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Sprühend, vor allem mit seinem Offensivspiel: Patrick Helmes ist Bayers Mann der Stunde © imago

Bayer Leverkusen spielt mit den schönsten Fußball der Liga - und doch ist der Erfolg anders als früher. Sport1.de zeigt auf, warum.

Von Christian Paschwitz

München - Es war der 15. November 1980. Rudi Völler, damals Stürmer bei 1860 München, läuft zum ersten Mal im Ulrich-Haberland-Stadion auf. Und "alles wirkte ein bisschen grau, fast leblos", wie er "11 Freunde" verriet. "Vielleicht lag es daran, dass das Leverkusener Stadion in jener Zeit fast immer halbleer war."

Sich Wohlfühlen klingt anders.

Im September 2008 sagt Völler: "Ich fühle mich hier zu Hause." Für den jetzigen Sportdirektor von Bayer Leverkusen, mit Unterbrechungen 14 Jahre bei Bayer, ist der Werksklub inzwischen eine Herzensangelegenheit. Ein imposanter Wandel hat sich vollzogen.

Das Stadion heißt mittlerweile BayArena und ist mit 22.500 Zuschauern immer ausverkauft. Und sowohl im Verein als auch in der Stadt herrscht eine riesige Euphorie um ein Team, das als Tabellenzweiter wieder ganz oben anklopft, sich auf Champions-League-Kurs befindet.

Alles schon dagewesen?

Kein so ganz neues Phänomen, unken einige Kritiker. Schließlich wurde Leverkusen in der 90er Jahren und 2001/02 immerhin dreimal Vizemeister, dazu 2003/04 Dritter. Alles schon dagewesen also? Nicht ganz. Bayer scheint bei der Neudefinierung von Image und Erfolgsstreben eine neue Qualitätsstufe anzusteuern.

Allen voran natürlich sportlich. Denn Bayer spielt im Moment schlichtweg spektakulären Fußball.

Es heißt schon etwas, wenn Bayers Torjäger Patrick Helmes nach dem 3:2 beim VfL Bochum sagen kann: "Es war wohl unser schlechtestes Saisonspiel bisher."

Nachdem das Team von Neu-Trainer Bruno Labbadia vor allem gegen Hannover (4:0), Stuttgart (2:0) und Hoffenheim (5:2) brillierte, bei den 2:3-Niederlagen gegen Dortmund und gegen den nur einen Punkt besser dastehenden HSV (2:3) das bessere Team war.

Lehrstunde für Bochum

Auch den Bochumern erteilte Bayer zumindest bis zu Helmes' 3:0 eine gut einstündige Lehrstunde.

Was tatsächlich neu ist: Bayer drückt dem Gegner wie nie zuvor seinen Stempel auf mit erfrischendem Angriffsfußball. 18 Treffer nach sechs Liga-Spielen sind neuer Vereinsrekord, von Ergebnis-Verwaltung keine Spur. Ein Torverhältnis von 18:10 übertrumpft sogar Bremer Offensivqualitäten (zuletzt 5:4 gegen Hoffenheim).

Fans und Presse schnalzen mit der Zunge, lassen sich anstecken von der guten Laune der Bayer-Ballermänner, die vom Platz auf die Ränge und auf die Fernsehschirme übergreift. Der einstige "Pillen-Klub" ist en vogue.

Galionsfigur Helmes

Vor allem bei Helmes läuft's wie geschmiert: Der 24-Jährige ist die Galionsfigur des Aufschwungs. Sieben Tore in sechs Einsätzen lautet die Bilanz des Nationalspielers, der nach seinem Wechsel von Köln auf die andere Rheinseite alle Erwartungen übertrifft.

Dabei scheint sein Trainer von Helmes noch viel mehr zu erwarten. "Seine Entwicklung ist noch längst nicht abgeschlossen", sagt Labbadia.

Das trifft wohl auf die ganze Mannschaft zu, die trotz ihres jungen Alters ungemein harmoniert. Hinten überzeugen Nationalkeeper Rene Adler, Rechtsverteidiger Gonzalo Castro und die Innenverteidiger Manuel Friedrich sowie Karim Haggui ebenso wie die Neuzugänge Henrique und Michal Kadlec. Davor ist Sechser Simon Rolfes eine Institution.

Zauberfuß Renato Augusto

Dazu kommt die immer schwungvoller werdende Mittelfeld-Achse, allen voran Zauberfuß Renato Augusto (ein Tor) sowie die lauffreudigen Arturo Vidal (1) und Tranquillo Barnetta (2), die obendrein als Vorbereiter glänzen.

Hier geht es zum zweiten Teil

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