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Im Gespräch mit Sport1.de: Erich Ribbeck (r.) mit Mathias Frohnapfel © getty

Leverkusen wird bis zum Saisonende um den Titel spielen, meint Erich Ribbeck. Bei Sport1.de verrät er, was Bayer so stark macht.

Von Mathias Frohnapfel

München - Mit einem Mal tauchte Bayer Leverkusen unübersehbar auf der Landkarte von Fußball-Europa auf, der Erfolgscoach dazu hieß Erich Ribbeck. 1988 führte er die Werkself zum Triumph im UEFA-Cup.

Er ist damit neben Dragoslav Stepanovic der einzige Trainer, dem es überhaupt gelang, den Leverkusener Trophäenschrank mit einem wertvollen Cup zu füllen. "Stepi" gewann 1993 den DFB-Pokal.

Sowohl Christoph Daum als auch Klaus Toppmöller mussten sich indes mit Platz zwei zufrieden geben. Trotz beeindruckender Spielweise blieb am Ende in der Meisterschaft das Etikett "Vizekusen" an Bayer hängen.

Jetzt nimmt Bayer einen neuen Anlauf. Ribbeck traut seinem Ex-Klub auf jeden Fall in dieser Saison viel zu. "Sie sind Erster, gut in die Rückrunde gestartet und Jupp Heynckes ist ein sehr erfahrener Trainer", sagt er im Gespräch mit Sport1.de.

"Die Leverkusener werden sicher bis zum Ende oben mitspielen." Die Erfolgsserie der Mannschaft, die in dieser Saison noch ungeschlagen ist, hat laut Ribbeck wesentlich mit Sportdirektor Rudi Völler, Spitzname "Tante Käthe", zu tun.

"Er kennt das Geschäft von der Pike auf, als Spieler, Trainer und Manager", erklärt der frühere Nationaltrainer und verteilt zugleich ein dickes Lob: "Es ist Leverkusen gelungen, die Mannschaft geschickt und auch günstig zu verstärken. Rudi Völler macht einen sehr guten Job."

Starkes Trainerteam

Ein gutes Händchen bei den Einkäufen wie beim Abwehrstrategen Sami Hyypiä ist das eine - eine kampfstarke Einheit zu formen das andere. Hier verweist Leverkusen-Kenner Ribbeck auf den Beitrag des gesamten Trainerteams.

Seiner Meinung nach hat Heynckes alles richtig gemacht, als er für die Zusammenarbeit mit Co-Trainer Peter Hermann stimmte.

Herrmann kehrte im Sommer 2009 nach einem Jahr als Assistenztrainer in Nürnberg zu Bayer zurück, nachdem er zuvor mehr als 20 Jahre in verschiedener Funktion in Leverkusen mitgewirkt hatte.

Sachverstand und eine gute Kenntnis vieler Spieler zeichnet Hermann aus. Er assistierte bereits Ribbeck in den achtziger Jahren, "ein sehr guter Trainer", meint Ribbeck anerkennend.

Beeindruckt von Kroos

Überhaupt komme das Duo Heynckes und Herrmann als Einheit daher. "Das passt bei den Beiden." Und auch die starken Leistungen von Toni Kroos sind Ribbeck nicht entgangen. Ihm imponiert, dass Kross den Schritt von München nach Leverkusen ging.

"Das wünscht man sich, dass die jungen Spieler weniger aufs Geld achten als darauf, dass sie sich weiterentwickeln und zum Einsatz kommen." Jedoch könnte gerade ein Einbruch bei Toni Kroos Bayers Höhenflug stoppen.

Ribbeck warnt vor einem Tauziehen zwischen Leverkusen und Bayern. "Da leidet oft die Leistung des betreffenden Spielers."

Mit Blick auf die Meisterschaft tippt "Sir Erich" derweil "gefühlsmäßig eher auf die Bayern". Für die Münchner spreche die "größere langjährige Erfahrung".

Bayer-Trainer Jupp Heynckes vertritt naturgemäß dazu eine andere Meinung. "Wir stehen auf Platz eins, haben zwei Punkte Vorsprung auf Bayern. Die Mannschaft hat sich hervorragend entwickelt", argumentiert er im "kicker".

Und tönt vorm Spiel gegen Freiburg (So., ab 17.15 Uhr LIVE) selbstbewusst in Richtung München: "Ich bin der Meinung: So leicht sind wir da oben nicht wegzuholen."

"Das Ende der Fahnenstange" sei noch nicht erreicht, meint Heynckes. Trainer-Kollege Felix Magath ist da skeptischer. "Jupps Team ist noch jung, da muss man immer mit Punktverlusten rechnen", sagte der Schalker Coach.

Vereinsklima als Motivationsschub

Und außerdem werde Bayer "nicht mithalten können", wenn die Münchner ihre Möglichkeiten ausschöpfen. In Leverkusen werden sie sich vermutlich über diese düstere Prognose nicht den Kopf zerbrechen.

Und das liegt nicht nur daran, dass Heynckes auch den zweiten Platz als "großartigen Erfolg" betrachten würde. Vor allem die Arbeitsbedingungen sind bei Bayer bestens. Auch Ribbeck sieht darin einen wichtigen Grund für Bayers starke Serie.

"Das Vereinsklima stimmt, das war aber schon immer so." Der nächste Titelgewinn würde dieses Binnenklima nicht verschlechtern.

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