vergrößernverkleinern
Bedient: Per Mertesacker, Torsten Frings und Markus Rosenberg (v.l.) nach dem Abpfiff © getty

Das desaströse 3:4 in Mönchengladbach ist Werder Bremens fünfte Pleite in Serie. Ein Ende der Misere ist nicht abzusehen.

Von Martin van de Flierdt

München/Mönchengladbach - Als Klaus Allofs nach 18 Spielminuten im Mönchengladbacher Borussia Park in die Gesichter seiner Spieler schaute, erblickte er das blanke Entsetzen.

"Man konnte es den Spielern ansehen, dass sie ziemlich geschockt waren", berichtete Werder Bremens Geschäftsführer.

Dieser Umstand für sich genommen verwunderte deutlich weniger als sein Zustandekommen. 0:3 lagen die Bremer nach eben jenen 18 Minuten hinten.

Marco Reus (4.) und Roberto Colautti (13.) jeweils auf Vorlage von Raul Bobadilla sowie der Argentinier höchstselbst hatten dem in den letzten Wochen entzauberten ehemaligen Titelkandidaten kräftig eingeschenkt.

Dabei hatte Werder im Vorfeld für die Reise an den Niederrhein die große Wende proklamiert.

"Nach dem Spiel beträgt die Differenz zwischen uns und Gladbach neun Punkte", hatte Marko Marin vor dem Aufeinandertreffen mit seinem Ex-Klub vollmundig verkündet. Und nun das.

Drei frühe Tiefschläge, dreimal über die vom tunesischen Winterneuzugang Aymen Abdennour unzureichend besetzte linke Abwehrseite. Doch der 20-Jährige war beileibe nicht allein in seinem sportlichen Elend.

Unerklärliche Anfangsphase

"Wenn man in dieser Woche gesehen hat, wie wir uns vorbereitet haben, dann ist es schwer zu verstehen, wie so eine Anfangsphase zustande kommt", gab Trainer Thomas Schaaf zu.

"Wir haben fast keinen Zweikampf geführt."

Nach dem kurzen Hoffnungsschimmer durch das 1:3 von Mesut Özil (26.) verließen sich Per Mertesacker und Schlussmann Tim Wiese aufeinander, als Bobadilla dazwischenspritzte, und das 1:4 besorgte (35.).

Dieser Rückstand war trotz der Anschlusstore durch Claudio Pizarro (40.) und Torsten Frings (85., Elfmeter) nicht mehr aufzuholen.

"Grottenschlecht und katastrophal"

"Ich habe schon viele Spiele gesehen. Aber ich kann mich nicht erinnern, auf diese Art und Weise in einer Halbzeit vier Gegentore hergeschenkt zu haben", sagte Allofs.

"Das war grottenschlecht. Wir haben ein katastrophales Defensivverhalten, das man sonst nur von Jugendmannschaften kennt."

Werders Klubboss warf der Mannschaft nicht zu Unrecht handwerkliche Fehler vor:

"Beim ersten Tor spielen wir in einer Situation auf Abseits, in der das strengstens verboten ist. Und beim vierten Tor ist einfach nicht die Konsequenz da, die man in einem solchen Spiel haben muss."

Die defizitäre Rückwärtsbewegung der ganzen Mannschaft ist Allofs zufolge der wesentliche Unterschied zum Herbst, als die Bremer 23 Pflichtspielbegegnungen lang nicht verloren:

"Nicht dass wir da gezaubert oder unsere technisches Potenzial ausgespielt haben, hat uns damals stark gemacht, sondern dass wir in der Defensive sehr konsequent gespielt haben. Das haben wir im Moment absolut nicht."

Fünf Pleiten in Serie

Sieben Spiele währt die Bremer Durststrecke nun schon. Die jüngsten fünf Begegnungen setzten sie am Stück in den Sand, der Rückstand auf Platz fünf ist auf sieben Punkte angewachsen. 198232(DIASHOW: Die Bilder des Spieltags)

In der Form von Mönchengladbach wird Werder dem Tabellenfünften Hamburger SV nicht mehr gefährlich werden.

"Es macht tieftraurig, dass wir nicht aus unseren Fehlern lernen und sie stattdessen auch noch mehrfach wiederholen", meinte ein desillusionierter und selbst keineswegs fehlerfreier Mertesacker.

"Es wäre gut, wenn jeder mal auf sich selbst gucken würde", verpasste Trainer Schaaf ihm daher eine Breitseite. "Es hilft wenig, auf andere zu schauen. Jeder hat eine Aufgabe in unserem Spiel, und die muss er erfüllen."

Verunsicherung und Angst

Wachsende Verunsicherung und die Angst vor weiteren Niederlagen erschweren den Bremern laut Allofs die Wende, die "wir aber jetzt sehr schnell schaffen müssen".

Schaaf ist in dieser Woche also auch wesentlich als Psychologe gefragt.

Ein Teilbereich seines Jobs, für den ihn Mittelfeldspieler Jurica Vranjes vor wenigen Tagen erst untauglich erklärt hatte. Schaaf selbst steht klubintern dennoch weiterhin nicht zur Diskussion.

"Das sind Dinge, die für uns überhaupt nicht in Frage kommen. Unruhe muss ja nicht immer bedeuten, dass man verrückte Dinge macht", erklärte Allofs.

"Wir werden auch den Kader nicht korrigieren. Und zwar wegen einer Kombination aus Notwendigkeit und finanzieller Situation. Die Spieler, die uns weiterhelfen würden, können wir uns nicht leisten."

Bobadillas Befreiung

Bei der Borussia hingegen kehrt nach mäßigem Start ins Jahr 2010 wieder Ruhe ein, nicht zuletzt wegen Bobadillas Galavorstellung. 934 Minuten hatte er auf ein Tor warten müssen, ehe der Knopf aufging.

"Wir müssen behutsam mit ihm umgehen. Das Tor war für ihn eine Art Befreiung. Er wird uns in Zukunft noch helfen", hielt Trainer Michael Frontzeck den Ball flach.

Bobadilla selbst genoss seinen großen Augenblick dennoch in vollen Zügen: "Es war ein perfekter Tag."

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel