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Udo Lattek feiert 1987 seinen sechsten Meistertitel beim FC Bayern © getty

Im zweiten Teil des Interviews spricht Udo Lattek über seine Probleme mit Maradona und warum seine Manager-Karriere scheiterte.

Von Martin Volkmar

Sport1: Nach einer Zwischenstation in Dortmund kam dann der Schritt ins Ausland zum FC Barcelona.

Lattek: Ich hatte ein Jahr zuvor schon das gleiche Angebot, habe aber abgelehnt, weil ich mich in Dortmund sehr wohl gefühlt habe. Aber dann ist mein Sohn mit 15 Jahren an Leukämie gestorben und ich habe mir gesagt: Ich muss hier weg, ich halte das nicht mehr aus. Ich brauchte eine neue Aufgabe. Dann kam die Geschichte mit Barcelona und ich habe mich in Spanien verliebt.

Sport1: Wie war es, mit Superstars wie Diego Maradona oder Bernd Schuster bei einem solchen Klub zusammen zu arbeiten?

Lattek: Es war eine sehr wichtige Erfahrung, auch wenn es mit solchen Stars nicht so einfach ist. Jeder will seinen Ruf verteidigen und sieht seine eigene Person im Vordergrund. Das war schon eine harte Aufgabe. Ich habe das "Glück" gehabt, dass mal Diego, mal Bernd Schuster verletzt waren. Die haben gar nicht so oft zusammen gespielt. Aber wenn sie zusammen gespielt haben, war das genial.

Sport1: Trotzdem sind Sie nach eineinhalb Jahre gefeuert worden. Warum?

Lattek: Wir haben den Europacup der Pokalsieger gewonnen, aber die eigentlich schon sichere Meisterschaft noch verspielt. Das lag vor allem an den Eitelkeiten zwischen Mannschaft und Vorstand. Als dann auch noch Maradona meine, ich müsste weg, war das Thema durch.

Sport1: Sie sind dann zu Bayern München zurückgekehrt. Dort sind Sie noch dreimal Meister geworden, haben aber 1987 das Finale des Landesmeisterpokals gegen Porto verloren. War das die schmerzlichste Niederlage Ihrer Karriere?

Lattek: Ja, das war die schlimmste Niederlage. Wir haben bis in die zweite Halbzeit geführt und das Spiel beherrscht. Dann haben wir uns völlig unnötig zurückdrängen lassen. Der Pokal stand drei Meter weg von der Trainerbank und ich hatte praktisch schon eine Hand dran.

Sport1: Haben Sie als Trainer zu früh aufgehört?

Lattek: Das kann man so sagen. Ich habe bei Bayern auf dem Trainingsplatz gestanden, es hat gegossen und ich habe gefroren. Uli Hoeneß stand als Manager im Obergeschoss im Warmen und hat sich gefreut. Da habe ich mir gedacht: Du bist jetzt in dem Alter, wo du nicht auf dem Platz stehen und frieren musst. Du wirst jetzt auch Manager. Dann kam das Angebot von Köln und das habe ich angenommen. Aber da habe ich nach kurzer Zeit festgestellt, dass Büroarbeit nicht mein Ding ist. Wenn ich im Büro gesessen habe und die Spieler haben draußen trainiert, sind mir die Tränen gekommen.

Sport1: Schalke war dann ihre letzte Trainerstation. Warum haben Sie nach nur einem halben Jahr hingeschmissen?

Lattek: Der damalige Schalke-Präsident Günther Eichberg wollte seine Kliniken verkaufen und hatte mir Millionen in Aussicht gestellt. Dann kam die Gesundheitsreform und seine Kliniken waren nichts mehr wert. Dann habe ich gesagt: Lass uns lieber aufhören. Das war besser für beide Seiten.

Sport1: Danach kamen sicherlich noch viele Angebote. Warum haben Sie keines mehr angenommen?

Lattek: Ich wollte nicht mehr, ich hatte nicht mehr den Biss. Als dann das Fünf-Wochen-Angebot aus Dortmund kam, war das okay. Matthias Sammer wollte das gerne. Das hat dann auch Spaß gemacht. Wir haben den BVB vor dem Abstieg gerettet und unsere Aufgabe erfüllt. Die Dortmunder wollten, dass ich noch ein Jahr weitermache, aber ich habe gesagt: Nehmt den Matthias, der ist der Richtige.

Sport1: Seit Mitte der 90er Jahre haben Sie umgeschult und arbeiten als DSF-Experte tätig. Welchen Stellenwert hat diese Tätigkeit in Ihrer Karriere?

Lattek: Einen großen. Ich habe ja schon vorher bei Weltmeisterschaften für ARD und ZDF gearbeitet und gemerkt, dass mir das Spaß macht. Ich bin seit 14 Jahren beim DSF. Der Doppelpass ist wie ein Kind für mich, das mit mir groß geworden ist. Ich bin der Einzige, der von der Anfangsbesetzung noch übrig geblieben ist.

Sport1: Haben Sie sich einen Zeitpunkt für den Ausstieg aus der Sendung gesetzt?

Lattek: Ich bin gut dabei im Moment. Wenn ich sonntags nach München fliege, muss ich um sechs Uhr aufstehen. Dann ärgere ich mich nicht, dass ich raus muss, sondern freue mich darauf, da hinzufliegen und meinen Senf abzugeben. Wenn ich merke, dass die Spannung nicht mehr da ist, dann sage ich: Meine Herren, das war eine wunderschöne Zeit, aber ich höre auf. Aber diese Zeit ist noch nicht gekommen. So lange ich den Biss habe, werde ich das weitermachen.

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