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Kevin Großkreutz (l.) kam 2009 von Rot Weiss Ahlen zu Borussia Dortmund © getty

Nach dem Sieg über den HSV schwärmt ganz Dortmund von Jürgen Klopps Jugendgarde und träumt sogar vom Titel. Doch der Coach bremst.

Dortmund - Die Borussen-Bubis haben ihre Reifeprüfung bestanden und machen Appetit auf mehr.

Ganz Dortmund schwebt nach dem überraschenden Höhenflug der "Mannschaft der Stunde" auf Wolke sieben.

Als die Fans nach dem 1:0 (1: 0) über den Titelmitfavoriten Hamburger SV sogar die ersten Gesänge von der deutschen Meisterschaft anstimmten, bremste Trainer Jürgen Klopp die Euphorie:

"Wir wissen, wie schwer es war, dorthin zu kommen, wo wir jetzt stehen. Und wir wissen auch, wie schwer es ist, dort zu bleiben."

Super-Serie für BVB

Das klingt nach Understatement angesichts des Sprungs auf Platz vier der Tabelle mit einem Vorsprung von acht Punkten auf Rang sechs sowie einer beeindruckenden Erfolgsserie seiner Youngster:

Zwölf Spiele in Folge ungeschlagen, die letzten sechs allesamt gewonnen, seit 600 Minuten im heimischen Stadion ohne Gegentor.

Vom Fernziel Europa League ist längst nicht mehr die Rede, längst blühen bei den Fans Träume von der Champions League.

"Uns interessiert nicht der Abstand nach oben oder unten. Wir sehen derzeit nur das nächste Spiel. Diese Mannschaft braucht keine übergeordneten Ziele", meinte Klopp.

Youngster ganz routiniert

Der Trainer lässt keine Gelegenheit aus, auf das Durchnittsalter seiner Mannschaft zu verweisen: "Andere Spieler fahren zu A-Nationalmannschaft, bei uns fahren sie zum Lehrgang der U 19."

So routiniert und abgeklärt wie seine "Rasselbande" derzeit auf dem Feld wirkt, so ausgelassen feierte sie nach dem Schlusspfiff auf dem ramponierten Rasen ihre Big Points gegen den HSV, den sie auf Platz fünf verwiesen und die erste Auswärtsniederlage der Saison bescherten.

"Es ist einfach geil, in dieser Mannschaft zu spielen, bei uns passt alles zusammen. Jeder hilft jedem, das macht unsere Stärke aus", schwärmte U21-Europameister Mats Hummels, dessen starke Vorstellungen in den vergangenen Monaten von Bundestrainer Joachim Löw - zur allgemeinen Verwunderung - bislang noch nicht honoriert wurde

"Ich mache mich nicht verrückt"

"Ich mache mich nicht verrückt. Ich werde weiter versuchen, meine Rolle gut zu spielen, dann wird sich alles ergeben. Mein Ziel ist natürlich die Nationalmannschaft", sagte der 21-Jährige.

Ihren Teamgeist demonstrierten Hummels und Co. auch nach dem Abpfiff, als sie spontan ihren Matchwinner Nelson Valdez hochleben ließen.

Dem Paraguayer, der für den beim Afrika-Cup weilenden Mohamed Zidan in die Anfangsformation rückte, fiel nach seinem ersten Treffer (36.) seit 14 Spielen ein Stein vom Herzen.

"Das war ein Sieg, der uns sicherlich weiterbringt", meinte Valdez.

Mit alten Tugenden zum Erfolg

Es gab wahrlich nichts zu kritisieren für BVB-Coach Klopp: "Ich bin stolz auf diese Truppe, sie hat aufopferungsvoll gekämpft und Charakter gezeigt. Der ist wichtig im Leben, aber auch ein wichtiger Teil des Fußballs."

Nur mit diesen Tugenden, so Klopp, habe man die Verletztenserie so erfolgreich bewältigt. "Wir gehen derzeit auf dem Zahnfleisch, aber das nicht so schlecht."

Damit sprach er auch seinem Hamburger Kollegen Bruno Labbadia aus der Seele. Doch dieser wollte nicht allein die fast schon chronische Verletzungsmisere als Entschuldigung für die Niederlage gelten lassen.

"Nach 15 Minuten hatten wir verloren"

"Wir haben das Kräftemessen nach 15 Minuten verloren. Zwei Torchancen, mehr war nicht drin. Mehr hat aber auch der BVB nicht zugelassen. Wir waren spielerisch nicht so stark, haben uns zu wenig gezeigt - mit und ohne Ball", resümierte der Ex-Profi.

Zumindest einen Coup konnte Labbadia verkünden: Der beim spanischen Rekordmeister Real Madrid ausgemusterte niederländische Torjäger Ruud van Nistelrooy von Real Madrid wird am Montag in Hamburg einen Vertrag bis zum 30. Juni 2011 unterschreiben.

"Er hat sich für uns entschieden, weil er Ambitionen hat. Er wird uns allein mit seiner Erfahrung weiterhelfen."

Und natürlich mit seinen Toren. Immerhin 46 waren es in 68 Spielen für die "Königlichen".

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