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Arne Verl wechselte im Jahr 2000 vom SC Verl zu Hertha BSC © getty

Statistisch gesehen ist Hertha BSC abgestiegen. Doch in Berlin will man in der Rückrunde das Unmögliche dennoch möglich machen.

Von Martin Volkmar

München/Berlin - Statistisch gesehen müsste Hertha BSC in der Rückrunde gar nicht mehr antreten.

Mit gerade mal sechs Pünktchen hat der abgeschlagene Tabellenletzte bereits zehn Zähler Rückstand auf den Relegationsplatz 16.

Noch nie in der 47-jährigen Bundesliga-Geschichte hat ein Schlusslicht einen derart großen Rückstand nach der Hinrunde noch aufgeholt.

Doch in Berlin will man das Unmögliche dennoch möglich machen und den ersten Absturz in die Zweitklassigkeit nach dem letzten Abstieg 1991 mit aller Macht verhindern.

"Potenzial ist viel höher als der Tabellenplatz"

"Das Potenzial, das in unserer Mannschaft steckt, ist einfach viel höher als es der Tabellenplatz aussagt", nennt Arne Friedrich im Gespräch mit Sport1.de den Hauptgrund, warum er noch an die Rettung glaubt.

Daher bläst der Kapitän zur Aufholjagd: "Wir haben eine sehr gute Vorbereitung auf Mallorca hingelegt und die Mannschaft wurde gezielt verstärkt. Wir greifen an!"

Noch weiter aus dem Fenster lehnt sich Friedhelm Funkel. "Wir starten jetzt in der Rückrunde die Aufholjagd", sagt der Trainer.

Funkel will Geschichte schreiben

"Ich habe schon öfter Geschichte geschrieben und werde das diesmal auch mit Hertha tun. Wir bleiben drin!"

Dazu allerdings muss die Hertha fast so viele Punkte wie ein Titelkandidat holen und sich in allen Bereichen um nahezu 100 Prozent verbessern.

"Man muss nur auf die Tabelle schauen, um zu sehen, dass wir zu viele Gegentore bekommen und zu wenige selber geschossen haben", gibt Friedrich zu.

"Die Tordifferenz ist eine zusätzliche Hypothek für uns. Daran arbeiten wir."

Letzter und einziger Sieg gegen Hannover

Anfangen will das Team aus der Hauptstadt am Samstag bei Hannover 96 (ab 15 Uhr LIVE). Gegen die Niedersachsen gelang der bislang einzige Saisonsieg - am ersten Spieltag am 8. August!

"Die Mannschaft will die Katastrophen-Halbserie vergessen machen. Damit wollen wir in Hannover anfangen", erklärt Funkel.

Dabei muss der 56-Jährige jedoch auf die verletzten Gojko Kacar, Maximilian Nicu und Pal Dardai verzichten. Stattdessen stehen die in der Winterpause verpflichteten Theofanis Gekas, Levan Kobiaschwili und Roman Hubnik zur Verfügung.

Mit dem erfahrenen Trio soll im Januar die sofortige Wende eingeleitet werden, wenn es nach Hannover gegen die Tabellennachbarn Mönchengladbach und Bochum, sowie danach gegen Bremen geht.

Zielsetzung: 28 Punkte

"Zehn bis zwölf Punkte aus den ersten vier Spielen", fordert Friedrich, um die optimistische Zielsetzung von 28 Zählern in der Rückrunde zu erreichen.

"Der Januar hat vorentscheidende Bedeutung", weiß Manager Michael Preetz, der Parallelen zur Last-Minute-Rettung unter Hans Meyer in der Saison 2003/2004 zieht: "Es wird sehr schwer, doch am Ende packen wir es."

Nach Ansicht des Ex-Nationalspielers ist die miserable Hinrunde mit dem Jahreswechsel endgültig abgehakt: "Die Köpfe sind wieder frei. Spaß und Lockerheit sind wieder erkennbar."

Friedrich setzt auf Neustart

So sieht es auch Friedrich. "Wir sind in der Hinrunde in einen Abwärtsstrudel geraten, den wir nicht stoppen konnten", sagt der Nationalspieler Sport1.de.

"Die kurze Pause hat uns gut getan, um uns von dem Druck lösen zu können, der uns klar blockiert hat."

Einmütig wird die Vorbereitung rundherum positiv bewertet, obwohl die Testspiele gegen Zweitligist FSV Frankfurt (1:1) und die U-23-Auswahl von Real Mallorca (2:1) alles andere als überzeugend waren. 192448(DIASHOW: Bundesliga-Formbarometer)

Funkel: "Haben alles einhundertprozentig richtig gemacht"

"Diese Ergebnisse interessieren nicht. Die Mannschaft liegt voll im Soll", meint Funkel. "Wir haben alles einhundertprozentig richtig gemacht, die Jungs sind topfit.?"

Sollte der Coach allerdings nicht bald seinen ersten Sieg in der Liga feiern, ist auch ein erneuter Trainerwechsel als letztes Mittel denkbar. Doch Funkel setzt auf seine langjährige Routine im Abstiegskampf.

Und auch Friedrich glaubt, dass der Nachfolger von Lucien Favre genau der richtige Mann ist: "Er hat einen sehr guten Draht zur Mannschaft. Seine Erfahrung ist zu jederzeit spüren, er wird das Team gut auf die schwere Aufgabe einstellen."

Über den Worst Case will in Berlin ohnehin niemand reden. Dann bräche auch die Mannschaft auseinander und Leistungsträger wie Friedrich würden den Klub verlassen.

Wechsel zu Wolfsburg "überhaupt kein Thema"

Entsprechend nachvollziehbar waren in der Winterpause die Wechselgerüchte um den Spielführer, an dem der VfL Wolfsburg schon länger interessiert ist. 110436(DIASHOW: Die Bundesliga-Wechselbörse)

Doch das weist der 30-Jährige, für den es auch noch um die WM-Teilnahme geht, weit von sich: "Das ist überhaupt kein Thema ist. Ich konzentriere mit voll mit Hertha BSC auf den Kampf um den Klassenerhalt."

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