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Bochums Sestak (l.) dreht jubelnd ab, Schalkes Neuer (M.) und Bordon sind bedient © getty

Felix Magath sieht mangelnde Erfahrung als Grund für den verpassten Sieg in Bochum. VfL-Trainer Herrlich glänzt als Hellseher.

Von Thorsten Mesch

München - Felix Magath wäre auch mit einem schlichten Sieg einverstanden gewesen. Das hatte Schalkes Trainer vor dem Revier-Derby in Bochum erklärt und vor einer "schweren Aufgabe" gewarnt.

Schlicht spielen und trotzdem gewinnen - so hatte sich Magaths Mannschaft bis auf den zweiten Platz geschlichen.

In Bochum sah es sogar danach aus, als sollten die Königsblauen den Rasen nicht nur als Sieger, sondern auch als Tabellenführer verlassen.

Nach Toren von Vicente Sanchez (5.) und Kevin Kuranyi (42.) lag Schalke lange in Führung. Doch Vahid Hashemian (82.) und Stanislav Sestak in der Nachspielzeit machten den Gästen beim 2:2 einen Strich durch die Rechnung.

Mangelnde Erfahrung als Schwachpunkt

"Mit dem Spiel meiner Mannschaft war ich lange Zeit zufrieden und sehe ihren Auftritt auch als gut an", sagte Magath. Allerdings habe "man dann gesehen, was es heißt, wenn man eine junge Mannschaft hat."

Es könne "immer mal passieren, dass man zwei Gegentore bekommt. Aber wenn man zwei Tore bekommt, wo alle nur zuschauen, dann hat das schon mit mangelnder Erfahrung zu tun."

Womit Magath aber nur zum Teil Recht hatte. Bei Hashemians 1:2 nach einer Ecke patzte Schalkes Abwehr im Kollektiv, beim 2:2 ließ Rafinha (139 Bundesligaspiele) Hashemian flanken, und Bordon (285 Bundesligaspiele) ließ Sestak unbedrängt einköpfen.

Wolfsburg bestätigt Kontakt zu Rafinha

Rafinha machte vor dem 2:2 fast den Eindruck, als sei er in Gedanken woanders. Vor dem Spiel hatte die "Bild" gemeldet, der Wechsel des Brasilianers zum VfL Wolfsburg sei so gut wie perfekt - was Magath sofort dementierte.

"Wir hatten ja vor einem halben Jahr schon einmal die Situation, dass irgendwer wusste, dass Rafinha nach Bayern wechselt. Jetzt hat sich wohl ein Spaßvogel gedacht, er macht dasselbe - nur mit einem anderen Verein", sagte Schalkes Trainer und Manager.

Immerhin bestätigte Wolfsburg den Kontakt zu Rafinha. "Wir sind in Gesprächen, aber es gibt noch keinen Vollzug", erklärte Pressesprecher Gerd Voss. Nach dem Spiel verließ Rafinha schnellen Schrittes das Stadion und sagte lediglich: "Es hat sich heute Nachmittag nichts getan."

Sack nicht zugemacht

Schon in der ersten Halbzeit hätten die Schalker das Spiel in Bochum zu ihren Gunsten entscheiden können, doch ihnen fehlte die Entschlossenheit.

Sie lauerten auf Fehler des VfL, anstatt den Sack zuzumachen - wie beim 3:0 im Hinspiel und beim 3:0 im DFB-Pokal.

Bochums Mannschaft sei "nicht mehr zu vergleichen mit der zu Beginn der Saison", hatte Magath gewarnt. Der VfL habe "unter dem neuen Trainer neuen Schwung bekommen".

Herrlich bringt neuen Schwung

Neuen Schwung brachte Heiko Herrlich auch auf Schalke, und zwar mit seinen Personalentscheidungen. Mit den nach der Pause eingewechselten Paul Freier und Mimoun Azaouagh für Zlatko Dedic und Roman Prokoph war Bochum nicht mehr mit der verunsicherten VfL-Mannschaft der ersten 45 Minuten zu vergleichen.

"In der ersten Halbzeit haben wir zu viele lange und hohe Bälle gespielt. Das haben wir nach der Pause korrigiert", erklärte Herrlich und lobte die Moral seines Teams. "Ich wusste, dass das Spiel noch kippen kann, wenn uns der Anschlusstreffer gelingt."

Glückliches Händchen und hellseherische Fähigkeiten

In der 72. Minute brachte Herrlich Hashemian für Joel Epalle - und der Joker stach. Zehn Minuten nach seiner Einwechslung erzielte der Iraner den Anschlusstreffer, dann bereitete er den Ausgleich vor.

"Der Trainer hat mir bei meiner Einwechslung gesagt: 'Du machst ein Tor und eine Vorlage' - und es hat funktioniert", freute sich Hashemian. Was sich zunächst wie ein Scherz anhörte, "war die Wahrheit", wie Herrlich versicherte.

Zwar wartet der VfL weiter auf den ersten Heimsieg unter Herrlichs Leitung, der war aber dennoch "zufrieden mit dem Punkt".

Remis als gefühlte Niederlage

Für die Schalker war das Unentschieden dagegen eine gefühlte Niederlage. "Natürlich sind wir als Mannschaft enttäuscht. Wir haben die zweite Halbzeit verschlafen und deswegen die Punkte verschenkt", sagte Kuranyi, der seinen zehnten Saisontreffer erzielt hatte.

"Wir sind alle sauer auf uns, dass wir so fahrlässig mit unser Führung umgegangen sind", meinte Neuer, richtete den Blick aber sogleich nach vorn: "Wir müssen aufs nächste Heimspiel gucken und versuchen, wieder guten Fußball zu spielen und die Punkte zuhause zu behalten."

Zur Not würde den Schalkern aber am kommenden Wochenende gegen Hoffenheim wohl auch ein schlichter Sieg reichen.

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