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Michael Skibbe (l., mit Heribert Bruchhagen) ist seit letzten Sommer Trainer in Frankfurt © getty

Michael Skibbe muss zum "Rapport". Bei Sport1.de verrät Vorstandsboss Bruchhagen, was er dem Eintracht-Coach sagen wird.

Von Daniel Rathjen

München/Frankfurt - Trainer Michael Skibbe und Vorstandsboss Heribert Bruchhagen von Eintracht Frankfurt sind auf Schmusekurs.

In einem anderthalbstündigen Krisengespräch am Dienstag räumten beide Seiten im Rahmen einer Vorstandssitzung die Missverständnisse aus und kamen auf einen Konsens.

"Der Vorstand teilt die Auffassung des Trainers zu 100 Prozent. Es wird schwer, aufgrund unserer personellen Situation unser Saionziel von 46 Punkten zu erreichen", erklärte Bruchhagen.

Er erteilte Skibbe aber doch noch einen Rüffel: "Künftig sollten solche kritischen Auseinandersetzungen im internen Kreis geführt werden."

Auch Skibbe ruderte nach seinen Verbalattacke vom Wochenende und indirekten Rücktrittsdrohungen zurück.

"Ich wollte mit meiner Kritik nur verdeutlichen, dass es in der Rückrunde sehr schwer wird, unsere Ziele zu erreichen. Ich arbeite sehr gerne für Eintracht Frankfurt und mit Heribert Bruchhagen zusammen", sagte der Coach.

Skibbe hatte am vergangenen Sonntag am Rande des Wintertrainingslagers im türkischen Belek erneut scharfe Kritik wegen fehlender Neuzugänge geübt und dabei sogar seine eigene Zukunft bei den Hessen in Frage gestellt.

Bruchhagen ("Ich habe kein Verständnis für seine provokanten Äußerungen") hatte sich genervt von den Äußerungen Skibbes gezeigt und den Coach zum Rapport gebeten.

Schon vor dem mit Spannung erwarteten Krisengipfel ruderte der Vereinsboss im Gespräch mit Sport1.de zurück und gab dem Coach eine Jobgarantie.

Sport1.de: Herr Bruchhagen, gibt es Probleme zwischen Ihnen und Michael Skibbe?

Heribert Bruchhagen: Nein. Die Dinge, die Michael von sich gibt, decken sich doch zu 100 Prozent mit meiner Meinung. Es ist nun mal so, dass wir uns in einer schweren Situation befinden. Wir haben einige Stürmer verloren...

Sport1.de: Martin Fenin, Ioannis Amanatidis sind schon länger verletzt...

Bruchhagen: Alles, was Michael sagt, ist inhaltlich richtig.

Sport1.de: Warum sind Sie trotzdem sauer?

Bruchhagen: Es ist ja nicht so, dass wir nicht auch daran interessiert sind, die Probleme im Rahmen unserer eigenen Unternehmensleitsätze zu lösen. Und die sind klar vorgegeben. Wir müssen das laufende Geschäft betrachten und wir haben einen Etat, in dem wir uns bewegen.

Sport1.de: Warum haben Sie sich dann bislang noch nicht verstärkt?

Bruchhagen: Wir haben allen drei Spielern, die Michael gerne haben wollte, Angebote gemacht. Diese Angebote wurden nicht angenommen. Das ist ein normaler Vorgang.

Sport1.de: Nochmal: Was stört Sie?

Bruchhagen: Dass Michael diese Dinge öffentlich beklagt, ist nicht okay. Dadurch entsteht - ohne dass Michael das will - der Eindruck, dass es unterschiedliche Auffassungen gibt. Und das ist gar nicht der Fall. Bei allen gegenteiligen Aussagen lache ich mich doch tot!

Sport1.de: Was werden Sie Ihrem Trainer dennoch deutlich machen?

Bruchhagen: Ich war fünf Tage im Trainingslager und habe täglich im Round-Table-Gespräch mit Journalisten meine Meinung geäußert und musste die Fragen beantworten, warum beispielsweise Gekas nicht zu uns gekommen ist. Dann verlieren wir mit 0:3 gegen den KSC und plötzlich holt er zum Rundumschlag aus. Und so etwas will ich eben nicht.

Sport1.de: Sind Sie zufrieden mit der Arbeit von Michael Skibbe?

Bruchhagen: Wir sind sogar sehr sehr zufrieden. Es ist hervorragend bislang. Wir stehen so gut da wie schon seit 16 Jahren nicht mehr. Natürlich wird die Rückrunde schwer, die Fakten sind bekannt. Aber wir können jetzt auch nicht unsere Unternehmensleitsätze verlassen.

Sport1.de: Das heißt der Sparkurs wird beibehalten?

Bruchhagen: Wieso Sparkurs? Wir haben keinen Sparkurs! Wir haben gravierende Schulden abgebaut in den letzten Jahren. Wir haben keine Kredite mehr. Investiert wird das, was wir einnehmen. Das ist der Rahmen unserer Möglichkeiten.

Sport1.de: Stimmt es, dass Sie Michael Skibbe zweimal abgemahnt haben?

Bruchhagen: Nein! Das ist frei erfunden. Da ist nichts dran.

Sport1.de: Sein Job steht demnach auch nicht zur Disposition?

Bruchhagen: Das wäre lachhaft. Einfach lachhaft. Gegen die Eigendynamik kann ich mich nicht wehren, aber es ist völliger Quatsch.

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