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An ihm scheiden sich die Geister: Im inzwischen ausgestandenen Machtkampf zwischen DFB und Bundestrainer Jogi Löw gerät vor allem Teammanager Oliver Bierhoff zur großen Reizfigur
Joachim Löw (li. mit Oliver Bierhoff) trainiert die deutsche Nationalmannschaft seit 2006 © getty

Der Bayern-Coach wettert vor der Trainertagung weiter gegen die DFB-Auswahl und droht sogar. Immerhin wird der Lehrgang verkürzt.

Stuttgart - Louis van Gaal hat im Vorfeld der Trainertagung am Montag in Stuttgart für reichlich Zündstoff gesorgt und mit seiner harschen Kritik an Bundestrainer Joachim Löw und Teammanager Oliver Bierhoff die Gemüter erhitzt.

"Das ist kein Respekt. Es ist ein internationaler Kalender festgesetzt von der FIFA", echauffierte sich der Trainer von Bayern München über den ursprünglich vorgesehenen Kurzlehrgang der DFB-Auswahl von Sonntag bis Mittwoch in Stuttgart.

"Wir sind Klubtrainer und müssen unsere Spieler auch vorbereiten. Wir haben noch Freundschaftsspiele, da können sie das auch machen. Nein, sie müssen das aber in meiner Vorbereitung machen."

Lehrgang um einen Tag verkürzt

Löw reagierte offenbar auf die Giftfpfeile aus München und verkürzte den Lehrgang um einen Tag, so dass die Spieler bereits am Dienstagabend nach dem Fitnesstest wieder in ihre Heimat aufbrechen.

Der Bundestrainer betonte allerdings: "Das war keine Reaktion auf die Kritik. Wir haben schon in der vergangenen Woche beschlossen, dass die Spieler früher abreisen können, um am Mittwoch wieder normal zu trainieren. Wir schaffen alles in der Zeit."

Van Gaal droht der DFB-Führung

Van Gaal, der den Kurzlehrgang mit Markentingmaßnahmen und integriertem Leistungstest als "Wahnsinn" bezeichnet hatte, hatte sich zuvor sogar zu einer Drohgebärde gegen die DFB-Führung verleiten lassen:

"Ich denke, dass ich recht habe. Und wenn wir wollen, dann können wir sagen, dass die Spieler nicht kommen."

Da liegt der Bayern-Coach, der sich am Montag bei der Trainertagung unter der Leitung von Löw von seinem Assistenten Hermann Gerland vertreten lässt, allerdings falsch.

"Da ist Louis van Gaal vielleicht nicht richtig informiert. Dieser Termin ist zwar nicht von der FIFA vorgegeben, aber wir haben ihn in Absprache mit der DFL und allen Klubs in unserem deutschen Rahmenterminkalender verabschiedet", sagte der für die Nationalelf zuständige DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach.

"Verantwortung, erfolgreiche WM zu spielen"

Dafür habe die Nationalmannschaft auf mögliche Länderspiele im Februar und April verzichtet, zudem sei ein ursprünglich für Mitte Januar geplanter Kurzlehrgang auch mit Rücksicht auf die Münchner abgesagt worden.

Bierhoff, der am Freitag van Gaals Meinung "als nicht so wichtig", abgekanzelt hatte, gab sich am Sonntag nach den erneuten Attacken des Bayern-Trainers moderat.

"Wir stehen mit der Nationalmannschaft in der Verantwortung, eine erfolgreiche WM zu spielen. Diese Meinung teilen alle Bundesligatrainer. Die Meinung von van Gaal ist seine subjektive Sicht, die er so äußern kann", sagte der frühere DFB-Kapitän.

Bierhoff weist Kritik zurück

Ihn erstaune aber schon, "dass über einen Test geredet wird, der für Profis aus medizinischer Sicht keine außergewöhnliche Belastung darstellt und von daher keine große Diskussion auslösen sollte".

Die Kritik am Termin wies Bierhoff vehement zurück:

"Wir sind wie immer auf die Wünsche der Vereine indviduell eingegangen. Die Termine für die Marketingmaßnahmen von Montag bis Dienstagmittag und den Fitnesstest am Dienstagnachmittag wurden mit der DFL und den Bundesligaklubs abgestimmt."

195637(DIASHOW: Diese Spieler reisen zum Fitness-Test)

Heynckes: "Sollte kein Problem sein"

Dabei erhält der Bundestrainer auch viel Rückendeckung.

"Das sollte für die Liga kein Problem sein. Wir stehen vor einer WM, da müssen die Fitness-Tests sein", sagte Trainer-Routinier Jupp Heynckes von Herbstmeister Bayer Leverkusen.

Auch Rangnick und Hannovers neuer Trainer Mirko Slomka unterstützen den Bundestrainer.

"Wenn die Nationalmannschaft den Leistungstest nicht machen würde und dann funktioniert es bei der WM nicht, würden alle fragen, warum die nichts getan haben. Die Nationalmannschaft ist wichtig", sagte Slomka.

Und Rangnick meinte: "Es sind ja nur zwei, drei Tage, und andere Vereine sind auch betroffen."

"Im Interesse des gesamten deutschen Fußballs"

Löw ist davon überzeugt, dass er trotz des Störfeuers aus München die Bundesliga mit ins Boot nehmen kann.

"Wir haben ein WM-Jahr, und es liegt im Interesse des gesamten deutschen Fußballs, dass wir unser Team optimal vorbereiten. Deshalb gehe ich auch weiterhin davon aus, dass alle Klubvertreter die Nationalmannschaft auf dem Weg zur WM und während des Turniers in Südafrika unterstützen", sagte der Bundestrainer.

Unterstützung hinsichtlich des Leistungstests erhielt er auch von DFB-Internist Tim Meyer:

"Die Nationalmannschaft braucht ihre eigenen Tests, die die Grundlagen für eine sinnvolle Aufbauarbeit vor allem im WM-Jahr sind."

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