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Werder Bremen konnte seit sechs Spielen nicht mehr gewinnen © getty

Seit sechs Spielen hat Werder nicht mehr gewonnen. Verletzungen und der Vertragspoker um Mesut Özil bestimmen das Geschehen.

Von Martin van de Flierdt

München - Der Fußball ist schnelllebig.

Das weiß man auch und womöglich besonders gut in Bremen.

Denn was noch im Herbst den vermeintlichen Überfliegern als Mahnung mit auf den Weg gegeben wurde, dient nun als Mantra des Durchhaltens.

Noch vor wenigen Wochen war Werder Bremen ob seiner Serie von 23 ungeschlagenen Spielen als ernsthafter Titelanwärter gehandelt worden.

Sechs Partien ohne Erfolg später ist aus dem Topteam eine graue Maus geworden, die sich zunehmend von den ausgegebenen Saisonzielen entfernt.

Abschied von der Champions League

"Wenn man vier Mal verliert und auch nicht so überragend gespielt hat, dann muss man sich von Zielen wie Champions League oder Champions League-Qualifikation verabschieden", räumt Geschäftsführer Klaus Allofs ein.

Besagte vier Niederlagen am Stück hatte es unter Thomas Schaaf erst ein Mal gegeben, zwischen dem 19. und 23. Spieltag der Saison 2002/03.

Der Coach sagte noch unter dem Eindruck der nur vom Ergebnis her nicht drastischen 2:3-Niederlage gegen Bayern München seine Teilnahme an der Tagung der Bundesliga-Trainer in Stuttgart ab.

"Wir sind angeknockt"

"Ich habe hier genug zu tun", begründete er diese Entscheidung. Denn die Verunsicherung der Mannschaft ist nicht wegzudiskutieren und will bekämpft werden."

"Wir sind momentan angeknockt, auch aufgrund der personellen Situation", bekennt Per Mertesacker. "Es steckt sehr viel Potenzial in der Mannschaft. Aber wir dürfen nicht nur darüber reden, sondern müssen es auch zeigen."

Genau das will seit dem bravourösen 6:0 in Freiburg am 13. Spieltag nicht mehr gelingen. Claudio Pizarro verpasste verletzungsbedingt einige Spiele, ohne ihn fehlte der Werder-Offensive der Vollstrecker.

Özil außer Form

Dass Mesut Özil ein Angebot zur Vertragsverlängerung in Bremen ausschlug und zum medialen Spekulationsobjekt geriet, hat die Form des für Werder so wichtigen Nationalspielers zudem nachhaltig beeinträchtigt.

"Wir dürfen nicht alles auf die Schultern von Özil abladen", nimmt Allofs den Spielmacher zwar in Schutz. "Aber wenn er in Form ist, haben wir mehr Qualität."

Und wenn Werder alle Mann an Bord hat. "Im Moment fehlen uns vier Spieler: Claudio Pizarro, Sebastian Boenisch, Daniel Jensen und Philipp Bargfrede", zählt Schaaf auf.

"Die können wir nicht so einfach ersetzen. Ich denke, wir können mehr liefern, wenn wir wieder alle zusammen haben."

Borowski nicht überzeugend

Eine Ohrfeige besonders für Tim Borowski, der den Platz des in der Hinrunde überraschend konstanten Eigengewächses Bargfrede eingenommen hat.

"Tim Borowski hat noch nicht die Form, für die er eigentlich steht", gibt Schaaf zu.

Boenisch-Ersatz Aymen Abdennour, der in seinem zweiten Ligaspiel von Bayerns Arjen Robben die Grenzen aufgezeigt bekam, hält Schaaf indes noch nicht für ein Problem:

"Abdennour hat seine Sache defensiv gar nicht so schlecht gemacht. Die Einbindung in die Kombinationen, ins Spiel nach vorne fehlt aber noch."

Schwankungen der Jugend

Dass das im Herbst gefeierte Kreativtrio Özil, Aaron Hunt und Marko Marin seinen Zauber verloren hat, findet Schaaf zudem "ganz normal: Sie alle sind aufgrund ihres Alters Leistungsschwankungen unterworfen."

Dennoch muss Werder schleunigst einen Weg aus dem Tief finden, soll nicht auch die Europa League außer Sichtweite geraten. Denn "in der momentanen Verfassung können wir nicht mithalten", gesteht Allofs.

Er fordert zum wiederholten Mal "totale Bereitschaft" ein, ohne die es nicht gehe. An nur sechs Spieltagen hat Werder gegenüber Samstagsgegner Bayern München 16 Punkte eingebüßt.

Während der Erzrivale Hamburger SV gerade mit Ruud van Nistelrooy einen richtig dicken Fisch an Land gezogen hat, wollen die Bremer nicht mehr auf dem Transfermarkt zuschlagen.

"Wir haben keinen Handlungsbedarf", stellt Allofs in der "Bild" klar.

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