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Nelson Valdez spielt seit 2006 für Borussia Dortmund © getty

Nelson Valdez denkt unentwegt an seinen angeschossenen Teamkameraden. Im Sport1.de-Interview spricht er über den Schock.

Von Martin van de Flierdt

München - Nelson Valdez ist zutiefst geschockt:

Sein Nationalmannschaftskollege Salvador Cabanas wurde in Mexiko durch einen Kopfschuss lebensgefährlich verletzt und ringt mit dem Tod.

Der Stürmer von Borussia Dortmund spricht im Sport1.de-Interview über den Schock und die Bedeutung für das Team von Paraguay.

Zudem nennt der 26-Jährige vor dem Spiel in Stuttgart (So., ab 15 Uhr LIVE) Gründe für den Höhenflug von Borussia Dortmund.

Der BVB ist nach mäßigem Saisonbeginn bis auf Platz vier geklettert und gilt spätestens nach dem 1:0-Sieg über Hamburg als die Mannschaft der Stunde.

Sport1.de: Herr Valdez, Ihr Nationalmannschaftskamerad Salvador Cabanas schwebt in Lebensgefahr. Wie haben Sie davon erfahren?

Nelson Valdez: Mein Vater hat mich sofort angerufen, als das in Paraguay in den Nachrichten gekommen ist. Es ist eine Tragödie. Ich kenne Salvador seit knapp sieben Jahren. Er ist ein guter Kollege, fast ein Freund von mir. Wir haben viel zusammen erlebt. Es ist ein Schock für uns alle.

Sport1.de: Welchen Stellenwert hat Cabanas für Paraguay?

Valdez: Das sieht man schon daran, dass er in der WM-Qualifikation unser bester Torschütze war. Er hat wesentlich dazu beigetragen, dass wir in Südafrika dabei sind. Wir werden jetzt für sein Leben beten und hoffen, dass alles gut geht, damit er bald wieder mit uns Spaß haben kann.

Sport1.de: Sie haben kürzlich gesagt, dass laut Musik gehört und viel gelacht wird, wenn Sie bei der Nationalmannschaft zusammenkommen. Wie wird das beim nächsten Mal?

Valdez: Ich glaube nicht, dass wir viel zu lachen haben werden. Und laute Musik wird sicher auch nicht gespielt. Es wird eine ganz andere Atmosphäre sein. Wir werden jetzt die WM für ihn spielen. Nichts anderes zählt. So sieht man wieder mal, dass Fußball nicht die wichtigste Sache der Welt ist.

Sport1.de: Bis dahin muss er sportlich ersetzt werden. Hat Paraguay gleichwertigen Ersatz?

Valdez: Salvador hat für uns immer eine sehr gute Rolle gespielt, weil er einer ist, der die Mannschaft immer gepusht hat. Aber zum Glück haben wir sehr gute Leute im Sturm wie Roque Santa Cruz oder Oscar Cardozo, die ihn gut vertreten können.

Sport1.de: Auch Sie gehören zu diesen Kandidaten, haben zuletzt für den BVB gegen Hamburg das Siegtor erzielt. Wie erklären Sie den Höhenflug des BVB?

Valdez: Unsere größte Waffe ist es, dass wir jedes Spiel als geschlossene Mannschaft bestreiten. Jeder von uns kämpft bis zum Umfallen und wird dafür belohnt. Es macht uns so stark, dass jeder für den anderen da ist. Von mir aus kann das so weiter gehen.

Sport1.de: Das Spiel des BVB ist sehr laufintensiv, dazu muss das Team viele Verletzte ersetzen. Haben Sie keine Bedenken, dass irgendwann der Akku mal leer ist?

Valdez: Wir sind ja im Moment nur in einem Wettbewerb aktiv. Das ist zwar schade, aber in unserem Fall gerade auch von Vorteil. Denn so haben wir eine ganze Woche Zeit, um uns zu regenerieren. Momentan machen am Tag nach den Spielen immer nur drei oder vier Leute das Auslaufen mit. Der Rest ist angeschlagen und wird behandelt.

Sport1.de: Zu Beginn der Saison lief es nicht so rund. Wie erklären Sie sich die Steigerung?

Valdez: Schlecht waren wir ja auch am Anfang der Saison nicht, nur haben wir nicht so gut gepunktet. Wenn wir verloren haben, war das immer knapp. Nur gegen Bayern München war es beim 1:5 vom Resultat her deutlich, obwohl wir 1:0 geführt haben und noch zwei, drei Tore hätten machen müssen. Dafür wird man natürlich bestraft.

Sport1.de: Inzwischen wird der BVB von der Konkurrenz anders wahrgenommen, nämlich als Spitzenteam?

Valdez: Wir haben uns diesen Respekt ja selbst erarbeitet. Borussia Dortmund hat ja eine große Vergangenheit. Und jetzt ist Borussia wieder da, wo sie hingehört.

Sport1.de: Reicht es schon, um in den Kampf um die Champions-League-Plätze ernsthaft eingreifen zu können?

Valdez: Darüber will ich gar nicht groß reden. Aber natürlich werden wir zusehen, dass wir aus unseren Spielen das meiste herausholen. Und dann hoffen wir, dass wir noch weiter nach oben klettern.

Sport1.de: Am Wochenende geht es nach Stuttgart, das eine starke Aufwärtstendenz aufweist. Was erwarten Sie vom VfB?

Valdez: Stuttgart war immer eine Mannschaft der Rückrunde. Der VfB hat im Vorjahr schon eine überragende zweite Serie gespielt. Wir haben dort gut gespielt, doch Stuttgart war noch besser. Das macht die Aufgabe am Sonntag richtig schwer für uns. Aber wir werden uns nicht verstecken.

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