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In der Saison 2004/2005 wechselte Zidan in die Bundesliga zu Werder Bremen © imago

Der Stürmertausch Mladen Petric gegen Mohammed Zidan sorgt beim BVB für einen Streit in der Vereinsführung.

Von Martin Hoffmann

München - "Wir haben das Beste daraus gemacht", lautete die Reaktion von Dortmund-Trainer Jürgen Klopp auf den spektakulären Stürmertausch mit dem Hamburger SV.

Der HSV bekam Mladen Petric, der BVB Mohammed Zidan und 4,5 Millionen Euro - und beide hatten das Gefühl, ein gutes Geschäft gemacht zu haben.

Die vorläufige Bilanz sieht eineinhalb Monate später anders aus: Denn während Petric beim HSV für Tore sorgt, sorgt Zidan beim BVB bis jetzt nur für Ärger.

Erst verursachte Zidan mit einer desaströsen Leistung im Derby gegen Schalke ein Pfeifkonzert des eigenen Anhangs, jetzt hat der Ägypter einen Zwist in der BVB-Führung bewirkt.

Generalabrechnung bei Gremiensitzung

Ausgebrochen ist der Streit laut einem Bericht der "Sport Bild" vergangene Woche bei einer eigentlich unspektakulären Gremiensitzung.

Ein 13-köpfiger Wahlausschuss sollte dort Gerd Pieper als Kandidat für das Amt des Vizepräsidenten vorschlagen.

Doch Wirtschaftsrat Werner Wirsing nutzte die Zusammenkunft zu einer Generalabrechnung mit der Transferpolitik seines Klubs - aufgehängt am Zidan-Transfer.

"Warum soll er bei uns groß rauskommen?"

"Unser Stürmer Mladen Petric, der 13 Tore in 29 Spielen geschossen hat, wurde gegen Zidan getauscht. Jemand, der in Hamburg und Bremen kein Stammspieler war", wiederholt Wirsing in der "Sport Bild" seine Kritik: "Warum sollte Zidan dann bei uns groß rauskommen?"

Für den 61-jährigen Filmproduzenten, der unerwähnt lässt, dass Petric aus Dortmund weg wollte, ist Zidan das letzte Glied einer Kette von Transferflops: "Ich kann nicht erkennen, dass unsere Mannschaft in den letzten Jahren verstärkt wurde", wettert Wirsing.

Sein Fazit: "Beim BVB reicht die sportliche Kompetenz nicht! In den Kontrollgremien sitzt kein Fußballer. Das geht auf Dauer nicht gut."

Klopp reagiert mit Unverständnis

Bei Trainer Jürgen Klopp, der Zidan noch aus erfolgreichen Mainzer Tagen kennt und schätzt, stößt Wirsings Anwurf gegen den Neuzugang auf Unverständnis: "Mohamed hat erst dreimal gespielt. Es ist viel zu früh, wenn sich Leute ein Urteil anmaßen."

Wirsing ist trotzdem der Meinung, dass Reformen nötig sind, um den sportlichen Sachverstand in der BVB-Führung zu stärken.

"Was wir brauchen, ist ein Sportausschuss, der Einfluss nehmen kann", meint er. Als Mitglieder bringt er frühere BVB-Größen wie Michael Rummenigge, Ex-Trainer Rainer Saftig und Hans Tilkowski ins Gespräch.

"Lasse mir den Mund nicht verbieten"

Dortmunds Präsident Reinhard Rauball - oft Zielscheibe von Wirsings Kritik - winkt ab: "Werner Wirsing müsste wissen, dass so etwas aufgrund unserer Statuten nicht machbar ist."

Bei einem börsennotierten Verein "kann ein Sportausschuss gar keinen Einfluss nehmen", erklärt der Vereinsboss.

Wirsing hat aber gleich angekündigt, dass Rauball weiter mit kritischen Anmerkungen seinerseits rechnen muss: "Ich lasse mir den Mund nicht verbieten."

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