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Michael Weiner ist wie Florian Meyer seit 2002 FIFA-Schiedsrichter © getty

Bei Sport1.de sprechen die FIFA-Referees Florian Meyer und Michael Weiner über die Arbeit der Schiedsrichter in der Rückrunde.

Von Jürgen Blöhs

Hamburg - Die Bundesliga-Schiedsrichter sind zufrieden mit ihrer Arbeit in der bisherigen Saison, wollen in der Rückrunde aber noch härter durchgreifen.

Das war die Bilanz des Treffens vor dem Auftakt der Liga an diesem Wochenende.

Vor allem Trainer, Ersatzspieler und weitere Personen auf der Bank stehen in der Rückserie unter besonderer Beobachtung.

Die heiß diskutierte Einführung des Videobeweises oder anderer technischer Hilfsmittel lehnen die Unparteiischen aber weiter mehrheitlich ab.

Über die Arbeit der Schiedsrichter sprach Sport1.de mit den FIFA-Schiedsrichtern Florian Meyer und Michael Weiner.

Sport1.de:Welches Fazit der bisherigen Saison haben die Schiedsrichter bei ihrem Vorbereitungstreffen auf die Rückrunde gezogen?

Florian Meyer: Ganz klar ein positives. Wir sind mit der Vorrunde sehr zufrieden. Wir haben gute Schiedsrichterleistungen gesehen. Besonders bemerkenswert finde ich, dass es so wenig Gelbe und Rote Karten gab wie nie.

Sport1.de: Worauf werden die Unparteiischen in der Rückrunde besonders achten?

Meyer: Ein Schwerpunktthema war das Handspiel. Wir haben beobachtet, dass bei den Spielern ein "Lernprozess" stattgefunden hat. Oft breiten sie die Arme weit aus, um, um den Raum für einen Pass noch enger zu machen. Wir achten da in Zukunft verstärkt auf eine fußballspezifische Körperhaltung. Es liegt also ein Handspiel nicht nur vor, wenn die Hand "absichtlich" zum Ball geht, sondern auch, wenn die Stellung nicht der natürlichen Körperhaltung in der jeweiligen Situation entspricht.

Sport1.de: Gibt es weitere Punkte?

Meyer: Wir werden auch Provokationen unterbinden und entsprechend bestrafen. Mir ist ein Respektverlust unter den Spielern aufgefallen, weniger gegenüber den Schiedsrichter, aber untereinander.

Michael Weiner: Außerdem werden wir das Verhalten auf der Bank genauer unter die Lupe nehmen. Dieses Abwinken und Beleidigungen - das lassen wir uns nicht länger gefallen. Da springen manchmal Busfahrer auf und kritisieren lauthals unsere Entscheidungen.

Sport1.de: Das heißt, Sie werden da hart durchgreifen?

Meyer: Sie kriegen ja gar nicht mit, was wir da manchmal zu hören bekommen. Aber keine Angst, wir werden das weiter großzügig auslegen, die Bank wird an den ersten Spieltagen nicht zur Halbzeit leer sein.

Sport1.de: Sie pfeifen beide international. Gibt es da Unterschiede?

Meyer: Ich gehe nicht anders raus als bei nationalen Spielen. Ich bin froh, wenn ich sehe, dass ich ein Spiel laufen lassen kann. Aber die Spieler verhalten sich anders. Während sie zum Beispiel international nach einem Foul aufstehen, den Mund abwischen und weiterspielen, drehen sie sich in der Bundesliga zig Mal um die eigene Achse und lamentieren. Da muss man automatisch anders reagieren.

Sport1.de: Haben sich die Schiedsrichter Nummer fünf und sechs, die in der Gruppenphase der Europa League getestet wurden, bewährt?

Meyer: Da gibt es noch keine Auswertung. Die UEFA setzt die Testphase über dir kommenden K.o.-Runden fort und wird am Ende der Saison entscheiden. Persönlich habe ich keine Erfahrungen gemacht.

Weiner: Ich schon, und ich muss sagen, die Spiele, die ich hatte, hätte ich auch in der normalen Besetzung ebenso über die Bühne gebracht. Das werden zu viele Leute auf dem Platz. Außerdem finde ich störend, wenn die auch noch auf dem Spielfeld rumstehen. Das habe ich mit meinen Assistenten von vornherein so besprochen: Das machen wir nicht.

Sport1.de: Torkamera, Videobeweis - was halten Sie von Hilfsmitteln für die Schiedsrichter?

Meyer: Gar nichts. Mein Anspruch ist es, Entscheidungen zu treffen. Und für die übernehme ich die Verantwortung.

Weiner: Wenn wir das Spiel dauernd unterbrechen würden, um vom Platz zu gehen und Videos zu studieren, wären wir um 21.30 Uhr noch im Stadion. Da spielt doch kein Zuschauer mit.

Sport1.de: Gibt es aber nicht doch eine Änderung, die Sie dem International Board, das die Regeln aufstellt, empfehlen möchten?

Meyer: Ja. Die Rote Karte bei einer Notbremse im Strafraum sollte abgeschafft werden. Die bekommt der Spieler ja, weil er eine Torchance verhindert. Durch den Elfmeter erhält die angreifende Mannschaft die Torchance zurück. Da genügt Gelb.

Weiner: Weiter fällt mir auch nichts ein. Wir sollten den Fußball nicht zu sehr verändern. So wie es ist, ist es doch toll.

Sport1.de: Schiedsrichter stellen sich nur selten nach einem Spiel der Presse. Warum? Gibt es da Anordnungen?

Meyer: Im Gegenteil: Deutschland ist, so weit ich weiß, das einzige Land der Welt, das seinen Schiedsrichtern Interviews direkt nach dem Spiel erlaubt. Aber haben Sie auch Verständnis, wenn man mal nichts sagt. Ich muss mein Gesicht nicht im TV sehen, und wenn ich mal was sage, dann der Sache wegen.

Weiner: Es ist jedem überlassen, ob er sich der Presse stellen will oder nicht. Aber es ist nicht unhöflich gemeint, wenn wir mal an der Kamera vorbeigehen.

Meyer: Gefragt wird ja meist nur nach umstrittenen Entscheidungen. Und glauben Sie mir, nach Fehlern, vielleicht noch spielentscheidenden, ärgere ich mich selbt maßlos - manchmal tagelang.

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