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Der Trainer und der Mann des Tages: Arjen Robben herzt Louis van Gaal © getty

Für den FC Bayern läuft es traumhaft. Van Gaals System greift, Robben überragt, Ribery kommt. Der Kurs geht klar Richtung Spitze.

Von Daniel Rathjen undMathias Frohnapfel

München - Es ist so etwas wie ein bayerisches Wintermärchen.

Die Protagonisten: Trainer Louis van Gaal und Arjen Robben.

Der "Kuschel-General" und sein Held in Strumpfhosen. Sie prägen momentan den FC Bayern 198232(die Bilder).

Und mit ihnen reitet das ganze Team auf einer kraftvollen Welle Richtung Meisterschaft (Ergebnisse und Tabelle).

Der FSV Mainz hatte im Schneegestöber der Allianz Arena am 20. Spieltag beim klaren 3:0 (0:0) nicht den Hauch einer Chance.

Der Rekordmeister steht nach dem neunten Pflichtspielsieg in Folge wieder ganz oben - zumindest bis zum Leverkusen-Spiel am Sonntag (Datencenter: Ergebnisse und Tabelle).

Es zeichnet sich ab: Auf dem Weg zur 22. deutschen Meisterschaft können sich die Bayern wohl nur noch selbst aufhalten.

Handschrift deutlich sichtbar

"Wir selbst sind die größte Gefahr für uns, nicht der Gegner", merkt langsam auch van Gaal.

Nicht ohne Grund. Denn seine Handschrift ist immer deutlicher zu erkennen.

Seit er in der täglichen Arbeit mehr auf die Wünsche seiner Akteure eingeht, hat er zudem entscheidend an Ansehen in der Mannschaft gewonnen. Das hilft allen.

"Die Automatismen sind drin. Es hat seine Zeit gedauert, aber sind sie drin", beschrieb Stürmer Mario Gomez.

Robben nicht zu bremsen

Gegen die überforderten Mainzer war das erste Tor daher von Beginn an nur eine Frage der Zeit.

Daniel van Buyten (58.), begünstigt von einem schweren Patzer des ansonsten guten FSV-Keepers Heinz Müller, Mario Gomez (75.) und Robben (86.) trafen.

Der bärenstarke Niederländer bereitete zudem das 1:0 vor und war auch sonst wieder nicht zu bremsen.

"Mit dem Schnee waren das schwierige Umstände. Wir haben in der Halbzeit gesagt: Wir müssen ruhig bleiben, die Chancen kommen wieder. Es war nicht einfach heute", gab der 26-Jährige jedoch zu.

Doch auch nach dem Wechsel wirbelte Robben in seiner grauen langen Unterhose nach Belieben.

Das kommt an bei seinen Kollegen. "Es ist eine schöne Sache, solche Spieler im Kader zu haben", lobte van Buyten.

Und auch Philipp Lahm outete sich als Bewunderer des Flügelflitzers: "Robben ist überragend, so kennen wir ihn, wie er Eins gegen Eins oder Eins gegen Zwei geht."

Van Gaal schwärmt

Sein Coach frohlockte: "Das war unser bestes Heimspiel. Ich habe einen sehr guten FC Bayern gesehen. Ich bin sehr zufrieden."

Das einzige Manko der klar überlegenen Bayern: die Chancenverwertung.

Die Münchner, die 64 Prozent Ballbesitz und 31:6 Torschüsse verzeichneten, verpassten ein Schützenfest.

In der 32. Minute vergab Jörg Butt einen von Niko Bungert an Thomas Müller verschuldeten Foulelfmeter.

Für den Bayern-Keeper ("Ich ärgere mich am meisten darüber") war es der fünfte Fehlschuss seiner Karriere, 26-mal hatte er bisher getroffen.

"Wenn wir alle Möglichkeiten verwertet hätten, wäre es zweistellig ausgegangen", vermutete Kapitän Mark van Bommel.

Tuchel zollt Bayern Respekt

Auch den Gäste aus der Karnevalsstadt war das bewusst. Mainz-Coach Thomas Tuchel erkannte den Sieg der Münchner "neidlos" an.

"Sie haben eine Topleistung gezeigt. Wir waren gegen eine Klassemannschaft chancenlos", sagte er.

Im Hinspiel hatten die Mainzer überraschend noch mit 2:1 gewonnen.

Van Gaal erlaubte sich ob der totalen Dominanz sogar den Luxus, seinen genesenen Star Franck Ribery 58 Minuten lang auf der Ersatzbank schmoren zu lassen.

"König Franck" lauert

"Auch Franck kann sehen, dass wir ohne ihn sehr gut spielen. Er hat Extra-Qualitäten. Ich muss ihn integrieren, das ist nicht so einfach", bemerkte der Trainer.

Ribery habe drei Monate nicht gespielt, "nun soll er in einer hervorragenden Mannschaft in hohem Tempo spielen. Das ist auch für Ribery nicht möglich. Das hat man gegen Bremen und auch heute gesehen", erklärte van Gaal.

Der Franzose wird sich deshalb wohl auch am kommenden Samstag in Wolfsburg mit der Reservistenrolle zufrieden geben müssen.

Vielleicht spielt er danach auch noch eine tragende Rolle im bayerischen Wintermärchen.

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