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Eingerahmt von Jörg Schmadtke (li.) und Martin Kind beginnt Mirko Slomka seinen Dienst © getty

Der neue 96-Coach beginnt seine Rettungs-Mission in Hannover. Ein "Seelsorger" will er nicht sein. Kind ist optimistisch.

Hannover - 647 Tage nach seiner Entlassung bei Schalke 04 ist Mirko Slomka am Mittwoch auf die Bundesliga-Bühne zurückgekehrt.

Bei seinem ersten offiziellen Dienstantritt bei Hannover 96 zeigte er sich kämpferisch.

"Wir müssen dem Druck im Abstiegskampf standhalten", sagte der 42-Jährige, der am Samstag auswärts beim FSV Mainz 05 (ab 15 Uhr LIVE) erstmals als Chefcoach auf der 96-Bank sitzen wird.

"Da werden wir eine Mannschaft auf den Platz schicken, die mit Herz und Leidenschaft versucht, zu gewinnen. Man muss bei einigen unserer Spieler die Handbremse lösen."

Sein künftiger Arbeitsplatz ist für Slomka kein unbekannter.

Von 2001 bis 2004 war er in Hannover Co-Trainer von Ralf Rangnick.

Zudem fungierte der gebürtige Hildesheimer von 1989 bis 1999 als 96-Jugendcoach.

Schon vor seiner Ernennung zum Nachfolger von Andreas Bergmann wohnte Slomka im nur zehn Kilometer Luftlinie vom Stadion entfernten Hannoveraner Stadtteil Bothfeld.

Besondere Verbundenheit

Bei den 96-Heimspielen war er in den vergangenen Monaten häufig zu Gast.

"Daher kennt er unsere Mannschaft sehr gut. Zudem hat er sich in den Gesprächen top vorbereitet gezeigt", sagte 96-Manager Jörg Schmadtke.

Slomka ergänzte: "Es gibt für mich eine besondere Verbundenheit zu Stadt und Verein. Ich lebe hier und mein Herz hängt an der Stadt. Diese Mannschaft ist weiter die Nummer eins in Hannover. Dass muss sie bleiben. Dafür stehe ich gerade."

Doch den Klub und seinen neuen Coach verbindet mehr als eine gemeinsame Vergangenheit. Sie bilden auch eine Art Schicksalsgemeinschaft.

Slomka ist für die bis auf den Relegationsplatz abgerutschten Niedersachsen der wohl letzte Hoffnungsträger auf den Klassenerhalt.

Hannover scheint für Slomka derweil die vielleicht letzte Chance, langfristig in Deutschlands Eliteliga Fuß zu fassen.

"Komische Zeit" auf Schalke

Wo in den vergangenen Monaten ein Trainer in der Bundesliga entlassen wurde, tauchte fast immer der Name des neuen 96-Coaches unter den Nachfolge-Kandidaten auf.

Geklappt hat es mit einem neuen Job aber erst jetzt - fast zwei Jahre nach seinem Engagement bei Schalke.

"Das war für mich eine sehr lehrreiche, aber auch komische Zeit. Meine Arbeit auf Schalke war ja nicht ganz schlecht", meinte Slomka, der in Hannover einen Vertrag bis 2011 unterschrieb.

Der Kontrakt gilt nur für die Bundesliga.

"Erfolg braucht Visionen"

"Erfolg braucht Visionen. Zunächst einmal müssen wir aber aus der Misere herauskommen", meinte Slomka.

Angesichts der sportlichen Talfahrt seit dem Selbstmord von Torhüter Robert Enke ist der Druck groß. "Ich kann nicht Trainer und gleichzeitig Seelsorger sein", meinte der Coach hinsichtlich der Tragödie um Enke.

"Meine Aufgabe ist es, die Mannschaft leistungsmäßig auf die Spiele vorzubereiten. Ich gehe davon aus, dass die Spieler diese Gedanken verdrängen können, wenn sie auf den Platz gehen. Mein erster Eindruck ist da positiv."

Netten Herrn gibt es nicht

Zuletzt taumelten die 96-Profis angeschlagen durch die Liga. Tiefpunkt war die peinliche 0:3-Heimpleite am vergangenen Samstag gegen Tabellenschlusslicht Hertha BSC Berlin.

Mit seinem Ruf vom "netten Herrn Slomka" wollte Hannovers neuer Trainer gleich beim Amtsantritt aufräumen.

"Ich bin ein teamorientierter Trainer und konsequenter Mensch, der für die Spieler auch erreichbar ist. Dennoch muss man in einer Profimannschaft eiskalt handeln."

Kind begeistert

96-Boss Martin Kind zeigte sich von Slomka, der den Vorzug vor dem ehemaligen Bochumer Coach Marcel Koller erhalten hatte, überzeugt.

"Er hat ein gutes Konzept vorgelegt. Zudem kommt er aus Hannover. Er wird hier Sympathieträger sein."

Dafür braucht Slomka aber vor allem Punkte. Das weiß auch Kind: "Wir befinden uns in einer ganz besonders kritischen Situation."

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