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Leverkusener Erfolgsgaranten: Trainer Jupp Heynckes (l.) und Torjäger Stefan Kießling © imago

Teil drei der Sport1.de-Rückrundenvorschau behandelt die Vereine mit den besten Chancen auf die Meisterschaft oder einen Platz in Europa.

Von Thorsten Mesch

München - In den ersten beiden Teilen der Sport1.de-Rückrundenvorschau ging es darum, welche Vereine bis zum letzten Spieltag um den Klassenerhalt zittern müssen und welche Klubs noch aus der zweiten Reihe angreifen wollen.

Der dritte Teil behandelt die Vereine, die nach der Hinrunde die besten Chancen auf die Meisterschaft oder einen Platz in der Champions League haben.

Kann Bayer 04 den "Vizekusen"-Fluch ablegen? Wird Schalke erstmals seit 1958 Meister? Wann kehrt der FC Bayern auf Platz eins zurück, oder halten am Ende der Hamburger SV, Borussia Dortmund oder Werder Bremen die Schale in der Hand?

Sport1.de nimmt die Titel-Kandidaten unter die Lupe, Udo Lattek gibt seine Experten-Einschätzung ab.

6. Platz: Bremen (28 Punkte, 32:16 Tore):

Die zwei Niederlagen zum Ende trüben die ansonsten gute bis sehr gute Hinrunde. Der Kontakt zur Spitze ist mit sieben Punkten Rückstand zunächst abgerissen.

"Wenn man um die Meisterschaft mitspielen will, muss jedes Rädchen ins andere greifen: wenig Verletzungen, man braucht einen kleinen Lauf ", sagt Verteidiger Clemens Fritz zu Sport1.de. "Sicherlich sind wir dazu in der Lage, aber im Moment ist das kein Thema."

Beherrschendes Thema an der Weser und im Trainingslager in Dubai war die sportliche Zukunft von Mesut Özil. Mehrere Spitzenklubs sind an Özil interessiert, er selbst will sich zu einer möglichen Vertragsverlängerung nicht äußern.

Werder bringt es momentan sicher mehr, er lässt auf dem Platz Taten sprechen.

5. Dortmund (30, 23:17):

Neun Spiele ist die Borussia ohne Niederlage, vor dem Jahreswechsel feierten die Schwarz-Gelben vier Siege in Folge.

Auf die Winterpause hätte so mancher in Dortmund wohl gerne verzichtet. Die Unterbrechung schien den Westfalen nicht gut getan zu haben, im Trainingslager in Spanien setzte es zwei Niederlagen. 192448(DIASHOW: Bundesliga-Formbarometer)

Trainer Jürgen Klopp sprach die Mängel knallhart an und will mit seiner Mannschaft an die Erfolge des Spätherbsts anknüpfen.

In den ersten beiden Spielen "wollen wir sechs Punkte holen", sagt Mittelfeld-Ass Nuri Sahin im Sport1.de-Interview.

"Wir wollen das Bestmögliche aus der Saison herausholen", sagt Klopp im Sport1.de-Interview.

Heißt soviel wie: Borussia peilt einen Platz im internationalen Geschäft an, und wenn es etwas mehr wird, sagt auch niemand nein.

4. Hamburg (31, 34:19):

Keine andere Spitzenmannschaft war in der Hinrunde dermaßen vom Verletzungspech verfolgt wie der HSV.

Eljero Elia erwischte es Ende November beim 1:1 in Mainz. Der Niederländer zog sich eine Fußverletzung zu, biss aber die Zähne zusammen und hielt bis zur Winterpause durch.

Anschließend wurde sein Fuß eingegipst. Ob er beim Rückrundenstart gegen Freiburg eingesetzt werden kann, ist noch unklar.

Eindeutig ist seine Zielsetzung: "Ich will mit dem HSV so hoch hinaus wie möglich", sagt Elia zu Sport1.de.

"Natürlich muss vieles passen für einen Titel. Doch ein Titel würde alles noch viel größer machen. Und es wäre auch für andere Spieler noch attraktiver, wenn der Verein in der Champions League spielt."

3. München (33, 34:15):

Wie Borussia Dortmund ist der FC Bayern seit neun Spielen ungeschlagen und hat die vergangenen vier Partien gewonnen.

Anders als beim BVB ist die Zielsetzung klar fixiert: Platz eins.

"Für mich ist es eine erfolgreiche Saison, wenn wir Deutscher Meister geworden sind", sagt Christian Nerlinger.

