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Kuschelgruppe an der Bayern-Bank: Arjen Robben (o.) herzt Louis van Gaal © imago

Die Geburtstags-Gala des Niederländers in Bremen bringt Bayerns Trainer und den überforderten Gegner aus dem Gleichgewicht.

Von Martin van de Flierdt

München - Louis van Gaal hatte das Unheil kommen sehen.

Doch als Arjen Robben mit einem sehenswerten Freistoß den 3:2 (2.1)-Siegtreffer für Bayern München bei Werder Bremen erzielt hatte, gab es kein Entrinnen.

Den auf ihn zulaufenden Torschützen vor Augen, versuchte van Gaal mit der Schreibmappe in der linken Hand die Flucht zu ergreifen. Doch er kam nicht weit. Nach wenigen Metern geriet der 58-Jährige ins Straucheln und verlor noch vor der Trainerbank den Boden unter den Füßen.

Robbens Flachs war ihm gewiss, als er den lachenden van Gaal erreichte. "Er hatte vielleicht ein bisschen Angst vor mir", vermutete der Dribbelkünstler. Schließlich hatte der Trainer in Dortmund schon Franck Ribery in Höchstgeschwindigkeit allein mit seiner Körpermasse stoppen müssen.

Van Gaal dürfte in diesem Moment eine grobe Vorstellung davon gehabt haben, welche Panik Robben an diesem Nachmittag bei seinen Bremer Gegenspielern ausgelöst hatte.

Immer wieder stellte der Niederländer an seinem 26. Geburtstag die Werder-Abwehr und besonders den bemitleidenswerten Linksverteidiger Aymen Abdennour mit seinen Tempoläufen vor unlösbare Probleme.

Seine Gala war ein wesentlicher Grund dafür, dass die Münchner ihren Angstgegner über weite Strecken der Partie beherrschten.

Remis abgewendet

Dennoch standen sie nach den Treffern von Aaron Hunt (10.) und Hugo Almeida (75.) für Bremen sowie Thomas Müller (25.) und Ivica Olic (35.) kurz vor einem ärgerlichen Remis, ehe Robben den Sieg und die zumindest vorübergehende Tabellenführung sicherte (78.).

"Es ist unglaublich, dass wir nur 3:2 gewonnen haben", meinte van Gaal nach dem Abpfiff. "Der Sieg muss viel höher ausfallen. Aber wir haben zu viele Chancen ausgelassen. So ist der Stress bis zum Abpfiff geblieben."

Daran war auch Robben nicht ganz unschuldig. Wie seine Offensivkollegen Mario Gomez und Olic ließ er Kontergelegenheiten in Hülle und Fülle aus, die die weit vorgerückte Bremer Defensive den Münchnern offerierte.

"Hätten zehn machen können"

"Bei allem Respekt vor Werder: Wenn man realistisch ist, hätten wir zehn Tore machen können", räumte Robben ein. "Ich hätte heute schon Stefan Kießling in der Torjägerliste überholen können. Aber manchmal will der Ball einfach nicht ins Tor. Und dann geht der Schwierigste rein."

Warum Robben im Anschluss an seinen Freistoß schnurstracks auf den Trainer zusteuerte, erklärte van Gaal so:

"Normalerweise schießt Holger Badstuber die Eck- und Freistöße von rechts. Aber in der ersten Halbzeit ist daraus eine Chance für Werder entstanden. Also habe ich in der Halbzeit umgestellt und Robben gesagt: Okay, Sie dürfen jetzt die Ecken und Freistöße übernehmen."

Comeback von Ribery

Mit den bekannten Folgen. "War doch eine gute Idee", meinte Robben daher mit einem Grinsen. Das 3:2 war der sechste Ligasieg der Münchner in Serie im zwölften Spiel ohne Niederlage hintereinander.

Und als Bonbon feierte Ribery nach 112 Tagen Abwesenheit sein Comeback in der Bundesliga. Er wurde nach 68 Minuten für Olic eingewechselt. "Es ist immer gut, wenn solche Spieler zurückkommen", kommentierte van Gaal.

Dass Torhüter Jörg Butt in der Halbzeit wegen Magen-Darm-Problemen Michael Rensing Platz machen musste, fiel nicht negativ ins Gewicht.

Werder ernüchtert

Bei den Bremern machte sich hingegen trotz des knappen Resultats Ernüchterung breit. "Man muss nicht darüber diskutieren, dass es für die Bayern-Fans ein tolles Spiel war", sagte Trainer Thomas Schaaf. "Wir haben den Münchnern so viele Chancen erlaubt, das habe ich noch nie erlebt."

Per Mertesacker gestand, dass Werder "defensiv sicher nicht das beste Spiel" gemacht habe: "Wir haben mächtig viel Glück gehabt." Torhüter Tim Wiese kam daher zu dem Schluss, dass "wir noch lange nicht da sind, wo die Bayern sind."

"Müssen Abschied von unseren Träumen nehmen"

Die Bremer verlieren nach der vierten Pleite hintereinander im sechsten sieglosen Spiel in Serie langsam aber sicher den Anschluss an die Europapokalplätze.

"Wir schaffen es momentan nicht, ans Limit zu gehen und müssen Abschied von unseren Träumen nehmen", meinte Geschäftsführer Klaus Allofs zerknirscht: "Wir müssen jetzt wie in der Hinrunde eine Serie starten." In der aktuellen Verfassung dürfte das schwierig werden.

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