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Ruud van Nistelrooy traf in 64 Länderspielen 33 Mal für die Niederlande © imago

Dem neuen Star der Liga fliegen die Herzen zu - aber Ruud van Nistelrooy ist im Lauf seiner Karriere auch schon öfter angeeckt.

Von Martin Hoffmann

München - Er ist ein Weltstar, der nicht nur in Hamburg mit offenen Armen empfangen wird.

Rund 50 Prozent der Sport1.de-User sind sich einig: Ruud van Nistelrooy hilft nicht nur dem Hamburger SV - das sagen etwa 40 Prozent -, er ist "toll für die ganze Liga".

Die Vorfreude auf "Van the Man", der auf sein Debüt nächste Woche gegen den 1. FC Köln hofft, ist gewaltig.

Zehntausende Trikots mit seinem Namen sind schon zur Produktion in Auftrag gegeben.

Dabei müssen die Hamburger aber auch wissen: Ihr neuer Star ist nicht nur für Tore gut, sondern auch für Kontroversen.195995(DIASHOW: Ruud van Nistelrooys Vorstellung und Karriere)

Für einige Tage Deutschlands Lieblingsfeind

Fast vergessen ist, dass der neue Liebling Fußball-Deutschlands einmal für einige Tage sein Lieblingsfeind war.

Es war vor dem EM-Gruppenspiel der DFB-Elf gegen die Niederlande 2004, als van Nistelrooy das Duell mit einem brisanten Kommentar noch weiter aufheizte.

"Hier geht's nicht nur um bisherige Duelle, sondern auch um geschichtliche Hintergründe", wurde er zitiert: "Vor allem um das, was vor 60 Jahren passiert ist."

Gemeint war nicht die Geburt von Günter Netzer.

"Nicht mehr alle Löcher im Käse"

Van Nistelrooy habe "nicht mehr alle Löcher im Käse", zürnte die "Bild"-Zeitung damals in ihrer Funktion als Sprachrohr der deutschen Volksseele.

Zu ihrem Verdruss schoss van Nistelrooy gegen Deutschland dann auch noch den 1:1-Ausgleich für die Oranjes.

Aber auch im eigenen Land hatte der Stürmer später Stress, sein Verhältnis zu Ex-Bondscoach Marco van Basten war spannungsreich, nachdem der ihn bei der WM 2006 nie durchspielen ließ.

Anfang 2007 trat van Nistelrooy sogar aus der Nationalelf zurück - ehe er nach seinen überragenden Leistungen bei Real Madrid zu einem Comeback bis zur EM 2008 überredet wurde.

Spannungen mit Ferguson

Auch bei Manchester United hatte er sich zum Ende mit dem allmächtigen Teammanager Sir Alex Ferguson überworfen.

Die Spannungen reichen zurück bis ins Jahr 2004. Englische Medien berichteten, dass van Nistelrooy gegenüber Freunden über Fergusons Transferpolitik geklagt hätte.

Van Nistelrooy missfiel vor allem der Verkauf seines wichtigsten Vorlagengebers David Beckham nach Madrid.

Zugleich geriet der Stürmerstar aber selbst in die Kritik. Roy Keane, Manchesters damaliger Kapitän, warf ihm intern vor, nach einer Vertragsverlängerung samt Gehaltserhöhung den Biss verloren zu haben.

Dazu wurde ihm ein herablassender Ton gegenüber Teamkollegen nachgesagt, die er nicht auf demselben Niveau wähnte.

"Sir Alex" sieht Einstellungsmängel

Trotzdem blieb van Nistelrooy mit seinem Torinstinkt Stützpfeiler bei United - bis zum Jahr 2006.

Der Niederländer verlor in der Rückrunde seinen Stammplatz bei den "Red Devils". Ferguson glaubte, Einstellungsmängel bei ihm entdeckt zu haben.

Der Riss zwischen den beiden wurde im Ligapokalfinale sichtbar: Van Nistelrooy musste beim 4:0 gegen Wigan zusehen und verzog später auch bei der Siegesfeier keine Miene.

Trainings-Zoff mit Ronaldo

Im letzten Ligaspiel gegen Charlton dann der endgültige Bruch: Van Nistelrooy stand nicht im Kader, reiste drei Stunden vor dem Spiel ab.

"Es gab unter der Woche ein paar Dinge, die mich in Bezug auf die Atmosphäre im Klub besorgt haben", erklärte Ferguson wolkig.

Später kam heraus: Van Nistelrooy war im Training mit dem aufstrebenden Cristiano Ronaldo aneinandergeraten.

"Renn doch zu deinem Papa!"

Die beiden zofften sich, weil Ronaldo den Niederländer durch seine Verspieltheit auf die Palme brachte. Der Ärger eskalierte, als van Nistelrooy Ronaldo anraunzte: "Renn doch zu deinem Papa!"

Gemeint war zwar Ronaldos Ziehvater, Manchester Co-Trainer Carlos Queiroz. Doch weil Ronaldos tatsächlicher Vater kurz zuvor verstorben war, kam der Spruch gar nicht gut an.

Obwohl bei den Fans Heiligenstatus hatte: Nach dem Eklat war bei United kein Platz mehr für ihn.

Ein Grund, warum Real Madrid ihn für verhältnismäßig günstige 15 Millionen Euro kaufen konnte. United hatte 2001 noch 28,5 Millionen an den PSV Eindhoven bezahlt.

Van Nistelrooy klagte später, United hätte ihm nach Jahren loyaler Dienste "in den Rücken gestochen".

Warme Worte für den HSV

Es war die bittere Scheidung einer erfolgreichen beruflichen Ehe. Seine aktuelle ist dagegen noch mitten in den Flitterwochen.

Van Nistelrooy meint gar gemerkt zu haben, dass die Hamburger "immer noch nicht fassen können", dass er bei ihnen unterschrieben hat, wie er dem "Telegraaf" anvertraute.

"In mancher Hinsicht ist man dort noch wirklich bescheiden, obwohl man ein großer Topklub in Deutschland ist", erklärte er.

Ein Grund mehr, dass ihm in der Hansestadt weiter alle Herzen zufliegen werden - für den Moment zumindest.

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