Der Sportdirektor hat in der Winterpause den Kader ausgedünnt: Luca Toni, Andreas Ottl, Breno und Alexander Baumjohann wurden ausgeliehen bzw. verkauft.

Franck Ribery will am 23. Januar sein Comeback feiern, Arjen Robben ist fit und Miroslav Klose hat sich beim 3:1 in Basel mit zwei Toren zurückgemeldet.

2. Schalke (34, 26:13):

Kein anderer Verein war in der Winterpause so auf dem Transfermarkt aktiv wie Schalke 04. 110436(DIASHOW: Die Bundesliga-Wechselbörse)

Sechs Spieler verpflichteten die Königsblauen, dazu kommt Ze Roberto, der nach Brasilien ausgeliehen war und beim Training einen guten Eindruck bei Trainer Felix Magath hinterließ.

Seine Mannschaft habe sich "nur gut in der Vorrunde geschlagen", ein Meisterschaftsanwärter sei sie aber nicht, sagt Magath.

Die Schalker müssten "sehen, dass wir unter den ersten Fünf landen", meint der Coach.

Gespannt sein darf man, ob und wie schnell sich die Neuen - vor allem Alexander Baumjohann und Peer Kluge werden den Konkurrenzkampf anheizen - einen Platz im Team erkämpfen.

Ob Nachwuchskräfte wie Joel Matip, Lukas Schmitz oder Christoph Moritz sich behaupten und ihr Niveau über eine komplette Saison halten können, wird ebenfalls zu beobachten sein.

1. Leverkusen (35, 35:13):

Als einzige Mannschaft ungeschlagen, die meisten Tore erzielt und die wenigsten kassiert - Bayer 04 steht völlig zu Recht auf Platz eins.

"Der Titel Herbstmeister ist ja nicht so wichtig. Aber allein die Tatsache, dass wir belohnt worden sind für eine tolle Vorrunde und nun oben stehen, ist unheimlich schön", sagte Sportchef Rudi Völler nach dem 3:2 am letzten Hinrundenspieltag gegen Mönchengladbach zu Sport1.de.

Bedenkt man, dass mit Simon Rolfes, Renato Augusto, Patrick Helmes und Michal Kadlec vier Leistungsträger lange Zeit oder fast die komplette Hinrunde (Helmes) fehlten, ist die Leistung noch höher einzuordnen.

Mit den zurückgekehrten Stammspielern will Trainer Jupp Heynckes den ursprünglich angepeilten Europapokalplatz sichern - und vielleicht noch mehr erreichen.

"Nun haben wir noch mehr Qualität. Die anderen Klubs tun gut daran, uns weiter auf der Rechnung zu haben", sagt Heynckes.

Favorit sei nicht der FC Bayern, sondern " Werder, Schalke, Bayer 04 und der FC Bayern."

Das sagt Udo Lattek:

Leverkusen ist wesentlich gefestigter als in den Jahren vorher und spielt hervorragenden Fußball. Wenn sie sich nicht aus dem Rhythmus bringen lassen, können sie Meister werden.

Mein Favorit ist trotzdem Bayern München, wenn sie so spielen wie in den letzten Spielen der Hinrunde. Sie sind aber noch nicht am Ende der Fahnenstange angekommen. Die Mannschaft hat auch bewiesen, dass sie auch ohne Franck Ribery zurechtkommt.

Dass Schalke die Chance auf die Meisterschaft hat, hätte ich nicht gedacht. Das ist ohne Zweifel ein Verdienst von Felix Magath. Schalke sucht noch seine Form, aber bisher haben sie das Optimale aus ihren Möglichkeiten gemacht.

Wenn der HSV von Verletzungen verschont bleibt, hat er eine echte Chance, ganz oben mitzuspielen. Vielleicht sogar um den Titel. Vom Potenzial her ist alles offen.

Sport1.de-Prognose:

Der FC Bayern und Leverkusen sind die Favoriten auf die Meisterschaft. Vorteil Bayer: Konzentration auf nur einen Wettbewerb. Vorteil Bayern: Große Erfahrung im Titelkampf. Am Ende werden die direkten Duelle der Spitzenteams den Ausschlag geben. Auch Bremen ist noch nicht aus dem Rennen, braucht aber eine Serie und einen Sieg gegen eine Spitzenmannschaft. Schalke und der HSV kämpfen um einen Champions-League-Platz, bei Dortmund reicht es höchstens für die Europa League.

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