angesetzt werden.

Sport1.de: Schon am 20. Spieltag geht es nach Hannover. Ist das für Sie ein besonderes Spiel?

Hecking: Ich bin nach wie vor diesem Verein gegenüber eng verbunden. Ich denke, dass wir im August alles richtig gemacht haben, in dem wir uns getrennt haben, in dem ich zurückgetreten bin.

Sport1.de: Warum?

Hecking: Es ging damals nicht um Dieter Hecking, sondern um den Verein. Die Stimmung war damals nicht gut, die Situation drohte zu eskalieren. Natürlich ist es nun so, dass es etwas Besonderes ist, nach Hannover zurückzukehren. Zumal meine Familie nach wie vor dort wohnt.

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