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Clemens Fritz wechselte 2006 von Bayer Leverkusen nach Bremen © getty

Clemens Fritz spricht im Interview mit Sport1.de über die Vorbereitung der Bremer, das Spiel gegen Frankfurt und seine Ziele.

Von Christian Stüwe

München - Nach einer völlig verkorksten Saison 2008/2009 hat sich Clemens Fritz in der ersten Hälfte der laufenden Saison stabilisiert.

Im Trainingslager von Werder Bremen in Dubai musste der rechte Verteidiger allerdings einen Rückschlag hinnehmen und mehrere Tage pausieren - keine optimale Vorbereitung auf den Rückrundenstart in Frankfurt (Sa., ab 15 Uhr LIVE).

Im Interview mit Sport1.de spricht der Nationalspieler über die Vorbereitung auf die Rückrunde, Werders Einbruch vor der Winterpause, den Vertragspoker um Mesut Özil und seine WM-Ambitionen.

Sport1.de: Sie sind gerade aus dem Trainingslager in Dubai zurückgekehrt. Sie waren angeschlagen und mussten einige Tage pausieren. Sind Sie trotzdem mit dem Verlauf der Vorbereitung zufrieden?

Clemens Fritz: Nein, ich kann natürlich nicht zufrieden sein. Ich habe mittrainiert und dann direkt am ersten Tag Probleme mit dem Rücken und der Leiste bekommen. Dann habe ich drei Tage Reha-Training gemacht und bin am Freitag wieder in das Mannschaftstraining eingestiegen. Von daher ist es für mich nicht so gut gelaufen.

Sport1.de: Wie bewerten Sie das Trainingslager aus Sicht der Mannschaft?

Fritz: Natürlich ist das für alle eine neue Situation, durch die kurze Vorbereitungszeit. In den letzten Jahren hatten wir das Doppelte an Zeit, um uns auf die Rückrunde vorzubereiten. Es ist sicherlich alles sehr kompakt gewesen, aber ich denke, wir haben gut gearbeitet.

Sport1.de: Ihr Trainer Thomas Schaaf hat die zu kurze Winterpause kritisiert. Stimmen Sie ihm zu?

Fritz: Es ist ein großer Unterschied zu den vergangenen Jahren. Nach den vielen Spielen in der Hinrunde würde er den Spielern gerne die Zeit zur Erholung geben. Jeder hat seinen Trainingsplan mitbekommen, aber was das Fußballspezifische angeht, kann man sich nur auf bestimmte Punkte konzentrieren. Weil die Zeit zu kurz ist, um gerade im taktischen Bereich an allen Dingen zu arbeiten.

Sport1.de: Werder ist vor der Winterpause ein wenig eingebrochen. Reicht die kurze Pause, um die Akkus aufzuladen?

Fritz: Sie muss reichen. Wir haben die Ansprüche und wir haben hohe Ziele. Es wurde immer gesagt: Werder spielt eine gute Hinrunde. Wir haben uns auch gut in der Europa League präsentiert. Aber im Endeffekt muss man sagen, wir haben die letzten zwei Spiele verloren. Dadurch haben wir auch ein bisschen den Anschluss nach oben verloren. Es ist unser Ziel, den Abstand so schnell wie möglich wieder zu verkürzen und wieder in die Champions-League-Plätze zu rutschen.

Sport1.de: Wo sehen Sie die Gründe für den Einbruch?

Fritz: Wir waren gegen Schalke und Hamburg zu passiv. Ich würde nicht sagen, dass es an der Müdigkeit gelegen hat oder dass die Akkus leer waren. Wir haben in den vergangenen Jahren immer wieder diese englischen Wochen gehabt und können eigentlich ganz gut damit umgehen. Das Spiel gegen Hamburg war durch die Witterungsbedingungen natürlich auch etwas Besonderes. Der HSV konnte damit besser umgehen, wir haben nicht richtig zu unserem Spiel gefunden. (VIDEO: Klaus Allofs im Interview)

Sport1.de: Die Ausgangslage ist dennoch sehr gut. Werder ist noch in allen drei Wettbewerben aussichtsreich vertreten. Was sind die Ziele?

Fritz: Den DFB-Pokal wollen wir natürlich verteidigen. In der Europa League haben wir uns in der letzten Saison hervorragend präsentiert. Leider sind wir im Endspiel gescheitert. Natürlich wollen wir versuchen, auch mal einen internationalen Wettbewerb zu gewinnen. Ich denke, wir haben die Qualitäten dazu. Aber es muss alles zusammenpassen. Etwa was Verletzungen angeht, da darf dann nicht viel kommen.

Sport1.de: Sie haben die Champions-League-Plätze als Ziel genannt. Ist die Meisterschaft kein Thema?

Fritz: Nein, über die Meisterschaft reden wir momentan nicht. Das klingt jetzt vielleicht ein bisschen runtergerasselt, aber wir müssen von Spiel zu Spiel schauen. Wenn man um die Meisterschaft mitspielen will, muss jedes Rädchen ins andere greifen: wenig Verletzungen, man braucht einen kleinen Lauf. Sicherlich sind wir dazu in der Lage, aber im Moment ist das kein Thema.

Sport1.de: Im Moment bestimmt Mesut Özils Vertragspoker die Berichterstattung über Werder. Inwiefern beschäftigt das die Mannschaft?

Fritz: Mesut Özil ist ein hervorragender Fußballer. Es würde uns alle freuen, wenn er den Weg in Bremen weitergeht und seine Entwicklung hier voran bringt. Es ist auch bei ihm noch Luft nach oben da. Man hat in den letzten zwei Jahren gesehen, wie gut er sich hier entwickeln kann. Er hat unheimliche Fortschritte gemacht. Ich denke, dass Bremen ein sehr gutes Umfeld für ihn ist. Und wir als Mannschaft würden uns natürlich auch freuen, wenn er verlängert.

Sport1.de: Belastet die ungeklärte Zukunft Özils die Mannschaft?

Fritz: Nein. Das gehört zum Profigeschäft dazu und belastet eine Mannschaft nicht.

Sport1.de: Für Sie geht es in der Rückrunde auch darum, sich noch für die WM zu empfehlen. Wie sehr ist das im Hinterkopf?

Fritz: In der Hinrunde lief es schon recht gut - im Vergleich zur Vorsaison, als ich gar nicht zu meiner Leistungsstärke gefunden habe. Ich will mich noch weiter steigern. Ich habe hohe Ansprüche an mich. Die WM ist im Hinterkopf, aber ich denke nicht täglich darüber nach. Ich konzentriere mich voll auf Werder und dann schaue ich, was noch kommt.

Sport1.de: Am ersten Spieltag hat Werder gegen die Eintracht verloren. Sind Sie heiß auf eine Revanche in Franfurt?

Fritz: Dass wir motiviert sind, ist ganz klar. Frankfurt hat eine gute Mannschaft und mit Michael Skibbe einen hervorragenden Trainer. Eintracht ist unheimlich gefährlich. Aber für uns ist klar, dass wir mit einem Sieg in die Rückrunde starten wollen. Danach kommt Bayern zu uns. Wir müssen von Anfang an hoch konzentriert sein, damit wir nicht wieder einen Fehlstart hinlegen.

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