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Andreas Bergmann (l.) ist seit 2007, Jörg Schmadtke ist seit 2009 bei Hannover 96 © imago

Hannovers Trainer steht massiv unter Druck. Die Vereinsführung scheint am Coach zu zweifeln, die Spieler üben Selbstkritik.

Von Martin Volkmar

München/Hannover ? Schonfrist für Andreas Bergmann: Der hart in der Kritik stehende Trainer von Hannover 96 darf vorerst bleiben.

Allerdings dürfte die nächste Partie bei Mainz 05 für Bergmann zum Endspiel werden.

Diese Rückendeckung unter Vorbehalt ist das vorläufige Ergebnis gleich mehrerer Krisensitzungen nach dem 0:3-Debakel gegen Hertha BSC.

Stanislawski als Nachfolger gehandelt

Doch selbst einen Rauswurf noch in dieser Woche steht nach wie vor im Raum. Der "kicker" nennt St. Paulis Erfolgscoach Holger Stanislawski als potenziellen Nachfolger.

Während Vereinsboss Martin Kind am Montag nicht erreichbar war, legte sich Sportdirektor Jörg Schmadtke nicht eindeutig fest.

Schmadtke fordert schnelle Wende

"Es ist davon auszugehen, dass Herr Bergmann in Mainz aus unserer Bank sitzen wird", meinte er, und ließ auch mit seinen weiteren Ausführungen viel Platz für Spekulationen:

"Wir brauchen Zeit, die Dinge zu bewerten und zu analysieren. Es bringt nichts, Entscheidungen aus der Emotion heraus zu treffen. Ich habe Herrn Bergmann gesagt, dass wir so schnell wie möglich die Wende schaffen müssen."

Bergmann: "Bin nicht weltfremd"

Doch die Zweifel am Chefcoach sind nach der Talfahrt mit nur zwei Punkten in den letzten sieben Spielen und dem Absturz auf den Relegationsplatz 16 übergroß.

"Ich weiß, dass der Druck da ist, erst recht, wenn der Erfolg nicht da ist. Da bin ich nicht weltfremd", meinte Bergmann, der weiter an die Wende glaubt und einen Rücktritt ausschloss.

Für Fans und Medien ist der 50-Jährige mit seiner eher kumpelhaften Art aber der falsche Mann für den Abstiegskampf.

Öffentliche Demontage

Auch die Vereinsführung zweifelt offenbar daran, dass der Nachfolger von Dieter Hecking durchgreifen kann.

So erklärte Schmadtke nach der Pleite gegen Berlin: "Jeder muss so mit der Mannschaft umgehen, wie er es in sich trägt. Ich neige dazu, etwas massiver vorzugehen."

Eine weitere öffentliche Demontage Bergmanns durch Schmadtke, der bereits die schwachen Leistungen der 96-er in der Vorbereitung massiv kritisiert hatte.

"Bergmann ist 'enteiert' worden"

So sehen es auch Christian Nerlinger und Fredi Bobic. "Bergmann ist 'enteiert' worden", sagte Hannovers früherer Torjäger im DSF-Doppelpass.

Und Bayern-Sportdirektor Nerlinger analysierte eindeutig: "Die Botschaft ist, der Trainer allein packt es nicht."

Mannschaft kopflos und verunsichert

Fakt ist in jedem Fall, dass die "Roten" seit dem tragischen Tod der unumstrittenen Führungsfigur Robert Enke komplett aus der Spur geraten sind.

Die Mannschaft wirkt kopflos und verunsichert, nun fällt auch noch Stürmer Ya Konan mit einem Bänderriss im Knie sechs bis acht Wochen aus.

"Das Nervenkostüm war nicht stabil genug, das Zweikampfverhalten katastrophal", sagte Schmadtke über die Vorstellung vom Samstag. "Nach zweieinhalb Wochen Vorbereitung ist diese Leistung so nicht hinnehmbar."

Enke-Nachfolger kritisiert Einstellung

Für Torwart Florian Fromlowitz auch eine Frage der Einstellung: "Das war eine Katastrophen-Leistung. Wir müssen uns alle hinterfragen, ob wir unseren Beruf richtig ausüben."

Andere Spieler schweigen lieber. So zog Hanno Balitsch eine Interview-Zusage für Sport1.de zurück und verwies auf die Devise für die nächsten Wochen: "Es gilt jetzt erst zu arbeiten und dann zu reden."

Abstieg nach acht Jahren droht

Sonst droht den mit hohen Ambitionen in die Saison gestarteten Niedersachsen nicht nur der zweite Trainerwechsel, sondern sogar acht Jahre nach dem Aufstieg die Rückkehr in die Zweitklassigkeit.

Noch glaube er an die Rettung, erklärte Schmadtke: "Es ist nichts entschieden worden. Nichtsdestotrotz ist die Situation kritisch."

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