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Magath bei seiner Vorstellung im Juni neben Tönnies und Peters (v.l.) © getty

Die Knappen verstärken ihr Team weiter. Auch sollen noch Spieler gehen, doch angeblich sind künftige Transfer-Erlöse schon verpfändet

Von Thorsten Mesch

München - Sechs neue Spieler in der Winterpause, dazu ein Rückkehrer im Sommer - Schalke 04 rüstet weiter auf.

Ein wichtiger Schritt für die Planung der sportlichen Zukunft einerseits, andererseits aber auch eine Verpflichtung für die finanziell angeschlagenen Königsblauen.

Das Erreichen eines Platzes im internationalen Geschäft ist quasi zwingend notwendig, zudem müssen Gelder aus dem Verkauf von Spielern generiert werden.

Spieler-Werte als Sicherheit hinterlegt?

Doch angeblich ist eine Finanzierung auf Basis künftiger Transfer-Erlöse gar nicht mehr möglich.

Nach Informationen der "Sport Bild" sollen die Spieler-Werte bereits als Sicherheit beim amerikanischen Finanzkonzern John Hancock hinterlegt worden sein.

Demnach hätten sich die Schalker im Rahmen des Vertrags mit einem Sportartikel-Hersteller Anfang 2009 den garantierten Basisbetrag von mehr als zwölf Millionen Euro über den Anleihe-Gläubiger aus Boston sofort auszahlen lassen.

Als Sicherheit soll Hancock die Einnahmen aus genanntem Vertrag bis 2018 - und zusätzlich die möglichen Transfer-Erlöse bekommen haben.

Kein Kommentar von Peters

Auf Nachfrage von Sport1.de wollte Schalkes Geschäftsführer Peter Peters die Behauptungen nicht kommentieren, Aufsichtsratschef Clemens Tönnies und Trainer Felix Magath waren nicht für Stellungnahmen erreichbar.

"Bei den Transfers von Rafinha (2005, Anm. d. R.) und Marcelo Bordon (2004) habe ich finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt, um sie zu verpflichten", sagte Tönnies.

In der laufenden Saison habe er "dem Verein liquide Mittel zur Verfügung gestellt."

Tönnies bürgt mit Privatvermögen

Laut "Sport Bild" würde Tönnies gegebenenfalls im Sommer mit Privatvermögen bürgen. Dass der Aufsichtsratschef für den Verein in seine Geldschatulle greift, ist nichts Neues.

Nach der Verpflichtung von Alexander Baumjohann vom FC Bayern hatte Magath die Finanzspritze bereits erwähnt.

"Eigentlich wollten wir ja erst Spieler verkaufen, bevor wir neue holen, aber ich habe an Neujahr mit Clemens Tönnies telefoniert und er hat mir ein wenig Geld für Zugänge zur Verfügung gestellt", so Magath.

Vermutet werden etwa zehn Millionen Euro.

Baumjohann soll ebenso wie der kurz nach ihm vom 1. FC Nürnberg gekommene Peer Kluge etwa 1,5 Millionen Euro gekostet haben.

Zwei Neue verpflichtet

Am Montag verpflichteten die Gelsenkirchener ablösefrei für die kommende Saison Tim Hoogland vom FSV Mainz 05, am Abend gaben sie den Transfer des mazedonischen Nationalspielers Besart Ibrahimi vom FK Renova bekannt.

Zuvor hatten die Königsblauen bereits Edu, Tore Reginiussen und Bogdan Müller unter Vertrag genommen.

"Werden noch ein oder zwei Spieler verkaufen"

Abgegeben wurden bislang Levan Kobiashvili (Berlin) und Lubos Hanzel (Trnava), weitere Spieler sollen folgen.

"Wir werden garantiert nicht vier, aber wohl noch ein oder zwei verkaufen", hatte Magath zuletzt erklärt und betont: "Bis auf Torwart Manuel Neuer kann jeder Spieler gehen, wenn die Ablösesumme stimmt."

Gerald Asamoah, Halil Altintop und Albert Streit gelten als heißeste Kandidaten, sind aber als Großverdiener schwer an den Mann zu bringen.

Idrissou als Kuranyi-Nachfolger im Gespräch

Für Kevin Kuranyi, dessen Vertrag im Sommer ausläuft, werden die Schalker wohl keine Ablöse mehr erzielen können, jedoch zukünftig Gehaltszahlungen von etwa vier Millionen Euro pro Jahr einsparen.

Vorausgesetzt, mit dem Stürmer, der zuletzt einen sofortigen Wechsel zum englischen Erstligisten FC Sunderland ablehnte, wird nicht verlängert.

Als Nachfolger ist Kameruns Nationalspieler Mo Idrissou vom SC Freiburg im Gespräch.

Magath fordert weitere Veränderungen

Magaths Planungen für die kommende Saison laufen bereits auf vollen Touren.

Der Verein müsse, "will er in der Spitze Europas mitspielen, sein Gesicht weiter verändern", so der Coach zur "Sport Bild".

Er sehe aber "noch nicht viele Veränderungen. Da muss etwas passieren, vor allem in wirtschaftlicher Hinsicht".

Bayern klarer Titelfavorit

Was das Sportliche angeht, habe Schalke in dieser Saison "keine Mannschaft, die Meister werden kann", sondern sich "nur gut in der Vorrunde geschlagen", findet Magath, der den FC Bayern als Titelfavoriten sieht.

"Wir müssen sehen, dass wir unter den ersten Fünf landen, da haben wir mit Hamburg, Leverkusen, Hoffenheim, Bremen und Dortmund genug zu tun."

Ze Roberto überrscht beim Training

Viel Arbeit, bei der auch Ze Roberto mithelfen will. Der Brasilianer, der zuletzt an Flamengo ausgeliehen war und mit dem Klub aus Rio de Janeiro Meister wurde, beeindruckte Magath am Dienstag beim Training.

"Davon, dass Ze Roberto ein guter Fußballer ist, konnten wir ja ausgehen, aber dass er auf Anhieb eine so gute Rolle spielen würde und gleich das Tempo in seiner Mannschaft bestimmt, habe ich nicht erwartet", meinte der Trainer.

Ze Roberto steht bei Schalke bis 2011 unter Vertrag, zuletzt wurde über ein weiteres Leihgeschäft spekuliert, doch gibt es momentan keine Anfragen für den 29-Jährigen.

"Wenn er weiter so trainiert wie bei seinem ersten Auftritt hier, dann kann er gerne bleiben", sagte Magath.

Kluge heiß auf Nürnberg

Spielen wird im Mittelfeld beim Rückrunden-Auftakt gegen Nürnberg aber wohl eher Baumjohann.

Heiß auf die Partie gegen seinen Ex-Verein ist natürlich Peer Kluge. Er könne Magath sogar sagen, wie Nürnberg spielen werde, sagte der 29-Jährige.

Immerhin ist die Austragung der Partie gesichert. Wegen eines zehn mal zehn Meter großen Lochs im Dach der Arena drohte dem Spiel vorübergehend die Absage.

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