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Der VfL Bochum hat mittlerweile 19 Punkte gesammelt © getty

Nach dem Sieg in Gladbach bemüht sich VfL-Trainer Herrlich die Euphorie zu bremsen. Sportdirektor Ernst fordert jetzt mehr.

Mönchengladbach - Nach dem perfekten Rückrundenstart mit dem Sieg bei Lieblingsgegner Borussia Mönchengladbach behielt Bochums Trainer Heiko Herrlich den Blick für die Realität.

"Wir freuen uns heute über die drei Punkte, aber nach Siegen ist immer so eine Gefahr, dass man große Fehler macht", sagte der frühere Gladbacher Torjäger nach dem 2:1-Erfolg gegen seinen Ex-Klub:

"Wir müssen ganz bescheiden und demütig bleiben, denn die Situation ist nach wie vor brenzlig."

Die Bochumer haben zwar mit dem bereits vierten Auswärtssieg den Relegationsplatz verlassen, doch zu Hause blieb der VfL bislang zu weit hinter den eigenen Erwartungen und denen seiner Fans zurück. Und am kommenden Samstag kommt Schalke 04 zum kleinen Revier-Derby.

Bochum will zu Hause eine Macht werden

"Unser großes Ziel ist, auch zu Hause entsprechend zu punkten und eine Macht zu werden. Und da müssen wir sehen, dass wir am Samstag damit anfangen", fordert VfL-Sportdirektor Thomas Ernst:

"Wir tun uns zu Hause ein bisschen schwer, selbst Akzente zu setzen, aber da wollen wir hinkommen." (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Im Gegensatz zu den Auftritten in der Fremde, bei denen die Bochumer wie in Gladbach oft frech auftreten und schon 13 Punkte sammelten, gelang bislang im eigenen Stadion erst ein Sieg.

"Verunsicherung ist wohl da"

"Es kann schon sein, dass da ab und zu eine gewisse Verunsischerung da ist", sagte Herrlich: "Aber ich denke, dass wir jetzt am Samstag genügend Selbstvertrauen mit in das Spiel nehmen und das gegen Schalke auch zeigen wollen."

Bei der Borussia, gegen die der VfL seit einem 1:2 am 13. September 1997 zum 15. Mal in Folge unbesiegt blieb, zeigte der VfL, "dass es die Mannschaft eigentlich kann", meinte Ernst.

Die 1:0-Führung durch das dritte Saisontor von Stanislav Sestak (12.) bereiteten Joel Epalle und Christoph Dabrowski mit zwei kurzen Querpässen mustergültig vor.

Gelb sorgt für Ärger

"Ein Konter ist eine von vielen Möglichkeiten, zum Torerfolg zu kommen, aber eine ganz wesentliche, weil der Gegner in der Abwehr noch nicht wieder organisiert ist", meinte Herrlich.

Beim zweiten Treffer (36.) war Zlatko Dedic nach einer Standardsituation erfolgreich, verärgerte dann aber seinen Trainer mit einer Gelben Karte, weil er sich beim Jubeln das Trikot ausgezogen hatte.

Herrlich nahm ihn deshalb in der Pause aus dem Team, um keine Gelb-Rote Karte zu riskieren.

Dabei wollte Dedic nur die ganze Welt wissen lassen, dass er vor kurzem Vater eines kleinen Mädchens geworden ist.

"Das muss er im Griff haben"

"Bei allem Verständnis und aller Freude über ein Tor, da muss man sich im Griff haben", sagte der VfL-Trainer, der schon geahnt hatte, dass Gladbach in der zweiten Halbzeit mehr Druck machen würde.

"Da haben wir viel zu viele Ballverluste gehabt, dem Gegner Bälle in den Fuß gespielt", monierte Herrlich: "Deshalb haben wir noch ein bisschen gezittert. Insgesamt, denke ich, haben wir aber verdient gewonnen."

Gladbachs Trainer Michael Frontzeck bemängelte, dass sich sein Team vor allem in der ersten Halbzeit "zu viele Ballverluste und zwei individuelle Fehler geleistet" habe.

Anschlusstreffer kommt zu spät

Der Anschlusstreffer des 19 Jahre alten Fabian Bäcker, der wie der unmittelbar zuvor eingewechselte Flankengeber Patrick Herrmann (18) sein erstes Bundesligaspiel machte, kam zehn Minuten vor Schluss zu spät.

"Mein erstes Bundesligaspiel, mein erstes Bundesligator, aber auch meine erste Bundesliganiederlage. Deswegen fühlt sich das nicht wirklich toll an", sagte Bäcker, der sich in der Rückrundenvorbereitung mit drei Tore empfohlen hatte.

"Fällt das Tor früher, biegen wir das Spiel vielleicht noch um", meinte Frontzeck, der zwar traurig war, aber der Niederlage und der Chance, sich deutlich von den Abstiegsrängen abzusetzen, nicht lange nachtrauerte: "Das ist kein Beinbruch."

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