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Der gebürtige Brasilianer Kevin Kuranyi kam 2005 vom VfB Stuttgart zum FC Schalke 04 © imago

Der einst so ungeliebte Stürmer läuft unter Trainer Magath zur Bestform auf und will verlängern. Hoffenheim hat die Tor-Krise.

Gelsenkirchen - Kevin Kuranyi trifft und trifft und trifft, doch den hohen Ansprüchen von Meistermacher Felix Magath genügt er offenbar noch nicht.

"Wir hatten eigentlich verabredet, dass er zwei Tore macht", sagte der Trainer und Manager von Schalke 04 nach dem 2:0 (1:0) gegen 1899 Hoffenheim und verkniff sich mühsam ein Grinsen: "Er muss aufpassen, dass das nicht bald Konsequenzen hat."

Der Torjäger der Königsblauen, der mit seinem elften Saisontreffer (19.) den Grundstein zum fünften Heimsieg in Folge gelegt hatte, nahm den Ball auf:

"Ja, es stimmt, ein Tor hat noch gefehlt. Das habe ich mir für das nächste Spiel aufbewahrt." Und schmunzelnd fügte der 27-Jährige nach seinem dritten Tor im dritten Spiel in 2010 an: "Ich hoffe, ich muss jetzt nicht Torschüsse mit Medizinbällen machen."

Spaß am Fußball ist zurück

Das Geplänkel zwischen Musterschüler und Lieblingstrainer verdeutlichte: Auf Schalke ist ausgerechnet unter "Quälix" Magath der Spaß am Fußball zurückgekehrt.

Zwar brillieren die Königsblauen, die zu Hause seit 496 Minuten ohne Gegentor sind, nicht wie Bayer Leverkusen, dominieren nicht wie Bayern München, aber dennoch haben sie sich im Spitzentrio der Bundesliga festgesetzt.

Dabei wird Magaths Handschrift immer deutlicher: Aus der besten Defensive der Liga heraus mit schnellen Kontern - dieses Konzept praktizieren sie auch im eigenen Stadion mit wachsendem Erfolg. Und zerstreuten damit Magaths Zweifel.

"Es war ein guter Abend"

"Jetzt sind wir mit sieben Punkten aus drei Spielen auch gut in die Rückrunde gestartet", stellte der Wolfsburger Meistercoach zufrieden fest: "Es war nicht perfekt, aber ein guter Abend."

Den ganz großen Wurf traut Magath seiner jungen Mannschaft, für die der 21-jährige Lukas Schmitz das entscheidende 2:0 erzielte (49.), trotz nur einer Niederlage in den letzten 14 Punktspielen - zumindest öffentlich - noch nicht zu.

"Ich gucke nicht nach oben, sondern immer auf Platz sechs und sieben", betonte der Trainer. Dieser Blick dürfte ihm nach dem 20. Spieltag keine Sorgen mehr bereiten: Der Abstand zu einem Platz, der nicht zur Europapokal-Teilnahme berechtigt, ist bereits auf 13 Punkte angewachsen.

Kuranyi will bleiben

Je weiter oben die Schalker landen, desto größer sind die Chancen, dass Torjäger Kuranyi auch künftig für die Königsblauen spielt. Der aus der Nationalmannschaft verbannte Stürmer macht keinen Hehl daraus, dass er nach 148 Bundesliga-Spielen mit 64 Toren für Schalke gerne bleiben würde.

"Wenn alles stimmt, werde ich die richtige Entscheidung treffen", sagte Kuranyi, der nach schwierigen Phasen mittlerweile von den Schalker Fans ins Herz geschlossen wurde.

"Schön, dass du noch da bist, Kevin", hieß es auf einem Transparent. Dass er sich in der Winterpause einem Wechsel für 4,5 Millionen Euro zum FC Sunderland verweigerte, rechnet ihm der königsblaue Anhang hoch an.

Hoffenheim mit Tor-Krise

Die Liebe auf den zweiten Blick erwidert er mit seiner bislang besten Saison - seine Bestmarke von 15 Toren ist 14 Runden vor Schluss nur noch vier Treffer entfernt.

Einen Kuranyi mit dieser Quote könnte Hoffenheim derzeit gut gebrauchen. "Es ist eines unserer Hauptprobleme, dass wir uns schwer tun mit dem Toreschießen", sagte Trainer Ralf Rangnick nach dem dritten Spiel in Folge ohne Treffer.

Die Situation nach sieben Partien ohne Sieg sei "für alle frustrierend".

"Wir müssen den Arsch hochkriegen"

Zwar konnte der ehemalige Schalker Coach zu Recht auf insgesamt neun fehlende Spieler und eine "krasse Fehlentscheidung" von Schiedsrichter Florian Meyer (Burgdorf) verweisen, der ein klares Foul von Vicente Sanchez an Andreas Beck (46.) nicht mit einem Elfmeter ahndete.

Doch auch Rangnick muss erkennen: Vom hochgelobten Offensivfußball, mit dem der damalige Neuling noch vor gut 13 Monaten die Bundesliga verzückte, ist nichts mehr geblieben.

Graues Mittelmaß ist die Gegenwart. "Wir müssen jetzt den Arsch hochkriegen", forderte Torwart Timo Hildebrand.

Manager Jan Schindelmeiser klang eher ratlos, als er feststellte: "Wir haben eine gute Mannschaft, aber sie spielt nicht gut."

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