DSF-Experte Udo Lattek kann sich über Bremen nur noch wundern und fordert viel mehr Druck - ganz anders als bei 96.

Hallo Fußball-Freunde,

ich mag Thomas Schaaf und Klaus Allofs sehr gerne. Nach Werder Bremens 3:4-Niederlage gegen Mönchengladbach darf ich aber trotzdem nicht an den Fehlern vorbeisehen.

Um die zu beheben, muss man auch mal etwas härter dazwischengehen. Das fehlt mir bei Thomas Schaaf in letzter Zeit. Die Defensive lief zuletzt oft nur nebenher - da muss ich als Trainer doch Einfluss nehmen.

Schaaf ist mir im Moment etwas zu ruhig. Kann sein, dass er im Training auch mal dazwischenhaut, aber das würde ich mir auch mal in der Öffentlichkeit wünschen, damit die Leute sehen: Mensch, der lebt noch.

Wenn man Schaaf sieht, meint man fast, das interessiere ihn alles gar nicht. Er muss wieder offensiver spielen und selbst auch offensiver werden.

Es ist für mich unbegreiflich, wie eine Mannschaft so abstürzen kann, die ohne Zweifel spielerisches Potenzial hat.

Vielleicht spielt das Thema Torsten Frings auch eine gewisse Rolle: Der tut mir ja schon fast leid. Er hat drei schwere Verletzungen gehabt und ist im Moment einfach nicht in der Form, in der ihn auch Jogi Löw brauchen könnte.

Löws Entscheidung war sicherlich richtig - aber vielleicht hat sich dieses Problem nun von Frings auch auf Werder selbst ausgebreitet.

Dass auch noch Jurica Vranjes so nachtritt, kann ich gar nicht verstehen, das finde ich nicht in Ordnung: Er hat acht Jahre bei Werder gespielt, und wenn er die Leistung gebracht hätte, die man von ihm erwartet, hätte er sicherlich auch öfter gespielt.

Die Bremer haben jahrelang sehr gut eingekauft. Jetzt haben sie mal das Pech, dass keiner der Neuzugänge richtig eingeschlagen hat, dass im Prinzip gerade alles schief geht.

Ähnlich ist das bei Hannover 96 nach dem verlorenen "Abstiegsendspiel" gegen Nürnberg: Beim dritten Gegentor laufen fünf Rote nur nebenher, Albert Bunjaku kann ganz einfach durchlaufen und zum Torerfolg kommen. Die Defensive steht komplett falsch. So was darf nie passieren, da ist eine totale Unsicherheit in der Mannschaft.

Womöglich hat sich die Mannschaft zu lange mit dem Tod von Robert Enke beschäftigt. Man hätte davon sofort Abstand nehmen müssen. Es gab ja Diskussionen, ob man das erste Spiel danach gegen Schalke verschieben sollte.

Aber ich spreche aus eigener Erfahrung: Wenn man in so einer Situation ist, wo auch der Tod mit reinspielt, dann muss man sehen, dass man schnellstmöglich wieder zum Alltag übergeht.

Was letzte Transfertätigkeiten angeht: Wo gibt es jetzt noch Spieler, die man verpflichten kann und die wirklich gut sind?

Mirko Slomka sagt, er braucht 12 oder 13 Führungsspieler, die voran gehen. Aber woher will er die denn nehmen? Die hat er einfach nicht. Wenn er zwei, drei Leute in der Mannschaft findet, dann hat er schon viel. Nur die müssen dann auch aus sich herauskommen und die anderen mitziehen.

Druck kann Slomka im Moment auf die Mannschaft jedenfalls nicht ausüben, denn ihm fehlen einfach die Spieler. Er kann im Moment nur intensiv mit der Mannschaft sprechen und versuchen zu erörtern, woran es wirklich liegt. Denn es kann nicht sein, dass eine ganze Mannschaft in so ein Loch fällt.

Euer Udo Lattek

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