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Nur Gerd Müller hat mehr Bundesligatore erzielt als Klaus Fischer (l.) © getty

Vorm Rückrundenstart gegen Nürnberg äußert sich Schalke-Idol Klaus Fischer zur sportlichen und wirtschaftlichen Lage bei S04.

Von Martin van de Flierdt

München - Von 1970 bis 1981 spielte Klaus Fischer für den FC Schalke, erzielte in 295 Ligaeinsätzen für die Königsblauen 182 Tore.

Noch heute ist der 60-Jährige ein Idol des Klubs, seine Verbundenheit mit den Knappen eng.

"Ich hoffe, dass die Mannschaft so weitermacht, wie sie vor Weihnachten aufgehört hat. Was sie mit den ganzen jungen Leuten bis dahin geboten hat, war grandios", sagt Fischer vor dem Rückrundenstart gegen den 1.FC Nürnberg (ab 15.15 Uhr LIVE). (DATENCENTER: 18. Spieltag)

Von der Arbeit Felix Magaths, mit dem er 1982 Vize-Weltmeister wurde, hat er eine hohe Meinung: "Man hat in der Hinrunde ja gesehen, dass Schalke durch konditionelle Überlegenheit zum Schluss der jeweiligen Partien die Punkte einfährt."

Im Sport1.de-Interview äußert sich Fischer zudem zum Schalker Winter-Shopping und der Zukunft von Kevin Kuranyi. Auch auf die Sturmmisere des 1.FC Köln, für den er von 1981 bis 1984 spielte, geht Fischer vor der Partie gegen Dortmund (So., ab 17.15 Uhr LIVE) kurz ein.

Sport1.de: Schalke startet gegen Nürnberg in die Rückserie. Was erwarten Sie nach den Entwicklungen in der Winterpause von der Mannschaft?

Klaus Fischer: Ich hoffe, dass sie so weitermacht, wie sie vor Weihnachten aufgehört hat. Was sie mit den ganzen jungen Leuten bis dahin geboten hat, war grandios. Dazu gehört natürlich harte Arbeit. Aber man hat in der Hinrunde ja gesehen, dass Schalke durch konditionelle Überlegenheit zum Schluss der jeweiligen Partien die Punkte einfährt.

Sport1.de: Schalke hat Finanzsorgen. Trotzdem hat Felix Magath sieben Spieler geholt. Was halten Sie davon?

Fischer: Es hat mich schon erstaunt, dass er da jetzt nachgelegt hat. Aber Felix denkt sich schon was dabei. Das sind alles keine teuren Leute, aber sie können die Mannschaft weiterbringen. Peer Kluge zum Beispiel war in Mönchengladbach und Nürnberg schon wichtig. Baumjohann ist ein Riesenspieler, ein Klassefußballer, der Schalke spielerisch voranbringt. Aber es werden nur die spielen, die richtig Gas geben, unabhängig von Namen.

Sport1.de: Viele fragen sich, was Magath mit Spielern wie Edu, Bogdan Müller, Tore Reginiussen und Besart Ibrahimi will...

Fischer: Welches Risiko gehe ich denn ein, wenn ich einen Bogdan Müller kaufe? Gar keins. Wer kannte denn im Sommer einen Lukas Schmitz oder Christoph Moritz? Auch Schalke muss die Positionen doppelt besetzen. Es weiß ja zum Beispiel niemand, ob ein Christian Pander wiederkommt. Levan Kobiashvili ist ja schon weg, Jermaine Jones fehlt noch...

Sport1.de: Magath sagt, er habe die neuen Spieler geholt, um im Sommer die Gehaltsstruktur heruntersetzen zu können. Ist das für Sie nachvollziehbar?

Fischer: Schon, denn es gibt ja einige Spieler, deren Verträge auslaufen. Da ist offen, ob man sie überhaupt halten kann. Das hängt davon ab, wo der Klub am Saisonende steht.

Sport1.de: Einer dieser Spieler ist Kevin Kuranyi. Ist es nicht schizophren, dass die Leistung stimmt, er auch durchaus bleiben möchte, Schalke ihn aber womöglich nicht halten kann?

Fischer: Es ist schon bemerkenswert. Mit dem richtigen Trainer läuft's bei ihm. Aber er ist eben ein Großverdiener und sein Vertrag läuft aus. Ob der Verein sich ihn nach der Saison noch leisten kann, weiß keiner. Deswegen wird ja auch reichlich spekuliert. Wenn Kuranyi nicht mehr in das Gehaltsgefüge passt, muss man sich etwas einfallen lassen.

Sport1.de: Auch Rafinha und Benedikt Höwedes werden als potenzielle Abgänge gehandelt. Wären diese Abgänge leichter zu verschmerzen, wenn man dafür Kuranyi halten könnte?

Fischer: Nein, das will ich nicht sagen. Die sind ja alle wichtig für Schalke. Die Mannschaft braucht einen Stürmer, der Tore macht, genauso wie einen guten Innen- und einen Rechtsverteidiger, der über außen unheimlich viel Druck macht. Aber wenn der Klub Geld benötigt, wird er handeln müssen.

Sport1.de: Schalkes Gegner Nürnberg steht nach den Resultaten von Samstag unter Druck. Wie stark schätzen Sie den Club nach dem Abgang von Peer Kluge und der Ausleihe von Breno und Andreas Ottl ein?

Fischer: Nürnberg hat in Dieter Hecking einen neuen Trainer und einige Spieler, die sich jetzt neu beweisen wollen. Es wäre für Schalke einfacher gewesen, wenn der Club nicht den Trainer gewechselt hätte. Die Nürnberger werden sich dementsprechend wehren. Aber Peer Kluge ist ja jetzt Schalker und wird mithelfen wollen, dass die Mannschaft oben bleibt.

Sport1.de: Ihr Ex-Klub Köln könnte einen Knipser von Ihrem Format inzwischen gut brauchen. Nur zehn Tore in 17 Spielen trotz Lukas Podolski und Milivoje Novakovic sind Ligaminus. Wie erklären Sie sich das?

Fischer: Die beiden Stürmer sind ja gut genug, um in den Nationalmannschaften ihrer Länder feste Größen zu sein. Deshalb kann ich mir das nur so erklären, dass da einfach von hinten nichts nachkommt. Wenn es in der Mannschaft nicht passt, kommen die Stürmer eben auch nicht zu vielen Chancen. Ich drücke den Kölnern aber die Daumen, dass sie gegen Dortmund ihre Möglichkeiten bekommen und dann auch nutzen.

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