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Wie soll's weitergehen: Unter Jürgen Klinsmann kommt Toni Kroos nicht zum Zug © imago

Er gilt als das größte deutsche Spielmacher-Talent. Doch unter Jürgen Klinsmann droht Toni Kroos bei den Bayern zu verkümmern.

Von Christian Paschwitz

München - Manchmal wirkt es fast so, als sei es ihm ein wenig peinlich, über die eigenen fußballerischen Glanzlichter zu parlieren.

Dann stiehlt sich Toni Kroos immer schnell am wartenden Journalisten-Pulk vorbei, wendet dabei gern auch den einst von Mehmet Scholl erfundenen Handy-Trick an (geht so: Gerät am Ohr und so tun, als telefoniere man geschäftig).

Natürlich befolgt der Youngster auch die Order seines Arbeitgebers, sich öffentlich jeglichen Kommentars zu enthalten - der FC Bayern will ihn eben schützen, seinen jüngsten Bundesliga-Spieler aller Zeiten.

Das war in der vergangenen Saison unter Trainer Ottmar Hitzfeld so. Die Experten schwärmten damals derart von Kroos' Spielmacher-Qualitäten, dass sie in ihn sogar das größte deutsche Talent seit Jahren rühmten.

Hoeneß hatte schon die Nummer 10 reserviert

Und bei den Bayern hatte Manager Uli Hoeneß im Wissen um sein Ausnahmetalent Kroos bereits das Trikot mit der legendären Nummer 10 reserviert.

Inzwischen ist Kroos volljährig und der Maulkorb aufgehoben. Es ist seine zweite Saison bei den Bayern-Profis. Und mittlerweile wirkt es so, als sei es Kroos unangenehm, über die eigene Situation zu reden.

Deshalb, weil sie sich komplett ins Gegenteil verkehrt hat. Konkret: Knapp ein Jahr nach seinem ersten Husarenstück im Trikot der Roten, als er im UEFA-Cup bei Roter Stern Belgrad das Siegtor erzielte und einen Treffer einleitete, findet sich Kroos bei den Bayern auf dem Abstellgleis wieder.

Die Reden über Kroos' Klasse sind verstummt. Allen Vorschusslorbeeren und einem glänzendem Saisonstart zum Trotz. Das frustriert.

"Ich bin fit, ich könnte spielen"

"Ich bin fit, ich könnte spielen", entfuhr es Kroos nun nach dem Champions-League-Match gegen Olympique Lyon (1:1), während er zu seinem Auto eilte. Die 90 Minuten zuvor hatte sich der gebürtige Greifswalder einmal mehr damit abfinden müssen, noch nicht einmal im Kader zu stehen.

Dabei hatte die Spielzeit unter Neu-Coach Jürgen Klinsmann keineswegs schlecht begonnen: Im Testspiel gegen Inter Mailand war Kroos das zentrale Element einer Mittelfeld-Raute. In der gleichen Rolle avancierte er in der 1. DFB-Pokal-Runde bei Rot-Weiß Erfurt gar zum 4:3-Siegtorschützen.

Auch beim Bundesliga-Start gegen den HSV spielte der Rechtsfüßer durch. Das mehr als solide.

Seit Dortmund ist Schluss

Seitdem allerdings spielt Kroos bei Klinsmann keine Rolle mehr. Gegen Dortmund am 23. August wurde der Blondschopf noch einmal eingewechselt, in der 64. Minute für Hamit Altintop. Obwohl der wegen seiner langwierigen Fußverletzung seither ausfällt, bleibt Kroos fortan unberücksichtigt.

So unberücksichtigt, dass ihm in Köln und im Pokal gegen Nürnberg ein Platz im Aufgebot versagt wurde, Kroos im Duell mit Hertha, Bremen und in Hannover auf der Bank schmorte.

Was die Sache umso bitterer macht: Keineswegs ist es so, dass die Bayern inzwischen ihre Stammelf gefunden haben, in die sich ein Jungspund wie Kroos schwer hineinzuspielen vermag. Stattdessen praktiziert der Trainer bisweilen eine extreme Rotation. Stammelf Fehlanzeige - Klinsmann sagt, allein Philipp Lahm sei gesetzt.

Nicht mal mehr Joker

Dennoch wird Kroos nicht mal mehr die Joker-Rolle zuteil in einem Mittelfeld, das lange übersichtlicher war als in der Vorsaison angesichts der Ausfälle von Altintop und kürzlich auch Franck Ribery.

In einer Mannschaft, in der ein Tim Borowski zunächst ebenso wenig zum Zug kam, ein Mark van Bommel eine Gelb-Rote Sperre sowie von Klinsmann verhängte Auszeit abbrummte.

Blieben im Mittelfeld-Gefüge noch Andreas Ottl, als Sechser aber auf einer anderen Position als Kroos; dazu Ze Roberto, Bastian Schweinsteiger und Jose Ernesto Sosa.

"Das ist eben die Situation beim FC Bayern"

Konkurrenz, die bessere Karten hat als Kroos, selbst bei Klinsmanns ständiger System-Verwerfungen (von 4-4-2 über 3-3-2-2 und 3-5-2 wieder hin zum 4-4-2).

Klinsmann sieht es so: "Das ist eben die Situation beim FC Bayern. Es ist im Moment sehr schwer bei uns auf die Bank zu kommen. Im offensiven Bereich sind ja alle da."

Auch am Samstag gegen den VfL Bochum (15 Uhr LIVE ) ist Kroos nur Statist. Klinsmann: "Ich schaue nicht auf die Einsatzzeiten, sondern ich sehe jeden Tag, was im Training abläuft."

Hier geht es zum zweiten Teil

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