Die Winterpause ist bald vorbei. Wolfgang Kleine wagt einen Blick auf deutsche Wohnzimmer, Stadien und zahlende Experten.

Kritik am Afghanistan-Krieg, das Terror-Attentat auf Delta-Flug NW 253, der Anschlag auf die Nationalmannschaft von Togo. Das kollektive Versagen der US-Geheimdienste. Der Streit der Koalitionäre von CSU und FDP, Nackt-Scanner und die Zielscheibe Erika Steinbach.

Ach was - alles Schnee von gestern. Was kann die Deutschen denn noch erschüttern? Jetzt kommen wieder schönere Zeiten.

Der Spaß ist angesagt: Endlich rollt der Ball!

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Am Wochenende beginnt die Rückrunde in den deutschen Fußball-Ligen. Was will man mehr?

Dann sind wieder Themen gefragt wie: Wer wird Deutscher Meister? Können die Bayern es doch noch schaffen? Oder hat der Klub mit dem Verlierer-Gen, Bayer Leverkusen, doch am Ende die Nase vorn. Louis kontra Jupp, van Gaal gegen Heynckes - oder, Nomen est Omen, mischt da noch ein glücklicher Felix Magath mit?

Und wer muss ins Gras beißen und steigt ab? Noch 17mal, Woche für Woche, werden Tragödien beschrieben.

Es dürfen wieder Helden gefeiert werden, die mit minimalem Trainingsaufwand maximales Geld kassieren. Netto oder Brutto? Das ist hier die Frage.

Das Kind im Manne:

Alles Fragen, die die Nation beschäftigen. Hier kann auf der Tribüne mitgejubelt oder -gelitten werden. Hier kann gegrölt und gesungen werden. Vor den TV-Schirmen - und nicht nur dort - wird der Mann zu dem, was er sich in seinem Innern so wünscht: Wieder zum Kind. Endlich rollt der Ball!

Da fallen wieder Tore und nicht nur die Schießscheiben. Da können Emotionen durchlebt und frei rausgelassen werden. Wenn der FC Bayern trifft, treffen Kollegen schon mal vor lauter Begeisterung den eigenen Monitor, der fast vom Tisch gepoltert wäre.

Da brüllen sie vor Freude - oder auch vor Ärger: "Scheiß Bayern!" Anne Will und die "Meister der Herzen" lassen grüßen. Man gönnt sich ja sonst nichts. "Ich hät's den Fischköpp gegönnt - aber der Schaaf?" Endlich rollt der Ball!

Einer führte sogar schon einen solchen Tanz nach einem Tor des 1. FC Köln auf, dass der kulturelle Vorgang, genüsslich vom Kollegen gefilmt, durch den FC auf die eigene Homepage des Klubs gestellt wurde. Endlich rollt der Ball!

Da brüllen die Familienvorstände und verschütten vor lauter Erregung das Bier, während die unbefriedigte Gattin nur kopfschüttelnd von dannen zieht. Endlich rollt der Ball!

Emotionen pur. Und dann kommen auch endlich wieder die Experten vor den TV-Kameras zu Wort. Sei es der Udo oder der Jörg, der Armin, der ab und zu ins Phrasen-Schwein zahlt. Oder der Eugen, der seine Schiedsrichter oft ganz toll findet. Und wenn der Udo sich empört: "Das war doch klar Rot!", pocht der Eugen auf die heilige Kuh "Tatsachenentscheidung".

Der Felix hat dann plötzlich wieder 100.000 Kollegen. Der muss doch mehr nach vorn und warum steht der eigentlich so weit links. Wer spielt Spitze? Doch der nicht, der trifft doch nicht einmal den Möbelwagen! Oh, wie ist das schön!

Ja wenn die Ausraster, das Werfen von Nebelkerzen, das Anzünden von Bengalischen Feuern, die Randale im und vor dem Stadion und die Hetzjagden auf die Schiedsrichter nicht wären. Aber: Endlich rollt der Ball!

Frei nach Heinrich Heine und mit viel Enthusiasmus: "Denk' ich an Fußball in der Nacht, wird' ich um den Schlaf gebracht."

Wolfgang Kleine hatte als Journalist seine Feuertaufe bei der Fußball-WM 1974 in Deutschland. Danach wurden für ihn zahlreiche Handball-Spiele, die Berichterstattung vom Leichtathletik-Europacup 1979 und die Begleitung der Tour de France 1996 sowie 1997 unvergessliche Erlebnisse. Aber eines bleibt besonders in Erinnerung: Das Wintermärchen der Olympischen Spiele 1994 in Lillehammer.

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