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Die Dortmunder und Trainer Jürgen Klopp (3.v.l.) bejubeln den fünften Sieg in Folge © getty

Der Dortmunder Youngster entscheidet mit seinem Treffer in der Nachspielzeit ein irres Spiel in Köln. Während der BVB jubelt, ist der FC am Boden.

Von Christian Stüwe

München - Als Dortmunds Kevin Großkreutz mit seinem Treffer in der Nachspielzeit den Schlussstrich unter ein irres Fußballspiel zog, hätten die Emotionen nicht unterschiedlicher ausfallen können.

Während Dortmunds Trainer Jürgen Klopp, zuvor auf die Tribüne verbannt, nach dem 3:2-Siegtreffer zu einem wilden Jubellauf ansetzte, konnten die Kölner ihr Unglück kaum fassen.

"Ich saß da oben, wir machen das 3:2", erklärte Klopp nach dem Spiel bei "Sky": "Damit hatte ich nicht mehr gerechnet. Danach sind mir die Gäule durchgegangen."

Kölns Trainer Zvonimir Soldo hingegen wirkte geschockt:

"Wir haben viel investiert, sind aber nicht belohnt worden. Die Mannschaft hat Moral gezeigt und verdient den Ausgleich erzielt. Doch dann bekommen wir so einen unnötigen Gegentreffer."

Dortmunds Innenverteidiger Mats Hummels (28.+45.) hatte in der ersten Hälfte zweimal getroffen, der BVB sah lange wie der sichere Sieger aus.

Doch Kevin McKenna (82.), der in der ersten Hälfte nach einem Ellbogenschlag noch benommen vom Platz getragen worden war, und Youssef Mohamad (88.) glichen für die Kölner aus.

"Dann schlitzt er ihn auf"

Klopp wurde dabei der zweite Treffer der Kölner zum Verhängnis.

Mohamad stocherte den Ball mit vollem Einsatz gegen den Dortmunds Ersatz-Keeper Marc Ziegler, der in der ersten Hälfte den verletzten Roman Weidenfeller ersetzt hatte, über die Linie.

Zuviel für Klopp, der sich energisch bei Schiedsrichter Florian Meyer beschwerte. Dieser verwies ihn des Innenraums.

"Ich war der Meinung, dass es vor dem 2:2 ein Foul gab. Mohamad ist mit gestrecktem Bein reingegangen. Wenn sich der Torwart nach links legt, dann schlitzt er ihn auf", erklärte Klopp später seine Beweggründe.

BVB mit komfortablem Vorsprung

Auf der Tribüne erlebte Klopp dann den Treffer durch Großkreutz und setzte zu einem 20-Meter-Jubel-Sprint an, der ihm im Nachhinein selbst peinlich zu sein schien.

"Ich bin froh, dass meine Kinder schon groß sind und das richtig einschätzen können", erklärte der Dortmunder Trainer. Trotz der ganzen Aufregung kann der 42-Jährige die nächsten Aufgaben entspannt angehen.

Durch den fünften Sieg in Serie und das elfte Liga-Spiel ohne Niederlage festigten die Dortmunder den fünften Platz und bauten den Vorsprung auf den nächsten Verfolger Werder Bremen auf bereits fünf Zähler aus.

Soldo nimmt Podolski und Petit raus

Ganz anders ist die Lage in Köln. Die Mannschaft zeigte über weite Strecken die schon bekannte Harmlosigkeit in der Offensive und hat - nun gemeinsam mit Nürnberg - die wenigsten Tore der Liga erzielt.

In der zweiten Halbzeit ging Soldo dann ein hohes Risiko ein und wechselte mit Lukas Podolski und Petit zwei Führungsspieler aus. In der 60. Minute musste zunächst der schwache Podolski dran glauben.

Der Nationalspieler, seit 1121 Minuten ohne Tor und gegen den BVB ohne Torschuss, warf auf dem Weg in die Kabine frustriert seine Handschuhe und Trainingsjacke auf den Boden.

Unmittelbar vor der Pause hatte er mit einem unnötigen Foul gegen Patrick Owomoyela den Freistoß verursacht, der zum 0:2 führte. Die Gelbe Karte, die er für das Foul bekam, hatte er auch noch hämisch beklatscht und hätte dafür durchaus Gelb-Rot sehen können.

Petit verweigert Handschlag

Petit, den Soldo in der 72. Minute vom Feld nahm, reagierte ungläubig auf seine Auswechslung und ging ebenfalls direkt in die Kabine. Der Portugiese verweigerte Soldo den obligatorischen Handschlag.

Fast wäre Soldo für seine Maßnahmen belohnt worden. Ohne Podolski und Petit startete seine Mannschaft die Aufholjagd, doch dann folgte das dramatische Ende.

"Wir haben eine gute Reaktion auf die zwei Gegentreffen gezeigt", versuchte Soldo dem Spiel Positives abzugewinnen: "Schade, dass wir jetzt mit leeren Händen dastehen."

Der Druck auf Soldo dürfte sich nun erhöhen. Nur noch ein Punkt trennt den FC vom Relegationsplatz. Das Spiel gegen Dortmund hatte Soldo im Vorfeld als "Richtung weisend" bezeichnet.

Daran wird er sich messen lassen müssen. Soldo weiß, dass keine leichten Tage auf ihn zukommen: "Ich muss die Mannschaft jetzt aufbauen, denn es ist schwer, nach so einer Niederlage zurückzukommen."

Weidenfeller droht längere Pause

Doch auch für Borussia Dortmund und Klopp gibt es einen Wermutstropfen. Torwart Weidenfeller zog sich in der ersten Halbzeit bei einer Rettungsaktion gegen Milivoje Novakovic eine Fleischwunde am Knie zu und droht länger auszufallen.

"Er ist in der Halbzeit in der Kabine genäht worden. Die Wunde ist vier bis fünf Zentimeter tief, man konnte schon die Kapsel sehen. Ich denke, das wird schon vier, fünf Wochen dauern, bis er wieder spielen kann", vermutete Klopp.

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